
Es läuft beim VfB Lübeck vor der Jahreshauptversammlung: Sportlich nach vorne, doch in den Gremien rückwärts und bergab. Es ist anders als sonst. Der schwarze Freitag, der 13. März 2026, ist in die Geschichtsbücher des Vereins eingegangen – und auch in die Annalen des deutschen Fußballs. Seitdem ist nichts mehr so, wie es war. Ein Angriff auf das eigene Wohnzimmer, das ist das, was bleibt und was bis heute kein „Ja, das war kacke, wir haben Mist gemacht, sorry“ mit sich brachte. Stattdessen wird ein jahrelanges Missmanagement damit gerechtfertigt, dass Gewalt die Lösung gewesen sein soll. Dass man damit die Büchse der Pandora erst geöffnet hat, war vorher wohl niemandem bewusst.
War es das wert?
Wenn sich zwei Freunde streiten, dann besinnen sie sich irgendwann oft auf das, was sie verbunden hat, und raufen sich wieder zusammen. Dann trinken sie ein kühles Getränk und fragen sich, warum sie sich eigentlich gestritten haben und ob es das Ganze wert war. Auf der Lohmühle sind ebenfalls Freundschaften zerbrochen, die sich nun wie Spinnenfeind gegenüberstehen. Die Leidtragenden sind nun die Fans, die noch wissen, warum sie dorthin kommen – sie denken grün-weiß. Andere denken in politischen Lagern. Wer aufhört miteinander zu reden, verlässt die demokratische und vor allem menschliche Ebene. Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt sagte einmal: „Lieber 100 Stunden umsonst verhandeln als eine Minute schießen.“
Entschuldigung
Eine Entschuldigung tut nicht weh und zeigt Größe. Aus Fehlern lernen alle. Nur muss man es eben auch ernst meinen. Sind die Fronten noch so verhärtet, es gibt immer eine Lösung. Es geht um das „Wollen“! Ehrenmänner sind in der Lage, so eine Entscheidung zu fällen, sonst wären sie keine Ehrenmänner.
Journalisten einschüchtern? No way!
Ach ja: Ehrenmänner rufen auch keine Journalisten an und beschimpfen sie als „Nazi-Schweine“. Ehrenmänner schreiben auch keine Instagram-Nachrichten, in denen sie einen unheimlichen Unsinn von sich geben, der nur unter dem Einfluss geistiger Umnachtung getrieben sein kann. Und wenn sie so etwas schon schreiben, warum löschen sie ihre Nachricht dann zwei Wochen später wieder? Das ist Kindergarten Eulen-Gruppe. So etwas schüchtert weder ein, noch macht man sich damit Freunde. Erwachsene sprechen über Dinge und finden eine vernünftige Lösung. So aber macht man sich unglaubwürdig und vor allem lächerlich.
Unter uns…
Ich möchte hier ganz klar betonen, dass wir immer für alle Seiten jederzeit gesprächsbereit sind. Wenn sich aber eine Seite nicht öffnet, weil es ihr Kodex ist, dann ist das eben so. Dann darf man aber auch hinterher nicht beleidigt sein, wenn die andere Seite den Gesprächsvorschlag annimmt. „Mit dem rede ich nicht, der ist doof.“ Junge, Junge… da kann ich vorher noch so viele Pyrofackeln abgebrannt haben. Das macht mich nicht zum Mann.
Der zweite Punkt in Grün-Weiß ist die Ehrlichkeit. Auch hier kann sprechenden Menschen geholfen werden. Scheiße passiert. Und? Aber man muss den Mund an der richtigen Stelle aufmachen. Wenn man nichts sagen möchte, dann sagt man nichts. Alles gut. Hinterher aber auch hier wieder zu sagen, dass der und der das und das gar nicht so hätte schreiben sollen… was soll sowas?
Kommt alles auf den Tisch?
In einer Woche ist eine weitere Jahreshauptversammlung des Lübecker Traditionsvereins. Man geht davon aus, dass es hoch hergeht. Verständlich, denn die ganzen Fragen, denen man in den vergangenen Monaten auswich, kommen dann auf den Tisch. Ich hoffe nur, dass es dann nicht solche Sätze gibt wie: „Das müssen wir erst prüfen“ oder „Das ist nicht Inhalt der heutigen Veranstaltung“ oder „Das muss jetzt hier nicht besprochen werden“ oder, oder, oder… Die Zeit der Stummheit muss vorbei sein und alle Amtsträger sollten vorbereitet sein.
Ehrenamt hat etwas mit Ehre zu tun
Ja, für den einen oder anderen ist es ein Ehrenamt, doch das spricht niemanden davon frei, sein Ehrenamt nicht ernst zu nehmen. Man hat eine Verantwortung übernommen, weil man sich in der Lage fühlte, sich dieser Verantwortung bewusst zu sein. Ist man es nicht, muss man das mitteilen. Dann ist man dafür nicht geeignet. Das ist nicht schlimm und zeugt sogar von Größe. Doch sehenden Auges lachend in die Kreissäge zu laufen, ist nicht ehrenhaft, das ist „nicht clever“, um es mit den Worten von Soufian Benyamina auszudrücken. Boah, habe ich gedacht, der will mich verarschen, als er das gefühlt zehnmal in einem Interview sagte.
Handeln statt labern
Insbesondere die vergangenen inzwischen sieben Monate haben schwerwiegende Verfehlungen und nicht nachvollziehbare Entscheidungen mit sich gebracht. Entweder man korrigiert diese noch vor oder während der Mitgliederversammlung oder man tut es eben nicht. Dann wird sich zeigen, wie eisig und einsam der dunkle Winter werden könnte.
Der Appell an die vermeintlichen Macher beim VfB Lübeck kann nur sein: Macht endlich!
In diesem Sinne.
Euer Roland Kenzo
Bildquellen
- Pappelkurve VfB Lübeck: sr








