Das war der Corona-Wahnsinn Europameisterschaft für Deutschland

Foto: EHF + DHB + Lobeca/Ralf Homburg
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Lübeck – Bundestrainer Alfred Gislason hat die Vorbereitung auf die Handball-Europa-Meisterschaft 2022 (EHF EURO 2022) vom 13. bis 30. Januar in Ungarn und der Slowakei mit 17 Spielern sehr intensiv betrieben. Es wurden junge Spieler integriert und die Mannschaft reiste mit diesem 17er-Kader nach Bratislava in die Slowakei. Nach insgesamt 15 Corona-Fällen in der Mannschaft gab es elf Nachrücker, die kurzfristig und fast ohne Training ins kalte Wasser geworfen wurden. Im letzten Hauptrundenspiel gegen Russland standen mit Johannes Golla, Julian Köster, Philipp Weber und Lukas Zerbe noch ganze vier Spieler aus dem angereisten und die Vorbereitung absolvierten 17er-Kader auf der Platte.

Gruppensieger der Vorrunde, trotz ständig wechselnder Corona-Aufstellung

Die deutsche Mannschaft schloss die Vorrunde als Gruppensieger mit drei Siegen ab und nahm zwei Punkte mit in die Hauptrunde. In der Vorrunde spielte das DHB-Team in keinem der drei Spiele in der gleichen Ausstellung, was den Bundestrainer und die Mannschaft immer wieder vor eine neue Herausforderung stellte. Im zweiten Spiel gegen Österreich war es nur Julius Kühn, der ersetzt werden musste. Es rückte Lukas Zerbe nach – als 17. Spieler des Kaders, er hatte in der ersten Begegnung pausiert -, um den Kader zu vervollständigen.

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Zum letzten Vorrundenspiel gab es gleich sieben Ausfälle, darunter beide Torhüter Andreas Wolff und Till Klimpke. Kurzfristig wurden Spieler aus Deutschland nachnominiert, um gegen Polen dabei zu sein. Die Mannschaft wurde somit durch Johannes Bitter, Fabian Wiede, Sebastian Firnhaber, Rune Dahmke und Paul Drux komplettiert, wobei Bitter der einzige Torhüter in der Partie blieb.

Trotz all dieser Widrigkeiten gelang der neuformierten deutschen Handball-Nationalmannschaft der Gruppensieg mit 6:0 Punkten, was auch bedeutete, dass die beiden Punkte gegen Polen mit in die Hauptrunde genommen wurden.

In der Hauptrunde schlägt Corona derbe zu

Zum Start der Hauptrunde rissen die Hiobsbotschaften nicht ab, es mussten erneut drei Spieler (Sebastian Heymann, Djibril M’Bengue und Sebastian Firnhaber) in Quarantäne, fünf Spieler mit Daniel Rebmann, Tobias Reichmann, Lukas Stutzke, David Schmidt und Patrick Zieker rückten nach und komplettierten die Mannschaft wieder auf 16, mit Rebmann einen zweiten Torhüter neben Bitter. Das erneut komplett durchgemischte DHB-Team schlug sich gegen den Titelverteidiger Spanien gut, hielt lange mit und musste sich erst in der zweiten Halbzeit der Routine der Spanier mit 23:29 beugen.

Im zweiten Hauptrundenspiel hatte Bundestrainer Gislason den Luxus, die gleiche Mannschaft wie gegen Spanien stand zur Verfügung. Auch hier hielt das junge Team in der ersten Halbzeit mit, lag sogar in der Anfangsphase in Führung. Mit zunehmender Spieldauer machte sich die Eingespieltheit der Norweger bemerkbar, Deutschland leistete sich zu viele technische Fehler, die gnadenlos bestraft wurden. So ging Deutschland auch in dieser Partie mit 23:28 leer aus.

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Zum dritten Hauptrundenspiel musste der Bundestrainer erneute einen Wechsel Corona bedingt vornehmen. Für den positiv getesteten Christoph Steinert komplettierte Hendrik Wagner das DHB-Team. Auch hier zeigte sich die Mannschaft um Kapitän Johannes Golla kampfstark, lief in der ersten Hälfte den Schweden hinter. Nach 40 Minuten, beim 15:15, verpasste es Deutschland, erneut durch die Häufung von Flüchtigkeitsfehler, selbst in Führung zu gehen, was Schweden sofort bestrafte und am Ende erneut beim 21:25 keine Punkte auf der Habenseite bedeutete.

Zum letzten Hauptrundenspiel gegen Russland fielen mit Patrick Wiencek, Hendrik Wagner und Simon Ernst drei weitere Spieler aus, dass Bundestrainer Gislason nur 13 Spieler zur Verfügung standen. Diese stark dezimierte Mannschaft zeigte im abschließenden Spiel eine starke Mannschaftsleistung, geriet während der gesamten Spielzeit erst während der Crunch-Time im Rückstand. Sie biss sich ins Spiel zurück und verabschiedete sich mit einem 30:29 über Russland von der Europameisterschaft.

28 Spieler eingesetzt, darunter vier Torhüter

In den sieben Spielen setzte Bundestrainer Alfred Gislason Corona bedingt insgesamt 28 Spieler, darunter vier Torhüter, ein. Er beendete vier Spiele siegreich und kassierte drei Niederlagen, davon gegen zwei Mannschaften die den Sprung ins Halbfinale schafften. Bester deutscher Torschütze wurde Johannes Golla mit 29 Treffern, der in allen Spielen der deutschen Handball-Nationalmannschaft auf der Platte stand.

Fazit: Die deutsche Handball-Nationalmannschaft hat es im Gegensatz zu anderen Nationen besonders heftig mit Corona bedingten Ausfällen getroffen. Insgesamt gab es 15 Corona-Fälle in der Mannschaft, wobei elf Nachrücker diese kompensierten. Aus dem 17er-Kader blieben am Ende ganze vier Spieler übrig, der Rest musste ersetzt werden. Die jeweilige Mannschaft, die auf der Platte stand kämpfte und gab nie auf. Es zeigten sich aber immer wieder die Defizite, die es in der Mannschaft nicht erst seit der EHF EURO 2022 gab. Die Außen wurden nicht konsequent genug gesucht und in Szene gesetzt, gleich welche Formation im Rückraum agierte.
Bei der Torhüterleistung war noch Luft nach oben sowie auch im Umschaltspiel von Abwehr auf Angriff. Das Positionsspiel klappte durch die ständig neue Formation nicht optimal, da fehlte die Feinstimmung, die aber auch nicht vorhanden sein konnte.
Es gab auch Positives zu bemerken, mit Golla und Wiencek besaß Deutschland einen kompakten Mittelblock, der der gesamten Hintermannschaft Stabilität verlieh. Auch das Rückzugsverhalten war in den meisten Fällen vorbildlich. Mit dem Zweitligisten Julian Köster wuchs ein ganz Großer heran, er bewies bereits jetzt Selbstvertrauen zum eigenen Abschluss, setzte aber auch sehr gekonnt seine Mitspieler in Szene. Mit Philipp Weber gab es ebenfalls einen guten Lenker und Denker, der fast ständig auf der Platte stand und wenig Zeit zum Verschnaufen bekam.

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