Lukas Dresbach (Trainer der U16 des VfB Lübeck) bei einer Ansprache an seine Mannschaft. Foto: Privat (hfr)

Lübeck – Der Fußball schreibt viele Geschichten. Mal sind es die Märchen eines unerwarteten Sieges oder kometenhaften Aufstiegs, mal sind es traurige Geschichten von verpassten Chancen, Abstiegen und schweren Verletzungen. Zwischen diesen Extremen gibt es allerdings auch die Geschichten, die besonders berühren. Geschichten die sowohl Höhen als auch Tiefen erzählen. Genau eine solche Geschichte hat Lukas Dresbach, Trainer der U16 des VfB Lübeck, in seiner noch jungen Karriere erlebt.

Die Faszination Fußball startete auf dem Hof der Eltern. Erste Schritte im Vereinsleben machte Dresbach dann beim SSV Homburg-Nümbrecht 1919, insgesamt drei Jahre spielte er dort, ehe es gen Norden, zum Mallentiner SV 64, ging. Bei den Nordwest-Mecklenburgern verbrachte er vier Jahre seiner Jugend, spielte anschließend noch für den FC Anker Wismar, SV Dassow 24, ehe es erneut zurück ins Oberbergische Land zum TuS Homburg-Bröltal 1927 ging. Nach zwei Jahren im Süden Nordrhein-Westfalens führte der Weg erneut zurück nach Mecklenburg, zum altbekannten SV Dassow 24, bei dem Dresbach seine letzten zwei Jahre in der Jugend absolvierte. Die vielen Umzüge, sowie zahlreiche Verletzungen, machten es dem vielversprechenden Torwart-Talent nahezu unmöglich das volle Potenzial abzurufen. Der Norden blieb dann allerdings der Lebensmittelpunkt. Kurz vor dem Schritt in den Herren-Bereich erlebte er mit Dassow sein Karriere-Highlight.

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Auf das größte Spiel folgt der Abstieg und das Karriereende

Im Sommer 2014 stand Dresbach mit seiner Mannschaft vom SV Dassow 24 als Verbandsligist im Landespokalfinale gegen die A-Junioren des F.C. Hansa Rostock. Trotz einer ansehnlichen Leistung, hagelte es gegen den Junioren-Bundesligisten, samt Kumpel und späterem Hansa-Profi Lukas Scherff, eine deutliche 0:11-Pleite. Den Titel gewann demnach der Favorit, das Märchen blieb an diesem Mai-Tag aus. Nennenswert bleibt dennoch: Trainiert wurden die Rostocker von Roland Kroos, dem Vater von Toni Kroos, der keine sechs Wochen später den WM-Pokal in Rio de Janeiro gewann.

Danach sollte der Schritt in den Herren-Bereich folgen. Private Umstände im Zusammenspiel aus Beruf und schulischer Weiterbildung, sowie anhaltende Knie-Probleme, limitierten diesen allerdings auf eine einzige Saison bei der SG Schlagsdorf 91 in der Kreisoberliga SN – NWM, wo die Mannschaft zu allem Überfluss auch noch abstieg.

Nach der Saison, im Sommer 2015, beendete Lukas Dresbach seine Karriere als Spieler.

Neuer Blickwinkel, neue Herausforderungen – die Faszination bleibt

Trotz all dieser Rückschläge ist der 27-Jährige dem Fußball treu geblieben. Als Fan sah er bereits 274 Spiele in 79 verschiedenen Stadien, bereiste hierbei 10 verschiedene Länder. Zwischenzeitlich spielte und führte er zusätzlich noch eine Spaß-Mannschaft, ohne Liga-Zugehörigkeit, die in umliegenden Turnieren immer wieder erfolgreich war, ehe er im Juni 2020 seine Fußball-Trainer-Karriere startete.

Während der ersten Phase der Corona-Pandemie war kaum regulärer Spielbetrieb möglich. Dennoch gab es bei Grün-Weiß Siebenbäumen die Möglichkeit, erste Erfahrungen im Trainerstab (als Co-Trainer), sowie in der Betreuung einer Herren-Mannschaft zu sammeln. Der Zeitsoldat tauschte regelmäßig die berufliche Uniform gegen den Trainingsanzug ein, bildete sich in Malente auf Lehrgängen weiter und steht kurz vor der Prüfung zur B-Lizenz.

Im Frühjahr 2022, nach rund eineinhalb Jahren, trennten sich die Wege zwischen GWS und Dresbach, aus internen Gründen und einvernehmlich. Der leidenschaftliche 1. FC Köln-Fan konnte allerdings schon zeitnah in eine neue Herausforderung starten. Er nutzte die Chance auf den Chef-Trainer-Posten bei der U16 des VfB Lübeck. Ein Schritt in die vorderste Trainer-Reihe, außerdem der Wechsel aus dem Herren- in den Nachwuchs-Bereich. Dort ist er mit seiner Mannschaft seither sehr erfolgreich unterwegs, hat derzeit saisonübergreifend eine Bilanz von 17 Siegen, 3 Unentschieden und 2 Niederlagen.

Wie die junge Trainer-Generation gesehen wird, was genau ihn am Fußball fasziniert, wie seine Ziele für die Zukunft aussehen und welch großen Einfluss sein Großvater darauf hatte, erfährt man im folgenden Interview.

HL-SPORTS: Trotz deines jungen Alters, mit gerade einmal 27 Jahren, hast du den Fußball schon aus den verschiedensten Blickwinkeln erlebt, sei es als Spieler oder Trainer, sowohl im Jugend- als auch im Herren-Bereich. Noch dazu bist du ein leidenschaftlicher Fan. Was davon bereitet dir die meiste Freude und woher kommt diese Fußball-Verrücktheit?

Lukas Dresbach: Fußball macht mir grundlegend einfach Spaß, egal ob auf dem Platz, neben dem Platz oder auf der Tribüne. Ich finde in vielen Phasen des Lebens gibt der Fußball einem das Gefühl von Freiheit zurück. Auf dem Platz kann man viele Dinge um sich herum vergessen und seiner Kreativität freien Lauf lassen. In der Kurve gibt man einfach Vollgas für den Verein und an der Seitenlinie ebenso für seine Spieler, es ist für mich auch immer eine Art Ausgleich zum Alltag gewesen. Die Faszination für Fußball führt bei mir bis in die erste Kindheitserinnerung zurück, als ich mich auf dem Hof meiner Eltern mit einem Fußball beschäftigte und dabei leider schmerzlich hinfiel. Da war ich fast 4 Jahre alt. Dazu beigetragen hat aber mit Sicherheit auch mein Großvater, der die gleiche Begeisterung für den Fußball teilte.

HL-SPORTS: Viele würden dich als ehrgeizig, leidenschaftlich und hin und wieder auch als emotional bezeichnen. Hast du etwaige Vorbilder im Verlauf deiner Karriere als Spieler oder nun als Trainer gehabt?

Lukas Dresbach: Tatsächlich habe ich diese grundlegenden Eigenschaften auch eher von meinem Großvater, als von Menschen, die meine Laufbahn begleitet haben. Nichtsdestotrotz gab es auch Trainer, die mich positiv beeinflusst haben. Mein erster Trainer war beispielsweise Fredi Hennecken, der damals selbst für Bayer 04 Leverkusen gespielt hat. Zusätzlich hatte ich in der B-Jugend einen ziemlich guten Draht zu Tobias Breilmann und auch meine heutigen Ausbilder in der B-Lizenz mit Michael Hopp und Björn Rädel nehmen eine sehr prägende Rolle bei mir ein.

HL-SPORTS: Nach knapp eineinhalb Jahren im Herren-Bereich (GW Siebenbäumen), bist du als Trainer in die Nachwuchsabteilung des VfB Lübeck (U16) gewechselt. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Lukas Dresbach: Ohne dabei jetzt zu weit ausholen zu wollen und böses Blut zu vergießen, fasse ich mich kurz, es hat einfach nicht mehr gepasst im damaligen Trainer-Team und mit dem Vorstand, was die Vorstellungen für die Zukunft betrifft. Der Kontakt zum VfB ist durch meinen guten Freund Kolja Hein entstanden. Rocco Leeser hatte mich dann zu einem Gespräch eingeladen, was sehr gut verlief und mir wurde dort die U16 angeboten. Der VfB Lübeck ist in Schleswig-Holstein ein absolutes Aushängeschild und deutschlandweit bekannt. Es war für mich also selbstverständlich, für so einen Verein im Jugendbereich tätig sein zu wollen. Ich glaube im Jugendbereich kann man sich noch deutlich mehr selbst entdecken und ausprobieren, weil dort nicht die Ergebnisse im Vordergrund stehen, sondern die Entwicklung der jungen Spieler. Bei einem Verein wie dem VfB Lübeck hat man natürlich auch ganz andere Möglichkeiten. Die Qualität der Jugendspieler ist enorm gut, was einem quasi unbegrenzte Möglichkeiten bietet. Das Ganze hat diesen Wechsel maßgeblich beeinflusst.

HL-SPORTS: Kurz nach deiner Verpflichtung beim VfB Lübeck, hat sich hinter den Kulissen, gerade im Nachwuchs-Bereich einiges verändert. Mit Sebastian Harms kam Bundesliga-Flair auf die Lohmühle. Wie sehr hat sich die generelle Umstrukturierung, samt neuem Sportlichen Leiter bemerkbar gemacht?

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Lukas Dresbach: Ich kenne den VfB Lübeck im Grunde genommen nur unter Sebastian, da wir in der gleichen Woche zum VfB Lübeck gekommen sind. Demnach ist es schwierig, einen Kontrast zu bilden. Sebastian ist ein super Typ, hat immer ein offenes Ohr für uns Jugendtrainer und ermöglicht uns viele strukturelle Sachen in der Jugend. Grundsätzlich benötigt solch ein Wandel und Umbruch auch immer Zeit und ich habe natürlich vollstes Verständnis, wenn unsere 1. Mannschaft die volle Aufmerksamkeit von Sebastian bekommt, was in Phasen, wie dem Transferfenster im Sommer, auch nötig ist.

HL-SPORTS: Was sind für dich als Trainer die größten Unterschiede zwischen dem Herren- und dem Jugendbereich?

Lukas Dresbach: Die größten Unterschiede sind Wille und Disziplin. In einem Nachwuchsleistungszentrums-ähnlichen Zustand, habe ich Spieler, die ein klares Ziel vor Augen haben und alles dafür geben. Zusätzlich ist es aber auch das, was man von Jugendspielern zurückbekommt. Man bekommt grundsätzlich mehr Anerkennung, Wertschätzung, Dankbarkeit und Hingabe, was sich immer wieder auf dem Platz zeigt.

HL-SPORTS: Der Einstand bei der U16 des VfB hätte mit 10 Siegen und 3 Unentschieden aus 13 Spielen der vergangenen Rückrunde kaum besser sein können. Was sind die Gründe für diesen großartigen Lauf gewesen?

Lukas Dresbach: Ich habe im zurückliegenden Februar einen Kader mit 16 Spielern übernommen, was jetzt nicht wahnsinnig viel ist. Ich habe einige Dinge grundlegend geändert. Beispielsweise haben wir eine andere Formation gespielt. Nach kurzen Anlaufschwierigkeiten (zwei Unentschieden) sind wir dann immer besser mit den neuen Abläufen und Strukturen klargekommen und haben uns in einen Lauf gespielt. Die Spieler haben von mir aber grundsätzlich sehr hohes Vertrauen bekommen, was sich definitiv ausgezahlt hat. Einige Spieler, die in der Hinrunde noch eher in der Reservistenrolle waren, wurden in der Rückrunde absolute Stammspieler bei mir. Es ist am Ende immer wichtig, kein Selbstdarsteller als Trainer zu sein, sondern sich selbst hintenanzustellen und das Beste für die Jungs zu wollen. Irgendwann hieß es dann vor jedem Spiel nur noch „Wir verlieren diese Saison kein Spiel mehr“, was dann zur Realität wurde. Ich glaube es ist zusätzlich wichtig, Dinge vollkommen vorzuleben und mit voller Überzeugung bei der Sache zu sein, dann wird man es immer schaffen, dass einem die Mannschaft bedingungslos folgt. Am Ende war es aber auch die große Basis des Vertrauens, weil mir die Jungs auch bis durch die „Hölle“ gefolgt sind – auf dem Platz.

HL-SPORTS: Auch aktuell steht deine Mannschaft, mit einer Bilanz von 7 Siegen und 2 Niederlagen aus 9 Spielen, auf Platz 2 der Landesliga Holstein gut da. Die Ergebnisse sind, trotz Veränderungen im Kader, konstant gut geblieben. Wie sehr bist du mit dem bisherigen Saisonverlauf zufrieden?

Lukas Dresbach: Wir sind grundsätzlich etwas schleppend in die Saison gekommen und haben zu Beginn keine guten Spiele gezeigt, aber dennoch gewonnen. Mittlerweile sind wir aber gut im „Flow“ und dominieren die Spiele so, wie ich mir das auch vorstelle. Die Gegner stehen dabei grundsätzlich tiefer, was das Ganze natürlich nicht einfach macht. Es ist immer mit wahnsinnig viel Geduld verbunden, einen tiefstehenden Gegner zu bespielen. Wenn dieser sich am Ende durch Standard-Situationen oder Konter belohnt, verliert man am Ende des Tages auch mal. Man darf aber nicht dabei vergessen, dass ich Fußballspieler im Bereich der U16 ausbilde und der Sieg dabei nicht über allem steht, sondern die individuelle Entwicklung eines jeden Spielers, sowie das Agieren als Kollektiv im gruppendynamischen Ablauf mit und gegen den Ball.

HL-SPORTS: Wie lauten die Ziele für dich und deine Mannschaft bis zum Ende der Saison?

Lukas Dresbach: Mein persönliches Ziel ist es, den Spielern sowohl spielerisch als auch menschlich einiges mit auf den Weg geben zu können. Das Ziel im Kollektiv lautet für mich, möglichst viele Spieler in die kommende U17 zu integrieren und damit den weiteren Werdegang des Jugendspielers positiv beeinflusst zu haben. Wenn am Ende dabei die Landesliga-Meisterschaft herausspringen würde, wäre ich natürlich auch nicht traurig.

HL-SPORTS: In den vergangenen Jahren hat sich beim DFB, auch in der Förderung der Trainer, einiges getan. Wie wird man als junger Trainer wahrgenommen und würdest du anderen jungen Menschen ebenfalls empfehlen, sich als Trainer im Verein zu engagieren?

Lukas Dresbach: Ich glaube, die jüngere Generation bringt im Trainerwesen eine ordentliche Portion Power mit. Mir begegnen alle mit dem nötigen Respekt. Viele finden es am Ende beeindruckend, wenn man so früh schon Trainer ist, weil man rein physisch ja selbst noch spielen könnte. Ich glaube, man muss sich selbst als Typ einschätzen können, ob man diese Verantwortung übernehmen möchte und auch kann. Dafür muss man einfach der richtige Typ sein. Wenn man aber grundsätzlich eine Faszination für Fußball hat, wird man in solchen Positionen viel Spaß finden und auch aufblühen. Letztlich muss man für solch eine Nebentätigkeit aber auch die nötige Zeit haben, das wird gerne unterschätzt.

HL-SPORTS: Mit deinem Herzensverein, dem 1. FC Köln, bist du bereits durch sämtliche Bundesliga-Stadien, sowie halb Europa gereist. Zuletzt wurden viele junge Trainer an die Spitze von Bundesliga-Clubs gespült. Ist es dein Ziel irgendwann selbst auf der höchsten Ebene an der Seitenlinie zu stehen?

Lukas Dresbach: Ich glaube, dort ist der Fußball auf dem richtigen Weg, denn der Grundsatz, dass nicht die besten Spieler auch die besten Trainer sind, stimmt. Genauso im Umkehrschluss, dass die besten Trainer nicht die besten Spieler gewesen sein müssen. Dafür bedarf es nicht nur der nötigen Qualität an Arbeit, sondern man benötigt auch die erforderlichen Lizenzen. Zusätzlich muss man auch zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, damit sowas überhaupt möglich ist. Ich würde aber am Ende nicht Nein sagen, wenn sich die Möglichkeit ergeben würde, hauptberuflich im Fußball unterwegs zu sein.

HL-SPORTS: Vielen Dank für deine Zeit und viel Erfolg für die Zukunft!

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