Zwei Brüder, ein Verein und das Wunder vom Marschweg

Die besondere Geschichte von Lennart und Malte Pietsch

Lennart und Malte Pietsch nach dem diesjährigen Pokalsieg. Foto: (privat)

Kaltenkirchen – Es ist ein Tag, den sie nie vergessen werden. Der 14. Mai 2026 wird für den ganzen Verein der Kaltenkirchener TS stets in Erinnerung bleiben. Für zwei Menschen war dieser vergangene Donnerstag jedoch einmal mehr ein ganz besonderer: Lennart und Malte Pietsch.

Herz schlägt für Kaltenkirchen

Die beiden Brüder kommen gebürtig aus Henstedt-Ulzburg, ihre Heimat bleibt allerdings ganz klar Kaltenkirchen. „Schon immer da gewohnt, schon immer da gelebt und auch schon immer da gespielt“, fasst es der jüngere Malte zusammen. Der 27-Jährige und sein älterer Bruder Lennart machten jeweils ihre ersten Schritte mit dem Ball bei der KT und sind dort nun seit über 20 Jahren ein fester Bestandteil des Vereins.

Zahlreiche tolle Momente erlebten die beiden zusammen oder alleine in diesem Club, einer der schönsten war dieser 14. Mai vor zwei Tagen in Schackendorf. Im Finale des Kreispokals Segeberg traf die KT auf den Oberliga-Meister und klaren Favoriten SV Todesfelde.

„Das hilft auf jeden Fall“

Die Underdog-Rolle wurde in diesem Fall zum Vorteil, wie das Geschwister-Duo empfindet: „Ich denke schon, dass es helfen kann, als Außenseiter in so ein Pokalfinale zu gehen. Hätte Todesfelde gewonnen, hätten wahrscheinlich viele gesagt: Damit war zu rechnen. Dadurch konnten wir relativ befreit in das Spiel gehen“, erklärte Lennart im Interview mit HL-SPORTS.

Auch Malte bestätigte dies: „Das hilft auf jeden Fall. Gerade nach sieben sieglosen Spielen in der Liga war uns klar, dass wir gegen Todesfelde Außenseiter sind und eigentlich nichts zu verlieren haben. Wille kann manchmal Qualität schlagen und das hat in diesem Spiel einfach perfekt funktioniert.“

Ein seltener Torschütze, dafür ein umso besonderer Moment

So sollten die Pietschs nicht nur mit dabei sein, sondern zum Mittelpunkt des Geschehens werden. Kurz vor der Pause ging der favorisierte SVT in Führung. Doch nach dem Seitenwechsel nahm das Wunder seinen Lauf.

In Minute 52 glich das Team von Cheftrainer Martin Genz aus, der Torschütze: Lennart Pietsch. „Das war ein unglaublich schöner Moment. Im ersten Augenblick wusste ich gar nicht, wohin mit meinen Emotionen. Ich schieße tatsächlich nicht so oft Tore, deshalb war das natürlich nochmal besonderer – vor allem in so einem wichtigen Pokalspiel. Der Treffer hat uns noch einmal richtig Auftrieb gegeben und man hat gemerkt, dass dadurch auch ein Ruck durch die Mannschaft gegangen ist im Sinne von: Hier ist was möglich. Vor unserer Fankurve zu treffen, hat sich einfach richtig gut angefühlt“, so der 29-Jährige.

„Einfach pure Ekstase“

Dieser Ruck blieb nicht nur ein Gefühl, sondern machte sich auch auf dem Platz bemerkbar. Obwohl in der Folge lange nicht viel passierte, hielt der Außenseiter voll mit. In der 84. Minute hielt sich im weißen Trikot dann niemand mehr zurück. Nach dem Tor seines Bruder zum Ausgleich war es Malte Pietsch, der seiner Mannschaft den 2:1-Siegtreffer und damit den Pokalsieg bescherte.

Der Torschütze wusste gar nicht wirklich, wohin mit sich: „Ich habe gefühlt den Jubelschrei der Fans schon gehört, bevor ich überhaupt gesehen habe, dass der Ball drin ist. Danach war es einfach pure Ekstase. So spät im Spiel dieses Tor zu machen, da dachtest du direkt: Das könnte heute der entscheidende Treffer gewesen sein. Dann sind wir einfach gemeinsam vor die Fans gelaufen. Das war gar kein klassischer Torjubel mehr, sondern einfach pure Freude mit der Mannschaft. Wir sind da mehr oder weniger zusammen hingefallen. Es war einfach ein unglaubliches Gefühl.“

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Lennart und Malte Pietsch nach dem Pokalsieg 2025. Foto: (privat)

Erschöpfung, Adrenalin und pure Freude

Alle, die es mit Kaltenkirchen hielten, warteten in der Folge nur noch auf den Schlusspfiff. Als dieser etönte, war es für den Ausgleichshelden „im ersten Moment vor allem pure Erleichterung. Das Spiel war extrem intensiv und ich musste erstmal durchatmen und realisieren, dass wir es tatsächlich geschafft haben. Ich hatte kurz vorher noch gedacht, dass eine Verlängerung unglaublich kraftzehrend geworden wäre.“ Auch der Matchwinner spürte zunächst die pure Erschöpfung und brauchte erstmal ein paar Sekunden, um das Ganze zu realisieren.

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Es folgten: Adrenalin und pure Freude. „Zum dritten Mal hintereinander den Kreispokal zu gewinnen und dabei auch noch Todesfelde zu schlagen, war etwas ganz Besonderes. Gerade, weil Todesfelde im Pokal oft unser Kryptonit gewesen ist“, erklärte Lennart. Malte ergänzte: „Ich finde, wir haben an dem Tag so viel Wille auf den Platz gebracht, dass wir uns diesen Sieg einfach verdient hatten. Dann mit den Fans zusammen zu feiern und sich gemeinsam feiern zu lassen, war ein unglaubliches Gefühl.“

„Der Pokal ist mit nach Hamburg gekommen“

Die Feierlichkeiten wurden unmittelbar nach dem Spiel mit den mitgereisten Fans und den Familien genossen. Danach ging es zurück ins Vereinsheim, wo schon weitere Anhänger warteten. Dort wurde dann noch das ein oder andere Kaltgetränk getrunken. Für die beiden Geschwister endete der Abend verhältnismäßig etwas früher, denn für beide ging es schon am Folgetag wieder auf die Arbeit. Das hielt ihre Teamkollegen jedoch nicht auf, wie der jüngere Bruder schmunzelnd erzählte: „Einige aus der Mannschaft sind danach noch auf den Kiez weitergezogen. Ich kann nur so viel sagen: Der Pokal ist mit nach Hamburg gekommen. Was danach passiert ist, bleibt aber besser in der Mannschaft.“

„Verkörpert genau die Mentalität der KT“

Solch ein besondere Familienmoment ist auch verbunden mit enormem Stolz. Genauso blickt Malte zu seinem älteren Bruder Lennart hoch: „Mein Bruder verkörpert eigentlich genau die Mentalität der KT. Er hat von der Kreisklasse B bis in die Oberliga jede Liga mitgenommen und mehrere Meisterschaften gefeiert. Jetzt mit ihm zusammen in der Oberliga zu spielen, macht mich extrem stolz. Und ihn dann in so einem Spiel dieses wichtige Tor köpfen zu sehen, war schon etwas Besonderes. Im ersten Moment habe ich gar nicht realisiert, dass er es war. Aber dass wir beide unseren Beitrag zu diesem Sieg leisten konnten, macht mich schon sehr stolz.“

„Man hat gesehen, wie viel uns das bedeutet hat“

Auch Lennart fand abschließend nur lobende Worte für seine jüngere Hälfte: „Ich bin natürlich super stolz auf meinen Bruder. Jeder weiß, welches Talent er besitzt und dass für ihn sicherlich auch noch mehr möglich gewesen wäre. Umso schöner ist es, dass wir jetzt schon seit mehreren Jahren gemeinsam bei der KT spielen können. In der Jugend hat das wegen unseres Altersunterschieds nie funktioniert, deshalb hatte ich mich schon lange darauf gefreut, irgendwann gemeinsam mit ihm auf dem Platz zu stehen. Dass wir jetzt in so einem wichtigen Spiel beide entscheidend zum Sieg gegen Todesfelde beitragen konnten, macht das Ganze natürlich noch besonderer. Man hat bei unseren Jubeln wahrscheinlich auch gesehen, wie viel uns das bedeutet hat. Für uns beide war das ein richtig schöner Saisonabschluss.“

Damit endete ein historischer Tag für die Kaltenkirchener TS und die Gebrüder Pietsch. Was bleibt, sind Momente, die nie in Vergessenheit geraten, gegenseitiger Stolz und weitere gemeinsame Jahre bei der KT.

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