3. Liga: Derby als Superspreader-Event – Verband steht vor großen Problemen

Marius Nagorsen (HSG Ostsee) und Jan Redecker (HG Hamburg-Barmbek). Foto: Lobeca/Ralf Homburg
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Hamburg – Der Derby-Sieg der HSG Ostsee Neustadt/Grömitz bei HG Hamburg-Barmbek vor anderthalb Wochen hat mehrere Corona-infizierte nach sich gezogen. Beide Teams mussten in Quarantäne. Inzwischen zehn Ostholsteiner und acht Hamburger haben sich vermutlich während und nach der Partie angesteckt. Eine Katastrophe für die bisherigen Studien, die aussagten, dass die Infektionswahrscheinlichkeit beim Sport sehr gering sei. Das Drittligaspiel hat nun womöglich das Gegenteil bewiesen.

Spiel in Barmbek als Infektionsherd?

Frank Barthel, Sportlicher Leiter der HSG, sagt zu HL-SPORTS: „Wo sich die Spieler angesteckt haben ist uns nicht klar. Naheliegend ist, dass es eine Übertragung beim Spiel gab. Das wird vermutlich auch der Grund für die Infektion einer der deutschen Handballer der Nationalmannschaft sein.“

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„Dieses Spiel hätte gar nicht stattfinden dürfen“

Barmbeks Präsident Jürgen Hitsch geht sogar noch einen Schritt weiter und sagte im „Abendblatt“: „Dieses Spiel hätte angesichts der allgemeinen Infektionslage gar nicht stattfinden dürfen. Zum Glück hatten wir kurzfristig Zuschauer ausgeschlossen, obwohl es uns zu diesem Zeitpunkt noch erlaubt gewesen wäre.“ Der vermeintliche Vorwurf geht an den Deutschen Handballbund (DHB), der für den Spielbetrieb in der 3. Liga zuständig ist.

Spielbetrieb bis Jahresende ausgesetzt

Der DHB reagierte nun – nicht nur auf dieses Spiel – sondern auf die aktuelle Lage in der COVID-19-Pandemie. Der zweite Lockdown macht es den Handballern derzeit sowieso nicht möglich die Spieltage auszutragen. Die 3. Liga gilt nicht als Profiliga. Der Spielbetrieb wurde ursprünglich bis zum 15. November ausgesetzt. Jetzt verlängerte der Verband diesen Termin bis zum Jahresende. Das gilt nicht alleine für die 3. Liga, sondern trifft due Jugend-Bundesliga ebenso. „Eine Wiederaufnahme ist derzeit zum Wochenende 9./10. Januar beabsichtigt, sofern dies die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie zulässt“, heißt es in einer Mitteilung des Verbandes.

„Wir kämpfen für alle Mannschaften“

„Unser oberstes Ziel ist es weiterhin, verantwortungsvoll Möglichkeiten für Handball zu schaffen. Priorität haben dabei Wiederaufnahme und Fortführung des Trainings. Dies gilt insbesondere für die Nachwuchstalente. Unabhängig von der formalen Einordnung als Profi- oder Amateursport kämpfen wir für alle Mannschaften auf politischer Ebene darum, dass sie trainieren können, wenn sie dies tun wollen. Wir haben hierfür im ersten Lockdown mit dem Leitfaden ,Return to play‘ die Basis für in den Vereinen in der Zwischenzeit bewährte Hygienekonzepte geschaffen. Diese werden auch in der jetzigen Phase eine elementare Hilfe sein“, sagt Mark Schober, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Handballbundes.

Saison steht auf dem Spiel

Der Verband gab zu verstehen: „Von insgesamt 131 Mannschaften der 3. Liga (72 Männer, 59 Frauen) haben derzeit ein Drittel keine Erlaubnis, weiter zu trainieren. Etwa die Hälfte dürfte den Spielbetrieb auch ohne Zuschauer nicht aufnehmen.“ Das macht es schwierig zum aktuellen Stand die Saison „normal“ zu Ende zu spielen. Überlegungen müssen her – und zwar schnell. Die Vereine hängen in der Luft und haben keine Planungssicherheit. Die 3. Liga ist schon ohne Corona eine sehr kostenaufwendige Spielklasse. Während einige Clubs unter Amateurbedingungen agieren, stehen andere als Halbprofis da.

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Ersatzpläne sollen erarbeitet werden

Bei einer Videokonferenz der Clubs am vergangenen Dienstag wurden Szenarien dargestellt, wie die Liga weiterlaufen kann. Eine „Einfachrunde“ mit anschließenden Play-Offs scheint dabei die einzige Lösung zu sein. Die Landesverordnungen müssen dabei abgewartet werden, ob man überhaupt im Dezember schon wieder trainieren kann.

„Warnung für alle“

Peer Grenke-Klimstein, HSG-Geschäftsführer, zu HL-SPORTS: „Fakt ist, dass Corona bisher weit weg war und jetzt hat es uns hart getroffen. Wir mussten diesen Sieg in Barmbek teuer bezahlen. Ich kann nur hoffen, dass dieses Negativbeispiel eine Warnung für alle ist, die Krankheit nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Die betroffenen Spieler müssen nun erst einmal wieder fit und auf den Leistungsstand von vor der Infektion gebracht werden. Wir wissen nicht, wie lange das dauert.“

Vereine haben verstanden

Matthias Kohlstrung, Vereinsvertreter in der Spielkommission 3. Liga, schlägt in die gleiche Kerbe: „Wir wollen versuchen wieder zu spielen, sofern das möglich ist. Das sind wir unserem Handball schuldig. Allerdings müssen wir auch die bestmögliche Sicherheit für unsere Spieler erreichen.“

Tests zukünftig erforderlich?

Um überhaupt zu spielen und so einen Fall nicht noch einmal wiederholen zu lassen, dürften die Vereine zukünftig um Testungen auf SARS-CoV-2 nicht herumkommen. Die Frage ist nur nach der Finanzierung…

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