Auswärtssieg im Windspiel: Familiäre Atmosphäre und Jubel zum Schluss

HSG Ostsee gewinnt und alle freuen sich

So sehen Sieger aus: Die daheimgebliebene Ostsee-Familie im Hotel Windspiel. Foto: privat
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Grömitz – Morgens um 5.30 Uhr: Aufstehen für Giesela und Jan-Eric Hertwig, fertigmachen für das Auswärtsspiel in Leipzig. Die HSG Ostsee muss gegen das Schlusslicht ran. Es ist ein sehr wichtiger Tag für die Handballspielgemeinschaft Neustadt/Grömitz. Sie steht auf dem vorletzten Tabellenplatz – ein Sieg ist Plicht. Und das Ehepaar Hertwig stellt die Weichen für den Erfolg, der zwölf Stunden später seinen Lauf nehmen sollte.

Brote und etwas Warmes für die Mannschaft: Woher kommt das überhaupt?

80 Brote schmieren: Jan-Eric Hertwig ist fleißig, will das alles fertig ist, wenn die Mannschaft drei Stunden später in den Bus steigt, um die rund 400 Kilometer in die sächsische Landeshauptstadt zurückzulegen. Frau Gisela ist für die warme Mahlzeit zuständig. „Finde mal morgens um diese Uhrzeit einen Caterer, der das macht. Außerdem ist das nicht zu bezahlen. Wir machen das selbst für die Jungs. Sie sollen sich auf ihren Sport konzentrieren“, sagt der 57-Jährige. So ein Ehrenamt im Profibereich hat Seltenheit und kann gar nicht oft genug erwähnt werden.

Seit 2014 ist er der ehrenamtliche Chef der Handballer, hatte damals als sein TSV Grömitz bis in die Bezirksliga abstieg die Idee, die beiden Orte Grömitz und Neustadt zu bündeln. „Wir haben damals Thomas Knorr als Trainer verpflichtet und sind bis in die 3. Liga durchmarschiert. Dort spielt man seit acht Jahren“, so Hertwig. Darauf ist man stolz bei Ostsee – und das darf man auch.

Leipzig, endlich eine Reise wert

Vor dem Auswärtsspiel bei SC DHfK Leipzig II unterlag die HSG sechsmal. Eltern, Fans und Sponsoren treffen sich regelmäßig bei den Gastauftritten ihres Teams in der Heimat. Dieses Mal war das Hotel Windspiel der Ort, an dem alles wieder besser werden sollte. Familie Evers lud zum Public Viewing. Auf mehreren Bildschirmen und einer Großbildleinwand flackerten erst Fußball und dann pünktlich zum Anpfiff die Ostseehandballer über den Screen. Die Spannung stieg, aber nervös war keiner so richtig. Jan-Eric Hertwig meinte noch nebenbei: „Wir haben in Leipzig noch nie gewonnen.“ Na, wenn das mal kein Ansporn gewesen sein muss.

Mittendrin Roland “Kenzo“ Kahl, Chefredakteur von HL-SPORTS und Geschäftsführer von RADIO LÜBECK (Medienpartner der Handballer). „Ich muss ehrlich gestehen: ich habe es bisher noch nie zu einem Spiel der HSG Ostsee in die Halle geschafft. Heute hat es mal gepasst, auch wenn es nur ein Public Viewing ist“, meinte er. Die Gespräche mit dem Dutzend anderer Fans machten ihm viel Spaß, es war sehr familiär und die Stimmung war bestens. Eine Vorahnung?

Jan-Eric Hertwig und Roland “Kenzo“ Kahl freuen sich über einen tollen Abend. Foto: privat

Die 45. Minute…

Zur Pause führten die Hausherren noch mit 19:17. Keine Panik im “Windspiel“, doch Respekt vor der 45. Minute. „Da sind sie bisher immer eingebrochen“, meinte eine Teilnehmerin aus der Runde, aber sie war dabei nicht ängstlich. Es sollte passen. Fünf Minuten in der zweiten Hälfte waren rum und die HSG führte 21:20, setzte sich später auf 28:25 ab – und das war genau der sonstige “Point of Defeat“. Dieses Mal nicht. Tor durch Finn Kretschmer (46.) und Jubel zuhause. Vier Tore vor, das sah gut aus. Noch fünf Minuten auf der Uhr: Jasper Bruhn traf zum 35:30. „Das muss doch reichen.“ Die Vorfreude sammelte sich bei den Daheimgebliebenen. Der Vorsprung hielt, doch durch war man noch nicht. Leipzig kam wieder auf zwei Treffer heran, noch knapp 90 Sekunden. Tim Claasen bekam eine Zwei-Minuten-Strafe, HSG in Unterzahl, Leipzig biss sich fest – noch etwa eine Minute zu spielen. Dann die Erlösung: Nick Deleske zum 38:35 – 23 Sekunden vor dem Ende. Leipzig verkürzte nochmal, aber in der “Kleinen Arena“ vor rund 60 Zuschauern tanzten die Jungs von der Ostsee – Schlusssirene und Sieg! In der Tabelle zog man mit Sportfreunde Söhre gleich.

Und jetzt: Die HSG ist wieder im Game. Sechs Niederlagen in Folge und nun in Leipzig der wichtige Sieg. Er kam zur richtigen Zeit. Im “Windspiel“ war man mehr als erleichtert. Eine Runde ging noch und das Essen stand pünktlich nach Abpfiff bereit. Steckrüben, Fleisch und Wurst. Etwas Deftiges nach fünf Minuten leichtem Zittern zum Ende. Perfekt!

„Ein toller Abend, danke HSG-Familie“

In Grömitz an der Ostsee endete der Abend mit Gesprächen, Anekdoten und dem Ausblick auf das bevorstehende Heimspiel am kommenden Sonnabend in der Ostholsteinhalle, nur 850 Meter Fußweg vom “Windspiel“. Nächste Woche sind dann alle live dabei – in der Halle. Dann geht es gegen Plauen. Die stehen vier Zähler vor der HSG, drei Plätze. Jetzt mit Rückenwind im Spiel.

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Und Jan-Eric Hertwig? Außer, dass er am vergangenen Montag als Vorsitzender des TSV Grömitz wiedergewählt wurde und seit 16 Jahren im Amt ist, wünscht er sich ein neuntes Jahr 3. Liga. “Kenzo“ verabschiedete sich und war dankbar für die Gastfreundschaft. „Ein toller Abend, danke HSG-Familie – und ein Sieg, was will man mehr? So soll es sein…“

Mehr zur HSG Ostsee am Montag bei HL-SPORTS.

Gelingt den Beach Devils die Meisterschaft in der Regionalliga Nord?

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  • HSG: privat
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