
Lübeck – Die deutsche Handball-Nationalmannschaft der Männer hat sich bei der Europameisterschaft im Finale gegen Dänemark bis in die Schlussphase gut verkauft, unterlag aber der Übermacht Dänemark am Ende noch deutlich. Zwei Disqualifikationen gegen das DHB-Team (Tom Kiesler und Jannik Kohlbacher) schwächten die Defensivarbeit beachtlich.
Zuvor fand das Spiel um Platz 3 zwischen Kroatien und Island statt. Hier setzte sich Kroatien gegen Island durch und belegte in der Endabrechnung Platz 3.
Finale
Dänemark – Deutschland 34:27 (18:16)
Im Endspiel der Europameisterschaft traf Deutschland zum zweiten Mal im Turnierverlauf auf Titelverteidiger Dänemark. Dank einer über weite Strecken starken Leistung blieb die DHB-Auswahl bis in die Schlussphase in Schlagdistanz, musste sich am Ende jedoch mit 27:34 geschlagen geben.
Zehn Jahre nach dem letzten EM-Triumph 2016 bot sich Deutschland erneut die Chance, den Titel zu gewinnen. An Motivation mangelte es der Mannschaft von Bundestrainer Alfred Gislason keineswegs, das zeigte sich von Beginn an. Das Finale startete mit hoher Geschwindigkeit, vielen Toren und einer ausgeglichenen Anfangsphase. Genauso, wie es sich die Zuschauer von einem Endspiel erhofften. Nach 13 Minuten folgte jedoch der erste Rückschlag: Tom Kiesler sah nach einem Schlag ins Gesicht seines Gegenspielers die Rote Karte. Damit fehlte Deutschland früh eine wichtige Stütze im Abwehrzentrum. Kurz darauf gelang es Dänemark erstmals, sich auf drei Treffer abzusetzen. Trotzdem blieb die deutsche Mannschaft konzentriert und kämpfte sich immer wieder heran. Zur Halbzeit lag Deutschland nur knapp mit 16:18 zurück und hatte weiterhin alle Möglichkeiten.
Nach dem Seitenwechsel entwickelte sich weiter ein enges und intensives Spiel. Beide Torhüter rückten nun stärker in den Fokus. Andreas Wolff verhinderte mit wichtigen Rettungstaten einen größeren Rückstand, und Kevin Møller stellte die deutsche Offensive auf der anderen Seite wiederholt vor Probleme. Rund um die 43. Minute zog Dänemark erneut auf vier Tore davon, doch die DHB-Auswahl zeigte Charakter und verkürzte unmittelbar darauf wieder auf zwei Tore. Fünf Minuten vor Schluss war beim Stand von 29:27 für Dänemark weiterhin alles offen.
In dieser entscheidenden Phase folgte jedoch der nächste Rückschlag: Jannik Kohlbacher wurde nach einem Ellenbogentreffer am Hals eines Gegenspielers disqualifiziert. Dieser erneute personelle Verlust brachte einen Bruch ins deutsche Spiel. Die Kräfte schwanden, technische Fehler nahmen zu und die Chancenverwertung wurde unpräziser. Dänemark blieb abgeklärt, nutzte die Fehler konsequent und entschied die Partie in den letzten Minuten deutlich für sich. Das 34:27 fiel letztlich höher aus, als es der lange ausgeglichene Spielverlauf vermuten ließ.
Deutschland beendet das Turnier damit als Vize-Europameister und sichert sich Silber – ein beachtlicher Erfolg angesichts der schweren Hauptrundengruppe, die das Team zuvor gemeistert hatte. Dänemark hingegen schrieb Geschichte: Die Skandinavier sind nach Frankreich erst die zweite Mannschaft, die gleichzeitig Olympiasieger, Weltmeister und Europameister ist.
Deutschland spielte in folgender Aufstellung
David Späth, Andreas Wolff – Nils Lichtlein (2), Johannes Golla (5), Miro Schluroff, Matthes Langhoff, Juri Knorr (5), Lukas Zerbe (2), Julian Köster (4), Renars Uscins (2), Tom Kiesler, Franz Semper (1), Rune Dahmke, Lukas Mertens (1), Marko Grgic (5), Jannik Kohlbacher
Spiel um Platz 3
Kroatien – Island 34:33 (17:14)
Im Spiel um Platz 3 setzte sich Kroatien knapp mit 34:33 gegen Island durch. Die Kroaten erspielten sich früh einen Vorsprung und kontrollierten weite Teile der Partie, doch Island blieb hartnäckig und verkürzte immer wieder. Als das Duell bereits entschieden schien, starteten die Isländer eine späte Aufholjagd und kamen noch einmal gefährlich nahe heran. Am Ende blieb Islands Aufholjagd unbelohnt, sodass Kroatien den Platz auf dem Podium denkbar knapp sicherte.
Bildquellen
- Tom Kiesler und Justus Fischer: Lobeca/Jan Kirschner
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