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Bad Schwartau – Der VfL Lübeck-Schwartau hat sich nicht für die Niederlage gegen Elbflorenz am vergangenen Spieltag revanchiert, verlor am Ende knapp mit 28:29 (15:12) gegen die HSG Konstanz. Ein Grund dafür könnte die angespannte Personalsituation sein. Neben Potic und Hansen fielen auch Ranke wegen der Folgen einer Gehirnerschütterung und Glabisch (Infekt) aus. Dazu kamen die angeschlagenen Bruhn (Sprunggelenk), Runarsson, Schult (beide Kapsel), Mallwitz und Genda (Infekt), die zwar alle die Reise durch die Republik mitmachten, aber bei weitem nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte waren.

So waren es die Gastgeber, die der Partie in der Anfangsphase ihren Stempel aufdrückten und 4:1 in der 8. Minute führten. Das hatte VfL-Coach Piotr Przybecki durchaus erwartet. Er prognostizierte bereits vor dem Spiel einen temporeichen Gastgeber, der trotz seiner 1:7 Punkte über viel Qualität im Kader verfügt. Przybecki: „Nicht umsonst waren die Niederlagen der HSG sehr unglücklich und vor allem knapp.“ Und tatsächlich fiel es der besten Abwehr der Liga (VfL Lübeck-Schwartau) sichtlich schwer, die erste und zweite Welle von Konstanz zu verteidigen. Ein positives Signal setzte zuerst Dennis Klockmann mit einem gehaltenen Siebenmeter und der zeigte auch Wirkung bei seinen Vorderleuten. Schwartau kam über 3:4 und 7:7 zur ersten Führung im Spiel beim 8:7 (17.).

Die Abwehr stand jetzt besser und Konstanz hatte Mühe, sich im Angriff zu behaupten. Die einfachen Tore der Anfangsphase waren erst einmal Geschichte. Noch einmal der VfL-Coach: „Wir haben in der ersten Halbzeit hart gearbeitet, waren aggressiv in den Zweikämpfen und konnten den Spielfluss durch Stoppfouls unterbrechen und so das Tempo aus dem  Spiel von Konstanz nehmen. Das haben wir richtig gut gemacht.“ Bis zum Seitenwechsel baute der VfL seine Führung auf drei Tore beim 15:12 aus. Das Spiel war gekippt, aber eben noch nicht vorbei. Konstanz blieb gefährlich und hielt das Tempo hoch. Dem begegnete der VfL mit einem guten Rückzugsverhalten und einem erneut starken Dennis Klockmann (sieben Paraden im ersten Durchgang), der gerade in der Schlussphase ein entscheidender Faktor war. Spannung im zweiten Durchgang war garantiert.

Nach dem Wechsel bekamen die Gastgeber wieder mehr Griffigkeit in ihr Abwehrspiel. Insbesondere der eingewechselte HSG-Torwart Tölke avancierte jetzt zum Spielverderber für die Schwartauer. Nach einem 3:0-Lauf stand es schnell 15:15 und die Halle machte ihrem Namen „Schänzle-Hölle“ alle Ehre. Die 900 Zuschauer trieben ihre Mannschaft nach vorne und Konstanz holte sich die Führung beim 18:17 zurück.

Jetzt war es der VfL, der sich jedes Tor erarbeitete. Konstanz kam mit einer anderen Präsenz in der Deckung aus der Kabine und auch im Angriff entschied der Gastgeber mehr und mehr eins-gegen-eins-Situationen für sich – der Glaube an den ersten Saisonsieg war spürbar. „Es ist so schade, dass wir uns für die harte Arbeit nicht belohnt haben“, so Przybecki. „Wir waren uns in der Halbzeit alle einig darüber, dass wir weder vorne noch hinten nachlassen durften. Es ist am Ende etwas unverständlich, warum wir die ersten Minuten so aus dem Tritt waren. Aber dann kam es eben, wie kommen musste. Die Halle erwachte und damit kehrte das Selbstvertrauen von Konstanz zurück.“

Beim VfL fehlte jetzt der Zugriff in der Abwehr und bis auf Raguse – am Ende sechs Treffer – war der Rückraum weniger wirkungsvoll als gewohnt. Dafür nutze der VfL die Lücken am Kreis in Person von Möller – ebenfalls sechs Tore – und verkürzte in der 49. Minute noch einmal auf 22:23, allerdings ohne eine erneute Wende einzuleiten. Simon Tölke und der Pfosten verhinderten dies. Bis zur 53. Minute waren die Gastgeber wieder mit drei Toren vorn. Crunchtime. Auszeit Przybecki. Umstellung auf sieben Feldspieler.

Przybecki: „Obwohl ich in den Augen einiger meiner Spieler schon deutlich die Reservelampe habe leuchten sehen, haben wir alles versucht. Auch die Hereinnahme des siebten Feldspielers war noch einmal ein Versuch, das Spiel doch noch zu gewinnen. Am Ende war unser Substanzverlust durch die Aufholjagd zu Beginn des Spiels und den dezimierten Kader zu groß. Wir hatten einfach keine Luft mehr.“

Beim 25:29 (56.) war die Vorentscheidung gefallen und der VfL betrieb nur noch Ergebniskosmetik. Möller, Schrader und Raguse verkürzten noch einmal auf 28:29, aber am Ende bejubelte die HSG Konstanz den ersten doppelten Punkterfolg. Der VfL Lübeck-Schwartau trat so mit der zweiten Saisonniederlage im Gepäck die Heimreise an und ist am kommenden Spieltag umso mehr auf die Unterstützung seiner Fans angewiesen.

Przybecki mit dem Schlusswort: „Wir befinden uns in der noch jungen Saison auf einem Weg, auf dem auch mal Steine liegen. Ich hoffe, dass wir schnell wieder mehr personelle Alternativen zur Verfügung haben, und dann werden wir auch wieder bessere Ergebnisse erzielen. Jetzt heißt es allerdings erst einmal Mund abputzen – weiter machen.“

Torschützen für den VfL Lübeck-Schwartau:
Mex Raguse und Marcel Möller (je 6), Jasper Bruhn (4), Janik Schrader (3/2), Finn Kretschmer (3), Fynn Gonschor und Tim Claasen (je 2), Pawel Genda und Jan Schult (je 1)