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Lübeck – Die deutsche Handball-Nationalmannschaft der Männer hat nach dem 43:14-Auftakterfolg gegen den WM-Neuling Uruguay morgen (17.1.) um 19 Uhr Ortszeit in der zweiten Vorrunden-Partie mit Kap Verde den zweiten WM-Debütanten auf dem Programm. Hierbei schwingt eine gewisse Unsicherheit mit, da es im Vorfeld beim Gegner mehrere Coronafälle gab. Der Afrika-Vertreter unterlag in der Auftaktbegegnung mit 27:34 gegen Ungarn, dem letzten deutschen Gruppengegner am Dienstag. Dabei zeigte der morgige Gegner – trotz dezimiertem Kader mit nur elf Spielern – ein gutes Spiel gegen Ungarn und mit 27 Toren auch eine nicht zu unterschätzende Angriffsleistung.

Der zweite Nobody wartet auf Deutschland

Für die Mannschaft von Bundestrainer Alfred Gislason ist Kap Verde ein völlig unbeschriebenes Blatt als zweiter WM-Neuling nach dem gestrigen Spiel gegen Uruguay. In ihrem ersten WM-Auftritt bewiesen die Afrikaner mit ihren 27 Toren eindrucksvoll, dass sie genau wissen, wo der Ball einschlagen muss. Hier heißt es für das deutsche Team von der ersten Minute an hell wach zu sein und sich wenig Fehler zu leisten, aber auch die Chancenverwertung hoch zu halten – nicht wie in der ersten Halbzeit gegen Uruguay. Weiterhin muss der Kopf frei sein bezüglich der Coronafälle im Vorweg bei Kap Verde.

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Der Weg von Kap Verde zur WM

Wie schafften es die Handballer von der Inselgruppe überhaupt nach Ägypten? Rein statistisch betrachtet, liegen die DHB-Auswahl und die Kapverden auf einem Niveau – denn beide haben ihre Kontinentalmeisterschaften jeweils als Fünfter beendet. Während Deutschland unglücklich über das verpasste Halbfinale war, feierten die Spieler von den Atlantikinseln ihren Turnierabschluss Ende Januar 2020 in Tunesien umso überschwänglicher. Erstmals überhaupt – weil das Teilnehmerfeld von zwölf auf 16 Teams ausgeweitet wurde und das Team einen Sponsor fand, der die Reise bezahlte – hatte sich Kap Verden für die Afrikameisterschaft qualifiziert.

In der Vorrunde in Tunesien startete das Team des portugiesischen Trainers Jose Tomas gleich richtig durch, besiegte die früheren WM-Teilnehmer Elfenbeinküste und Kamerun und qualifizierte sich so für die obere Hälfte der Zwischenrunde. Dort gab es zwar Niederlagen gegen Halbfinalteilnehmer Algerien sowie Marokko, aber in den Platzierungsspielen gaben die Kap Verden alles: Im entscheidenden ersten Duell um das WM-Ticket gegen die Demokratische Republik Kongo gab es ein 32:30 nach Verlängerung – und im Spiel um Platz 5 dann sogar einen 37:28-Erfolg gegen Marokko.

Bei Kap Verde spielen viele Legionäre

Aus dem 20-er Kader, den Trainer Tomas ursprünglich für die WM-Vorbereitung nominierte, spielen nur vier Spieler auf den Kapverden, zehn in Portugal, drei in Spanien sowie je einer in Frankreich, Rumänien – und eben Ivo Santos. Bekanntester Legionär von denen, die gegen Ungarn auf dem Feld standen, ist Leandro Semedo, mit sechs Treffern auch bester Werfer – er spielt für den spanischen Spitzenklub und European-League-Teilnehmer Ademar Leon.

Für ihn ging mit der WM-Teilnahme ein Traum in Erfüllung: „Wir haben überhaupt keinen Druck. Wir wollen die Chance nutzen, um mit den besten Teams der Welt auf der gleichen Bühne zu stehen, die Spiele zu genießen, und vielleicht sogar einen Sieg gegen Uruguay einzufahren.“ Rückblickend ist Semedo immer noch begeistert von der Afrikameisterschaft 2020: „Es war eine einzigartige und unerklärliche Sensation mit unglaublichen Emotionen.“

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„Nach dem fünften Platz waren wir zuhause plötzlich in aller Munde, alle Menschen haben uns zu dieser historischen Leistung beglückwünscht und waren unglaublich stolz“, sagte Nelson Jesus, Präsident des kapverdischen Handballverbands: „Der Stolz war vor allem deswegen so groß, weil wir als kleines Land uns quasi ohne Ressourcen für eine Weltmeisterschaft qualifiziert haben, wir haben kaum Spieler und kein Geld. Wir haben die Welt des Handballs überrascht und es war wunderbar und spektakulär.“

DHB-Sportvorstand warnt vor Kap Verde

Dass Kap Verde stärker einzuschätzen ist als Uruguay, weiß auch DHB-Sportvorstand Axel Kromer: „Das wird eine größere sportliche Herausforderung. Alfred hat schon vor Wochen auf die Qualität von Kap Verde hingewiesen. Die sind stärker, als es der Name vermuten lässt. Viele Spieler laufen für Klubs in Portugal, Spanien oder Frankreich auf. Sie können Handball spielen und werden uns vor gewisse Aufgaben stellen. Ich habe einige Spieler in der Halle gesehen, die strahlen schon eine Körperlichkeit aus und haben auch handballerisch einiges drauf.“

Auch wenn ein Pflichtsieg gefordert wird, muss die Mannschaft sich über 60 Minuten voll auf das sportliche Geschehen konzentrieren. Die Hintermannschaft muss zu jeder Zeit unter Hochspannung stehen, damit beim Ballgewinn einfache Tore per Gegenstoß oder zweiter Welle erzielt werden. Dieses gelang dem DHB-Team in der zweiten Halbzeit gegen Uruguay sehr gut. Daran soll angeknüpft werden.

(DHB)

Bildquellen

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