Ein enttäuschter Marino Mallwitz
Foto: Lobeca/Raasch
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Lübeck – Der VfL Lübeck-Schwartau hat am vergangenen Freitag das letzte Spiel der Hinrunde in der 2. Bundesliga mit 28:32 (11:14) gegen den TSV Bayer Dormagen verloren.

Der Grund für den Auswärtserfolg seiner Mannschaft lag für Gästetrainer Dusko Bilanovic auf der Hand: „Ich bin sehr stolz auf meine Jungs. Wir haben unseren Matchplan 55 Minuten konsequent verfolgt. Wir haben es aus einer sehr starken Abwehr immer wieder geschafft, den Ball zu erobern und durch schnelle Gegenstöße zu einfachen Toren zu kommen. Nur in der Phase zwischen der 36. und 43. Minute ist der Plan nicht aufgegangen und Schwartau kam auf ein Tor heran. Hier hätte das Spiel kippen können, vor allem auch mit der Unterstützung des tollen Publikums. Aber wir haben dagegengehalten und am Ende verdient gewonnen.“

Dieses Statement fasst das Kräfteverhältnis des Spiels eigentlich schon ganz gut zusammen. Aber der Reihe nach. Der VfL, der aufgrund seiner Personalnöte erstmals Melf Hagen aus der A-Jugend dabeihatte, begann hellwach. Finn Kretschmer hatte die erste Führung in der Hand, aber der enorm starke Sven Bartmann (insgesamt elf Paraden) stellte sich erfolgreich in den Weg. Fynn Ranke nahm den Abpraller allerdings handlungsschnell auf und versenkte ihn zum 1:0 (1.) – das ging gut los.

Dormagen schnell und konsequent im Umschaltspiel

Dann aber kam der TSV Bayer Dormagen ins Spiel. Bis zur 6. Minute zogen die Gäste auf 1:4 davon und profitierten dabei von vergebenen VfL-Chancen und einem extrem starken Tempogegenstoßverhalten. Der VfL rannte permanent einem Rückstand hinterher. Das alleine kostet schon jeden Menge Kraft und verlangt eigentlich nach ausreichend personellen Alternativen. Eine weitere dieser Alternativen musste leider in der 8. Minute das Spiel beenden. Jan Schult verletzte sich ausreichend schwer, um das Spiel nicht fortsetzen zu können.

Als dann Gästetorwart Sven Bartmann in der 15. Minute den zweiten 7-Meter hielt, machte sich erstmals Unruhe unter den 2.018 Anwesenden breit. Unmittelbar danach erzielte der Kreisspieler der Gäste, Carl Löfström, im Tempogegenstoß das 4:10 (16.) und damit die erste Sechs-Tore- Führung. Dormagen überzeugte nicht nur in dieser Phase durch die bereits erwähnte erste und zweite Welle, sondern auch durch ein starkes Kreisspiel und entschlossene Rückraumspieler. Einer war Andre Meuser, der am Ende auf acht Treffer kam und damit erfolgreichster Werfer der Partie war.

Dass die Rheinländer nicht bereits in der ersten Halbzeit vorentscheidend davonziehen konnten, lag vor allem an dem permanenten Willen der Gastgeber, Zählbares zu verbuchen. Fynn Gonschor (bester VfL-Werfer mit sechs Treffern) erzielte mit seinen beiden Toren das 9- und 10:12, aber Dormagen konterte erneut (10:14, 30.). Dadi Runarsson schaffte dann den Anschluss zum 11:14 mit der Halbzeitsirene.

Starke Anfangsphase des VfL in der zweiten Halbzeit

Zu Beginn des zweiten Durchgangs erhöhte Dormagen gleich noch einmal die Schlagzahl. Fast im 15-Sekundentakt fielen jetzt die Tore auf beiden Seiten. 15:19 stand es nach 34 Minuten. Dann aber erwachte die Heimmannschaft und mit ihr die Hansehölle. In der 37. Minute machte Jasper Bruhn (ebenfalls stark mit fünf Toren) das 18:19 und Torhüter Marino Mallwitz veredelte diese Phase mit einem Treffer ins leere Tor zum 20:20. Ekstase auf den Rängen.

Leider verletzte sich zu diesem Zeitpunkt Dadi Runarsson. Der Isländer biss zwar auf die Zähne, war aber nicht mehr im Vollbesitz seiner Kräfte. Für ihn kam Tim Claasen zurück aufs Feld und war eine echte Belebung. Dynamisch und zweikampfstark setzte sich der Youngster immer wieder gekonnt in Szene und wirbelte die Dormagener Abwehr durcheinander. Klar war aber auch: Durch die fehlenden personellen Alternativen musste die gesamte Last des Spiels auf immer weniger Schultern verteilt werden. Und die wurden langsam müde. Dormagen legte einen Zwischenspurt ein, von dem sich der VfL Lübeck-Schwartau nicht mehr erholen sollte. Bis zur 48. Minute zog die Mannschaft von Dusko Bilanovic wieder auf fünf Tore davon (23:28). Am Ende hieß es 28:32.
Dormagen hat mit seinem Tempospiel den Grundstock für diesen Sieg gelegt und hat auch das Torhüterduell für sich entschieden.

Die Niederlage erkannte auch VfL-Coach Piotr Przybecki nach dem Spiel an: „Sie haben verdient gewonnen. Wir haben mit einer defensiveren 6:0-Abwehr den Rückraum der Dormagener fordern wollen. Diese Variante ist uns aber nicht so gut gelungen. Wir sind dann etwas offensiver in der Deckung geworden und auch wieder herangekommen. Allerdings haben wir bereits bis zur Halbzeit schon über zehn Bälle verworfen, unter anderem zwei 7-Meter. Am Ende sind 19 Fehlwürfe kaum zu kompensieren. Mit dieser Quote kannst Du kein Spiel gewinnen. Ich sage es aber auch ganz deutlich: Ich mache niemandem einen Vorwurf. Uns fehlen die personellen Alternativen. Wir waren zum Schluss einfach tot. Markus Hansen und Jasper Bruhn haben durchgespielt. Wen wundert es dann, dass am Ende die Körner fehlen und vielleicht entscheidende Zweikämpfe verloren werden.“

(PM)

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