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Lübeck – Piotr Przybecki, Trainer des VfL Lübeck-Schwartau, sprach Klartext nach dem dramatischen Ende in der „Hansehölle“ mit der 23:24-Niederlage am Sonnabend gegen den HC Elbflorenz: „Wir haben uns nach der missglückten Anfangsphase wieder ins Spiel gekämpft, gehen zwölf Minuten vor dem Ende sogar mit drei Toren in Führung und haben drei Minuten vor Schluss eine doppelte Überzahl. Da muss einfach mehr für uns rausspringen.“

 

„Aber“, ergänzte der Trainer, „wir haben es nicht geschafft. Aber ich mache meiner Mannschaft keinen Vorwurf. Wir stehen noch am Beginn unserer Entwicklung und auch solche Niederlagen gehören zu einem Lernprozess. Dresden hat unter dem Strich verdient gewonnen. Wir haben einfach zu viel liegenlassen. Wir sind angefressen und traurig, aber die Saison geht weiter. Wir können besser spielen und werden das auch noch zeigen.“

 

Der VfL Lübeck-Schwartau musste im vierten Saisonspiel die erste Niederlage einstecken. Kompromisslos in der sehr beweglichen Abwehr, schnelle Gegenstöße und eine hohe Effizienz vor dem gegnerischen Tor, so wollte es VfL-Trainer Piotr Przybecki sehen. Und er sah es – vom HC Elbflorenz. Die Sachsen überrannten den VfL in der Anfangsphase, führten schnell mit 4:1 (4.).

 

Piotr Przybecki zu den ersten Minuten: „Wir haben den Start total verschlafen und mussten teilweise einem Fünf-Tore-Rückstand hinterherlaufen. Das hat uns unfassbar viel Kraft gekostet. Und es macht auch etwas in den Köpfen. Du bist einfach nicht frei, wenn Du immer wieder Rückschläge einstecken musst.“  Der Coach hatte bereits im Vorfeld vor dem Gegner gewarnt. Und jeder der 1.813 Zuschauer hat gesehen, was Przybecki gemeint hat. Insbesondere das Umschaltspiel war beeindruckend und führte dazu, dass Dresden bis zur 18. Minute auf 9:4 davonzog.

 

Dresden-Coach Rico Göde war am Ende daher auch voll des Lobes für sein Team: „Es hat Spaß gemacht, von draußen zuzuschauen. In der Abwehr haben wir heute aufopferungsvoll gekämpft und Schwartau den Nerv gezogen. Das war für mich der Schlüssel zum Erfolg.“

 

Herausragender Akteur auf Seiten der Gäste war Mindaugas Dumicius. Der Halbrechte erzielte sieben Treffer und war erfolgreichster Schütze des Spiels. Er war aber „nur“ ausführendes Organ, denn nicht nur Abwehr und Gegenstoßverhalten seines Teams waren an diesem Abend erstklassig, auch im Positionsspiel schafften es die Dresdner immer wieder, Freiräume zu schaffen, die der 1,92 m große Litauer nutzen konnte. Auf Seiten der Schwartauer waren zwei Erfolgsrezepte der vergangenen Wochen wenig effektiv: Die Außen hatten überwiegend Pech im Abschluss (sechs erfolglose Versuche insgesamt) und der Weg an den Kreis war wie vernagelt. So lastete die Verantwortung auf dem Rückraum, der zum Ende der ersten Halbzeit und vor allem im zweiten Durchgang an Durchschlagskraft gewann. Gut war darüber hinaus, dass ab der 23. Minute Marino Mallwitz den diesmal glücklosen Dennis Klockmann ersetzte und kurz vor dem Seitenwechsel den Umbruch einleitete: ein gehaltener Siebenmeter und die Vereitelung zweier Großchancen der Dresdner machten Mut für den zweiten Durchgang und hauchten den Rängen neues Leben ein. Halbzeitstand 10:13.

 

Nach dem Wechsel sahen die Zuschauer ein Spiel unter veränderten Vorzeichen. Lübeck war jetzt bissig und kämpfte sich zurück in die Partie. Max Raguse (am Ende drei Tore) und Dadi Runarsson (bester VfLer mit sechs Treffern) stellten Tuchfühlung her, Finn Kretschmer besorgte das 14:14 (38.). Marino Mallwitz zeigte, dass er an diesem Abend eine gleichwertige Nummer 1b ist – er hielt 33 Prozent aller Torwürfe. Das Happy End war programmiert und die Sahnehaube war auch schon serviert: Pawel Genda schloss seinen ersten Ballkontakt mit dem 21:18 ab (48.) – nach fast 300 Tagen Handballabstinenz wegen seines Kreuzbandrisses eine hollywoodreife Dramaturgie.

 

Allein Dresden hielt sich nicht an das Drehbuch, stellt die Abwehr auf 4:2 um (kurze Deckung gegen Raguse und Runarsson) und kam in der 54. Minute wieder zum Ausgleich (21:21). Die entscheidende Phase dieses Spiels hatte begonnen.

 

Vorteil VfL: Eine Zeitstrafe gegen den Dresdner Jungemann kommentierte Thümmler (ebenfalls HC Elbflorenz) zu intensiv und leistete ihm daraufhin Gesellschaft. Doppelte Überzahl für die Gastgeber und damit die große Chance auf die Vorentscheidung. Aber Schwartau konnte diese numerische Überzahl nicht nutzen. Im Gegenteil: gerade mal ein 1:1 sprang in den folgenden zwei Minuten heraus, und für Elbflorenz reifte die Erkenntnis, dass am Ende mehr als anerkennendes Schulterklopfen herausspringen konnte. Noch einmal Rico Göde: „Als wir nach dem Drei-Tore-Rückstand wieder herangekommen sind, wusste ich, dass hier heute etwas geht. Wir hatten in der Phase auch das Glück, dass unser Torhüter fast jeden Ball gehalten hat. Am Ende bin ich einfach stolz auf meine Mannschaft, denn jeder Trainer weiß, dass es unheimlich schwer ist, in Schwartau etwas zu holen.“