Foto: TSV/oH
Anzeige

Lübeck – Die 1. Handball-Herren des TSV Travemünde machte sich auf zum bis dato punktlosen Gegner, der HSG 404 nach Schwarzenbek. Gegen diesen Gegner sollten nun endlich die ersten Auswärtspunkte eingefahren werden, doch das war leichter gesagt als getan.

Die HSG 404 steht mit dem Rücken zur Wand und hat nichts zu verlieren, weil man eh schon ganz unten drin steht. Travemünde konnte bislang auswärts noch nicht punkten, trotz guter Leistungen in den vorangegangenen Auswärtsspielen. „Wir müssen es einfach mal schaffen, mit Anpfiff da zu sein und 60 Minuten konstant unsere Leistung abzurufen. Wenn wir das schaffen, können wir auch Auswärts punkten. Das Motto für dieses Spiel: 60 Minuten Kampf und Konzentration“, so Trainer Andy Klinkmüller vor dem Spiel.

Die Worte schienen bei den Spielern angekommen zu sein. Finn Klatt sorgte per Siebenmeter für die 1:0-Führung und bis zum 3:1 sah alles nach einem guten Start aus. Doch dann wandelte sich das Spiel, weil die HSG 404 sich davon nicht beeindrucken ließ und in der 8. Minute den Ausgleich zum 4:4 schaffte. Der Spielfluss auf Seiten von Travemünde war unterbrochen. Die HSG 404 stellte eine sehr kompakte Abwehr, mit der sich Travemünde sehr schwer tat. Statt miteinander wieder zu spielen, wurde viel zu überhastet der Torabschluss gesucht. In der Abwehr stimmte die Zuordnung nicht, oder es wurden die Übergaben schlecht gesetzt, so dass die HSG zu leichten Toren kam. Auch die Schiedsrichterentscheidungen trugen etwas zur Verunsicherung bei, was aber nicht dazu führen durfte, dass die Gegner nicht mehr angegangen wurden. Lediglich Yan Eric Barthel sorgte in der Phase immer wieder für den Anschluss. Bis zum 13:13 (21. Minute), es folgte ein 3:0-Lauf der Gastgeber, bedingt auch durch die Unterzahl der Gäste. Zur Halbzeit stand es 19:15.

Wieder ging Travemünde mit einem Rückstand in die Halbzeitpause und musste sich in der 2. Halbzeit ordentlich strecken, damit hier das Spiel noch gedreht wurde. Die Mannschaft kann das, aber nur wenn sie wieder als Mannschaft agiert. Angefangen bei den Torhütern, die bis dahin mal so gar nicht im Spiel waren, über die Feldspieler, die jetzt Ruhe bewahren mussten. Doch die HSG 404 legte nach der Pause gleich nach und erhöhte auf 21:15. So hatte sich Travemünde das nicht vorgestellt. Nun bekam Coach Klinkmüller auch noch die gelbe Karte, weil er die Entscheidungen anzweifelte. Travemünde verkürzte auf 18:21 (36. Minute). Jetzt stand die Abwehr besser. Die Nummer 11 Daniel Merla, auf Seiten der HSG bester Torschütze, hatte der Gast nun besser im Griff, doch es sollte weitere 20 Minuten dauern, bis der Vorsprung des Gastgebers egalisiert werden konnte. Travemünde verkürzte auf 22:24 (44. Minute), aber mehr war nicht drin. Minutenlang schien es so, dass der Gastgeber diesen Zwei-Tore-Vorsprung bis zum Ende verwalten könnte und die Gäste sich aufrieben, aber nicht näher heran kamen.

Dann der ersehnte Ausgleich durch Yan Eric Barthel zum 28:28 (55. Minute) und eine dumme Zwei-Minuten–Strafe wegen Meckerns für Niklas Konau. „Die Siebenmeter- Entscheidung war okay, da gab es nichts zu diskutieren. Doch die Jugend muss es einfach mal lernen, die Klappe zu halten in solchen Situationen, denn wir waren jetzt am Zug und bringen uns so wieder selber aus dem Tritt oder schaden damit nur uns selber“, so Klinkmüller nach dem Spiel. Die Überzahl nutzte der Gastgeber gut aus und zog wieder auf 31:29 davon. Die Mühe und der Kampf schienen drei Minuten vor Schluss vergebens gewesen zu sein, doch der TSV Travemünde gab sich nicht auf. Klinkmüller nahm seine Auszeit. Ganz oder gar nicht schien das Motto danach zu sein, denn es wurde auf Manndeckung umgestellt. Die Gäste wollten hier unbedingt etwas mitnehmen. Dass die Mannschaft offensiv decken kann, hat sie schon oft bewiesen. 30:31 und noch 150 Sekunden zu spielen, der 31:31-Ausgleich und noch 90 Sekunden, ein technischer Fehler der Gastgeber und die letzten 30 Sekunden im Ballbesitz. Travemünde konnte wieder auffüllen und mit Abpfiff bekam man noch einen Siebenmeter zugesprochen, weil Luis Enrique Schönhoff gefoult wurde. Nun lag der Druck bei Timo Stein, der ein relativ sicherer Siebenmeter-Schütze ist. Die Quote an diesem Tag sprach nicht für Travemünde und so war es auch nicht verwunderlich, dass der letzte nicht drin und somit die Punkteteilung auch völlig in Ordnung war.

„Leider haben wir heute zu lange gebraucht, eine gute Abwehr zu stellen. Das ist uns erst in der 2. Halbzeit ab der 35. Minute gelungen. Ab dem Zeitpunkt hatten wir den Gegner gut im Griff. Leider wieder viel zu spät. Die HSG 404 hat sich gut verkauft und deswegen ist es auch mehr als gerecht, dass die Punkte geteilt werden. Wir müssen an unserer Einstellung arbeiten. Diese stimmt bei den Auswärtsspielen nicht. Da kannst du nicht nur 15 bis 20 Minuten gut spielen, wenn du gewinnen willst. Was heute aber echt gut war, dass die Mannschaft nicht kopflos gespielt und die Ruhe bewahrt hat. Das hat uns in den anderen Spielen oft das Genick gebrochen“, lautete das Statement von Andy Klinkmüller nach dem Spiel.

Es spielten im Tor: Eric Schwöbken, Jan Melz

Im Feld: Patrick Raube (4), Simon Schwarz (1), Niklas Konau, Finn Klatt (4 / 3/2), Henrik Hartz (2), Luis Schönhoff (1), Michel Ahrens (8), Yan Eric Barthel (7), Timo Stein (3 / 4/2) und Lennard Stein (1 / 1/0).

(PM)

Anzeige