MTV Lübeck U19 fehlt am Ende die Breite des Kaders zum großen Wurf

Der MTV Lübeck das fairste Team der Staffel

Die U19 des MTV Lübeck freut sich über recht gute Saison 2022/23
Foto: MTV Lübeck/tgo4
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Lübeck – Die männlichen A-Jugend des MTV Lübeck hat nach Abschluss der Saison 2022/23 in der Jugendbundesliga (JBLH) – nach Platz 7 mit 6:12 Punkten und 251:280 Toren in der Vorrunde – Platz 6 in der Pokalrunde Nord-Ost diesmal mit 6:14 Punkten und 313:343 Toren belegt. Da die direkte Qualifikation für die kommende Saison durch dieses Abschneiden verpasst wurde, heißt es im Sommer die Startberechtigung über eine Qualifikationsrunde zu erlangen. Hier stellen die Verantwortlichen bereits die ersten Weichen.

Eine insgesamt positive zweite JBLH-Saison der U19 ist beendet

Alles in allem sahen die Verantwortlichen, allen voran der Trainer Andrej Kurchev und der Sportliche Leiter der A bis C-Jugend Matthias Deppisch, die zweite JBLH-Saison als Gewinn. Beide, sowie Spieler, sahen, trotz vieler verletzungsbedingter Ausfälle, eine positive Entwicklung des Nachwuchses als Unterbau für die Ligamannschaft der Herren.
„Wir blicken auf viele positive Eindrücke in der Jugendbundesliga zurück. In der wohl stärksten aller Staffeln, gespickt mit den Leistungszentren vieler Bundesligisten, gelangen respektable Ergebnisse. Als ebenso wichtig wie die Resultate ist aber die erfolgreiche Integration in den Seniorenbereich zu bewerten“, so der positive Rückblick von Matthias Deppisch. „Alle Spieler bekamen die Möglichkeit, im Trainings- oder Spielbetrieb des Herrenbereichs mitzuwirken. Dank vieler nachrückenden Spieler aus dem eigenen Nachwuchs nehmen die MTV-Talente die erneute Qualifikation für die neue Bundesligasaison ins Visier. Taktgeber als Trainer bleibt dabei der ehemalige Bundesliga Spieler Andrej Kurchev.“
Auch Pressesprecher Till Gottstein schaute mit Zuversicht auf die kommende Saison. „Die nächsten Jahrgänge stehen in den Startlöchern und werden ihrerseits die Qualifikation für die Jugendbundesliga anstreben. Der MTV kann hier auf eine nahezu lückenlos qualitativ hochwertige Jugendarbeit bauen und wird am Übergang in den leistungsorientierten Erwachsenenhandball noch feilen können.“

Ein wenig Kritik begleitet ebenfalls das Saisonende

Selbstverständlich gab es auch kritische Anmerkungen, was aber bei einem solchen Projekt wie der Jugendbundesliga sicherlich einen normalen Zustand darstellte. Als Spielervater stellte Gottstein das Positive ebenfalls in den Vordergrund. „So endet ein spannender Lebensabschnitt für einige und eine tolle Erfahrung für andere mit dem Ablauf dieser Spielzeit. Im Gesamtfazit bleibt die Saison 2022/23 bei den meisten MTV-Handballern in guter Erinnerung. Natürlich gibt es immer „Luft nach oben“ an der ein oder anderen Stelle“, so Gottstein. Er stellte aber auch die Frage in den Raum, ob mit aller Macht der Seniorenbereich gestärkt werden müsse, durch eine starke Belastung des Jugendbereichs. „Die Belastung einiger Jugendlicher und deren Umfeld war schon enorm, insbesondere, weil eine regelmäßige physiotherapeutische Betreuung und Begleitung, geschweige eine zuverlässige Logistik für Heim- und Auswärtsspiele fehlte. Für den Großteil der Spieler war es schwer nachvollziehbar, wo hier der Verein die Wertschätzung zeigte, für diejenigen, die als Mannschaft des Jahres 2021 und der zweifachen Qualifikation für die höchste deutsche Jugendspielklasse, ihren Anteil zum Aufschwung beim MTV Lübeck beigetragen haben.“

Alles in allem zeigte sich die gute Jugendarbeit beim MTV Lübeck mit qualifizierten Trainern und einem dementsprechenden Umfeld als ein Gewinn für den Handballsport im Großraum Lübeck.

Jetzt ein paar Zahlen und Fakten

Mannschaftstreffer und Torschützen
Die meisten Tore der Pokalrunde Nord-Ost erzielte die HSG Eider Harde als Tabellendritter der Abschlusstabelle mit 335 Toren vor dem Schlusslicht der Staffel, dem MTV Lübeck, der es auf 313 Treffer brachte. Erst auf Platz 3 folgte der Staffelsieger SG Flensburg-Handewitt mit 302 Toren auf der Habenseite.
In der Torschützenliste der Pokalrunde Nord-Ost stehen unter den besten Fünf gleich zwei des MTV Lübeck. Das sind auf Platz 3 Johannes Petrowa mit 65 Toren, davon 26 per Siebenmeter und auf Platz 5 steht Adrian Heuer (58/0). Nur an den Feldtoren gemessen, belegte Heuer (58) in der Staffel Platz 2 hinter Jorge Fülbier von der SG Flensburg-Handewitt, der es auf 62 Feldtore brachte. Kapitän Petrowa (65/26) ist somit erfolgreichster Torschütze beim MTV Lübeck vor Heuer (58/0), der allerdings damit bester Feldtorschütze wurde.

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Johannes Petrowa mit 65 Toren drittbester Schütze der Pokalrunde Nord-Ost
Foto: MTV Lübeck/tgo4

„Die schönste Erinnerung der Saison war für mich auf jeden Fall die Qualifikation in Cottbus, wir haben zu dem Zeitpunkt nun wirklich jeden überrascht, sind mit einem angeschlagenen Kader angereist und konnten etwas so Krasses vollbringen“, erinnerte sich Kapitän Petrowa zurück. „Das ist unmöglich zu vergessen. Als zweites nenne ich das Spiel gegen Flensburg, was auch eine fantastische Leistung des ganzen Teams war. Ich hätte mir natürlich weniger Verletzungen gewünscht. Mit dem vollen Kader wäre durchaus ein Weiterkommen möglich gewesen.“ Petrowa zeigte sich mit seiner Entwicklung als Spieler in einer Mannschaft, in der die Chemie stimmte, zufrieden. „In der kommenden Saison will ich noch ein Jahr Jugendbundesliga spielen und dies wahrscheinlich beim MTV. Festgelegt ist noch nichts, aber dass was mir mit den ersten Herren geboten wird, ermöglicht mir hoffentlich auch für die nächste Saison eine weitere gute Entwicklung.“

Torhüter Niklas Böttger, der in allen zehn Begegnungen der Pokalrunde dabei war, reihte sich auch mit zwei Treffern in die Torschützenliste ein. „Meine schönste Erinnerung an die Saison ist der erste Heimsieg gegen den 1. VfL Potsdam (24:23 in der Vorrunde). Auch an den Comeback-Sieg gegen die SG Flensburg-Handewitt (29:25) in der Pokal-Hinrunde denke ich gern zurück. Am Ende hatten wir leider Verletzungspech und konnten deswegen nicht in voller Stärke spielen, wie wir es uns gewünscht hätten.“

Torhüter Niklas Böttger steuert in der Saison auch 2 Tore bei
Foto: MTV Lübeck/tgo4

MTV Lübeck als fairstes Team der Staffel
In der 30 Spielen der Pokalrunde Nord-Ost gab es keine blaue Karte, aber insgesamt 13 rote, 220 Zeitstrafen und 73 gelbe Karten. Die Mannschaft von Trainer Andrej Kurchev zeigte sich als das fairste Team bei zwei roten, 27 Zeitstrafen und zehn gelben Karten. Auf Platz 2 folgte der 1. VfL Potsdam (2//32//12) und am anderen Ende der Fahnenstange rangierte der HC Bremen (4//49//14). Beim MTV Lübeck führt Reinhard Canzler (0//6//2) die Rüpel-Liste, bei acht von zehn Spielen, an und liegt in der Staffel damit auf Platz 11 der Spieler mit den meisten Zeitstrafen. Hinter Canzler weist Elias Moussa – bei neun Spielen – vier und Vincent Gottstein – in fünf Spielen – drei Zeitstrafen im MTV-Ranking auf.

Reinhard Canzler als Torschütze teilte in der Abwehr auch aus
Foto: MTV Lübeck/Arnd Habermann

„Für mich nehme ich mit, dass ich mich in dieser Saison gut weiterentwickeln konnte – zumindest bis zu meiner Verletzung. Aus meiner Sicht war das bedeutendste Spiel in der Vorrunde gegen den THW Kiel (27:28) in der Hansehalle. Vor über 230 Zuschauern haben wir uns stark behaupten können und sind nur am Ende leider nicht belohnt worden“, blickte der scheidende Vincent Gottstein zurück. „Ich denke, wir hätten ohne Verletzungspech sicherlich deutlich mehr erreichen können als den doch enttäuschenden letzten Staffelplatz in der Pokalrunde. Wir haben starke Qualitäten in der Mannschaft und es ist jetzt schade, dass die Truppe auseinandergeht. Mit einigen habe ich ja schon seit der C-Jugend zusammengespielt beim MTV. Jetzt feiern wir erstmal den Saisonabschluss und fahren gemeinsam nach Kolding.“

Vincent Gottstein als Aktivposten des MTV blickt positiv zurück
Foto: MTV Lübeck/tgo4

Trainer Andrej Kurchev mit einem lachenden und einem weinenden Auge

Mit der ersten Hälfte der Saison zeigte sich Trainer Andrej Kurchev zufrieden, allerdings warfen die Mannschaft viele Ausfälle durch Verletzung und Krankheit zurück, was nicht kompensiert werden konnte. Um den Ausfall von drei der leistungsstärksten Spieler (Fabian Hübner, Vincent Gottstein, Luis Ciudad Benitez) zu kompensieren, fehlten einfach die Alternativen und so über die Saison auch die Leistungskonstanz. „Mit der ersten Hälfte der Saison können wir sportlich sicher zufrieden sein. Durch die Ausfälle konnten wir mit den Ergebnissen leider nicht dort anknüpfen und stehen daher am Tabellenende, nicht da wo wir mit diesem Kader eigentlich hingehören könnten“, brachte es Andrej Kurchev auf den Punkt. „Eine positive Entwicklung der jüngeren Spieler über den Saisonverlauf sehe ich dennoch und blicke dementsprechend auch recht optimistisch auf das kommende Jahr. Wir haben das Spiel deutlich schneller gemacht und mit den einfachen und schnellen Toren im Angriff bin ich auch bis zuletzt einverstanden. Die Abwehr ist das, wo uns vor allem die größeren Jungs zu oft gefehlt haben.“
Für die kommende Saison sieht Trainer Kurchev den Verein bei einer punktuellen Verstärkung (Torwart, Linksaußen, Linkshänder) auf einem guten Weg. „Bei der anstehenden Abschlussfahrt zum Turnier nach Kolding werden wir eine Kombination aus Abschluss und Integration der Neuen anstreben. In der Vorbereitung werden wir unter anderem in einem Trainingslager in Emsdetten an der Abwehrarbeit in drei Formationen intensiv arbeiten“, schaute Trainer Andrej Kurchev auch bereits etwas nach vorne.

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