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Lübeck – Am Ende wurde es doch um einiges deutlicher als erhofft: In der zweiten Runde des DHB-Pokals unterlagen die Travemünder Raubmöwen dem Favoriten HSG Blomberg-Lippe mit 16:44 (7:26).

Der Erstligist bot dem Drittligisten dabei Anschauungsunterricht par excellence. HSG-Trainer André Fuhr hatte im Vorfeld deutlich gemacht, dass es in diesem Vergleich nur einen Sieger geben kann. Und so setzte das jüngste Team der Bundesliga die Marschroute von der ersten Sekunde an konsequent um.

Die knapp 400 Zuschauer hatten noch gar nicht richtig Platz genommen, da stand es schon 0:6 aus Travemünder Sicht. Der Jubel über das erste Travemünder Tor durch Jana Gläfke in der 5. Minute war da natürlich groß. Bis zum 3:8 (wiederum Jana Gläfke und Steffi Schoeneberg trafen) sah es noch erträglich aus. Doch dann setzte der Erstligist zum einem zweiten Spurt bis zum 13:3 an. Die offensive Deckung provozierte den Raubmöwen-Angriff zu Fehlern, die in einer Reihe einfacher Treffer endete.

So war die Spannung schnell heraus aus dem Spiel, was die Handballmädels von Olaf Schimpf und Thomas Hartstock aber nicht daran hinderte, mit Eifer und Spaß weiter alles zu geben. Auf beiden Seiten wurden nahezu allen Spielerinnen frühzeitig großzügige Einsatzzeiten gewährt. An der Blomberger Dominanz in der zweiten Halbzeit änderte dieses nichts, auch wenn die Travemünderinnen ein wenig mutiger spielten und Marthe Nicolai sogar der erste Treffer nach dem Wiederanpfiff gelang. Beeindruckend war die Kulisse, die ihre Raubmöwen –unterstützt auch von Trommlern des Männer-Zweitligisten VfL Bad Schwartau- bis zur Schlusssirene lautstark anfeuerten. Jede gelungene Aktion, ob nun ein gehaltener Ball Hanna Belgardts beziehungsweise Lorena Jackstadts oder ein sehenswertes Tor, wie es Lara Fischer mit ihrem frechen Heber noch in der ersten Halbzeit zum 5:19 (20.) erzielte, wurde gefeiert. Trotz der klaren Niederlage konnten die Raubmöwen mit einem Lächeln behaupten, dass es ein toller Handballabend gegen einen erstklassigen Gegner war.

Das machte das noch sehr junge Team (Durchschnittsalte unter 18 Jahre) nach dem Spiel deutlich. So zum Beispiel Lara Fischer: „Wir waren ja darauf eingestellt, dass es in diese Richtung gehen würde. In der zweiten Hälfte haben wir die Angst verloren und uns glaube ich auch ganz gut präsentiert. Es hat mich sehr gefreut, dass wir so toll von den Rängen unterstützt wurden.“

Auch Steffi Schoeneberg hat die Stimmung genossen: „Es war schon beim Einlaufen ein mulmiges Gefühl, in dieser großen Halle zu spielen. Das hat einfach nur Spaß gemacht. Das Ergebnis ist da für uns wirklich nur zweitrangig.“

Blombergs Trainer André Fuhr: „Wir haben das schlechte Punktspiel gegen Rosengarten ausgewertet. Meine Mannschaft hat heute zumindest in der ersten Halbzeit alles so umgesetzt, wie wir es von ihr gefordert haben. Das war okay.“

Die von 2010 bis 2012 für die Raubmöwe spielende Gisa Klaunig, die sieben Treffer zum Blomberger Sieg beitrug: „Ich freue mich immer, wenn ich mal in meiner Heimat Schleswig-Holstein bin. Auf der Tribüne habe ich einige meiner alten Weggefährtinnen aus Travemünder Zeiten gesehen. Natürlich hätte ich sehr gerne die eine oder andere von ihnen auf dem Feld gesehen, aber hier hat sich doch einiges verändert. Schön war es allemal, in dieser Halle zu spielen."

Erstmals wurde ein Spiel der Raubmöwen vom HL-SPORTS-FanTV gefilmt. Wer die Travemünder Mädels einmal in bewegten Bildern sehen möchte, hat dazu ab Sonntag die Möglichkeit. 

TSV Travemünde: Belgardt, Jackstadt, Patalas – Schoeneberg (4), Gläfke (3), Stammer, Nicolai (1), Hartstock (2), Kieckbusch (1), Dalinger (1), Neu (2/2), Hani, Fischer (1), Karau, Welchert (1), Popiol
HSG Blomberg-Lippe: Monz, Veith – Rüffieux (5), Klaunig (7/1), Müller (7), Pavlovic (1), Buklarewicz (3/1), Pichlmeier (5/2), Bormann-Rajes (4), Großheim (2), Petersen (1/1), Mitrovic (8), Emidio Rodrigues, Cardoso de Castro (1)
Schiedsrichter: Buttke/Clausing (Lemförde)
Zeitstrafen: 4:1
Siebenmeter: 2/2:5/5
Zuschauer: 371 zahlende
Spielfilm: 0:6 (5.), 1:7 (6.), 3:8 (8.), 3:13 (12.), 4:19 (19.), 5:21 (24.), 6:23 (28.), 7:26 (30.) – 8:26 (31.), 8:28 (33.), 12:37 (50.), 14:41 (56.), 16:44 (60.)