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Lübeck – Die vermeintlich leichte Aufgabe von TuS Lübeck 93 gegen die HSG Kremperheide/Münsterdorf stellte sich als harter Brocken heraus, der schwer zu verdauen war. Durch den Sieg des ATSV Stockelsdorf über den Tabellenzweiten, die HSG Tarp/Wanderup, leistete Stodo dem Nachbarn TuS Lübeck 93 Schützenhilfe im Kampf um die Meisterschaft. Mit dem Sieg über MTV Herzhorn ist die HSG Reinfeld/Hamberge fast am Ziel der Vizemeisterschaft, angekommen.

TuS Lübeck 93 – HSG Kremperheide/Münsterdorf 33:32 (15:22)
Für TuS Lübeck 93 stand viel auf dem Spiel, da nur ein Sieg die Mannschaft um das Trainergespann Harro Naujeck und Daniel Friedrichs im Kampf um die Meisterschaft im Rennen hielt. Nur so lässt sich die Nervosität, die in der ersten Halbzeit an den Tag gelegt wurde, erklären. Dieser Druck lähmte die Abwehrformation so sehr, dass von einer Abwehr nicht mehr die Rede sein konnte. Sie glich eher einem offenen Scheunentor. Einfache Körpertäuschungen der Gegner stellten die Abwehr vor Probleme, die Zuordnung war mehr als desolat. Die beiden Torhüter wurden völlig alleine gelassen und mussten in der ersten Halbzeit gleich 22 Gegentore einstecken.

Das Spiel hatte zwei völlig unterschiedliche Halbzeiten. Die erste Halbzeit verschlafen, in der zweiten Halbzeit, Gas gegeben, Klasse Abwehrleistung und im Angriff fast alles richtig gemacht.

Die erste Halbzeit startete nach dem 0:1, mit dem ersten von sieben vergebenen Strafwürfen und der Bestrafung auf dem Fuße. Die offensiv eingestellte Abwehr des TuS Lübeck 93 wurde von der HSG Kremperheide/Münsterdorf förmlich stehen lassen, sie fand keine Bindung und keinen Zugriff auf die agilen Schützen. So geriet TuS über 1:5 bis zur 19. Minute mit 8:16 ins Hintertreffen.

Jetzt nahm das Trainergespann Harro Naujeck und Daniel Friedrichs das Team Time Out, um wieder Ordnung in die Mannschaft zu bringen. Dieses gelang nur kurzzeitig, so hieß es zur Pause 15:22. Diese Halbzeit war geprägt von wenig konzentrierter Abwehrarbeit, die Torhüter wurden alleine gelassen und überhasteten, schlecht vorbereiteten Abschlüssen im Angriff.

Die „Gardinenpredigt“ in der Halbzeit schien gesessen zu haben. Die Mannschaft kam wie verwandelt aus der Kabine. Die Abwehrarbeit wurde von Minute zu Minute besser, was auch dazu führte, dass auch Timo Landt im Tor zur Höchstform auflief und dem Gegner so manchen sicher geglaubten Ball abkaufte. Der Angriff spielte, wenn die erste und zweite Welle nicht zum Erfolg führte, geduldig und nutze seine Chancen.

TuS Lübeck 93 holte Tor um Tor auf. Nach 41 Minuten war der Anschluss beim 24:27 fast hergestellt. Der Gästetrainer nahm sein Team Time Out, konnte aber den Lauf des Gastgebers nicht unterbrechen. Als in der 50. Minute Yannik Lund per Gegenstoß das 29:29 erzielte, stand die Halle Kopf. Nach erneutem Rückstand erzielte Christopher Frädrich, ebenfalls per Gegenstoß, die erste Führung von TuS zum 31:30.

In der hektischen Schlussphase gab es noch eine rote Karte für Volker Picht von der HSG Kremperheide/Münsterdorf, der einen Gegenstoß brutal beendete. Dieses geschah beim Stand von 31:32 und 88 Sekunden vor dem Ende. Den fälligen Strafwurf brachte Mats Mathe nicht am Torhüter vorbei. TuS öffnete die Abwehr und warf alles entgegen, konnte einen Ball blocken. Den schnell vorgetragenen Angriff schloss Jan-Ove Litzenroth zum 32:32 ab. Es waren noch etwas mehr als 30 Sekunden zu spielen für den vermeintlich finalen Angriff der HSG Kremperheide/Münsterdorf. Die Abwehr von TuS Lübeck erkämpfte den Ball und leitete 15 Sekunden vor dem Ende per Gegenstoß den Siegtreffer durch Yannik Lund ein.
Der Jubel in der Halle kannte keine Grenzen, auch wenn TuS sich in den letzten sechs Minuten den Luxus gegönnt hat, drei Strafwürfe nicht zu nutzen.

„Wir haben zwei verrückte Halbzeiten gesehen. Die erste haben wir quasi ohne Abwehr gespielt, in der zweiten Halbzeit haben wir den Kopf hoch genommen und gekämpft was das Zeug hält. Wir haben nur zehn Gegentore zugelassen, was letztendlich den glücklichen Sieg brachte“, so die nüchterne Einschätzung des Trainergespanns Harro Naujeck und Daniel Friedrichs gegenüber HL-SPORTS.

Torschützen für TuS Lübeck 93:
Yannik Lund (8/1), Mats Manthe (6/1), Jan-Ove Litzenroth (5/1), Finn Wiethölter (3/1), Ben Jarik und Christopher Frädrich (je 3), Nils Lühr (2), Lukas Meier, Marcel Kahns und Aron Karschny (je 1)

ATSV Stockelsdorf – HSG Tarp/Wanderup 29:27 (14:13)
Trainer Heiko Grell hat im Vorwege des Spiels bereits verlauten lassen, dass er als Sieger die Halle verlassen wollte. Durch diesen Sieg über die HSG Tarp/Wanderup hat der ATSV Stockelsdorf dem Nachbarn TuS Lübeck 93 ein wenig Schützenhilfe geleistet.

Der ATSV Stockelsdorf startete hellwach in die Partie, stellte eine robuste Abwehr und konnte sich auf Steffen Kortkamp im Tor verlassen, der unter anderem zwei Strafwürfe entschärfte. Die HSG Tarp/Wanderup blieb den Hausherren dennoch auf den Fersen und verkürzte von 11:7 auf 14:13 zur Halbzeit.

Die zweite Halbzeit begann hektisch und die Spannung auf beiden Seiten wurde immer deutlicher. Die HSG Tarp/Wanderup blies zur Attacke und erhöhte die Schlagzahl. Dieses hatte zur Folge, dass der Gast beim 21:20 die Führung übernahm.

Stodo zeigte eine kämpferische Reaktion und fightete um jeden Zentimeter Boden, holte sich die Führung zurück und verteidigte diese auch in dreifacher Unterzahl. In dieser Phase parierte Torhüter Robin Lerche einen weiteren Strafwurf, was weitere Energie in der Mannschaft frei setzte. Die Schlussphase war an Hektik und Spannung kaum noch zu überbieten. Als Oliver König 20 Sekunden vor dem Ende das 29:27 erzielte, kannte der Jubel in der Halle keine Grenzen mehr.

„Wir haben einen grandiosen Sieg gefeiert, Schützenhilfe für Schülp und TuS geleistet und gleichzeitig wohl die Aufstiegsambitionen der HSG Tarp/Wanderup zu nichte gemacht“, berichtet Oliver König freudig gegenüber HL-SPORTS. „Trainer Heiko Grell ist stolz auf seine Mannschaft und deren Teamgeist“.

Torschützen für ATSV Stockelsdorf:
Finn Schäfer (8/2), Thore Steinhoff (5), Thomas Dohse, Sören Schäfer, Alexander Tantius und Simon Freitag (je 3), Oliver König (2), Florian Grotzky und Ingolf Gonschorek (je 1)

HSG Reinfeld/Hamberge – MTV Herzhorn 29:23 (16:12)
Die Mannschaft wusste um die Stärken von MTV Herzhorn und kam mit einem guten Start ins Spiel. Nach dem 1:0 wurde über guten Tempohandball schnell auf 5:2 nachgelegt, was aber keine Sicherheit in die Mannschaft brachte.

MTV Herzhorn nutzte die Schwächephase und verkürzte auf 8:7. Jetzt folgte die stärkste Abwehrphase des Spiels, der MTV Herzhorn erzielte 12 Minuten kein Tor und die HSG Reinfeld/Hamberge setzte sich auf 16:9 ab. Durch Unachtsamkeiten und unnötige Fehler verkürzte der Gast bis zur Pause noch auf 16:12.

Die Halbzeitansprache von Trainer Detfred Dörling fruchtete, die Mannschaft kam mit viel Biss wieder aufs Spielfeld und zog ein gutes Positionsspiel auf. Nach der 19:13 Führung folgte wieder eine unkonzentrierte Phase in der Abwehr und im Angriff bleiben beste Chancen liegen. Der Vorsprung schrumpfte auf 20:16. Trotz kurzer Deckung für Lina Tonding wurde die Chancenverwertung besser und der Vorsprung wurde auf 23:17 ausgebaut.

Erneut kam der MTV Herzhorn bis auf drei Tore beim 24:21 heran. Die Mannschaft zeigte die richtige Reaktion, biss sich durch und sorgt beim 27:22 für die Endscheidung des Spiels.

„Hätten wir nicht so viele klarste Chancen ungenutzt gelassen, wäre ein deutlicherer Sieg drin gewesen“, so die abschließende Bemerkung von Trainer Detfred Dörling in Richtung HL-SPORTS.

Torschützen für HSG Reinfeld/Hamberge:
Sina Rostek (6), Laura Beth (6/1), Lina Tonding (5), Kerstin Albrecht, Lara Beth und Rika Tonding (je 3), Janine Sachse (2), Anna-Lena Tetzlaff (1)