Vom Virus ausgebremst: der VfL Lübeck-Schwartau. Foto: Lobeca/Raasch
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Lübeck – Viel schlechter hätte der 21. Spieltag der 2. Liqui Moly Handball-Bundesliga aus Sicht des VfL Lübeck-Schwartau nicht laufen können. Man selbst zeigt sich wiederholt von der schwachen Seite und verliert in Dresden. Dafür punktet die Konkurrenz. Macht in der Summe einen gebrauchten Spieltag für die zahnlosen Tiger von der Trave. Und von unten winkt der Relegationsplatz wie der Passant nach dem Taxi…

Ferndorf verabschiedet sich vorerst – Emsdetten verliert an Boden

Bevor es um den VfL geht, ein Blick auf die Konkurrenz. Hier hat sich der TuS Ferndorf vorerst aus der Abstiegszone verabschiedet. Dank eines 26:24 gegen den TV Emsdetten verbesserten sich die Siegerländer auf Platz elf und haben fünf Punkte Vorsprung auf den Relegationsrang. Für den TVE hingegen wird es langsam duster. Die Münsterländer haben weiter drei Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz und das mit Abstand schlechteste Torverhältnis. Auch die HSG Konstanz (28:24 gegen Eisenach) und wie bereits beschrieben der HC Elbflorenz sammeln wichtige Zähler im Keller. Der TV Hüttenberg musste sich nach hartem Kampf Essen (26:27) geschlagen geben und Aue verlor nach desolater zweiter Halbzeit in Bietigheim (29:33). So rückt der Keller weiter zusammen. Aue und Dresden (beide 18:24 Punkte) „führen“ das Sextett an. Es folgen Hüttenberg (17:25) und Schwartau (16:26). Der Relegationsrang geht an Konstanz (15:27), den ersten Abstiegsplatz belegt Emsdetten (13:29). Bei der HSG Krefeld (2:40 Punkte) ist ein Klassenerhalt wohl nur von theoretischer Natur.

Schwartau: kein Kampf, viel Krampf

Muss dem VfL-Fan deshalb beim Blick auf die Tabelle Angst und Bange werden? Mit Sicherheit nicht! Für deutlich mehr Sorgenfalten sorgt bei den treuen Anhängern das „Wie“. Schlechte Spiele können immer passieren, gerade wenn man nicht vor Selbstbewusstsein strotzt. Auch ein fast schon historisches Debakel wie in Gummersbach, wo der VfL das wahrscheinlich schlechteste Spiel der letzten zehn Jahre zeigte, kann passieren. Alles dies verzeiht ein Fan, weil er weiß wie Handball sein kann. Auch eine Negativ-Serie wird verziehen – wenn der Fan bedingungslosen Einsatz und Willen sieht. Doch diesen Kampf gibt es bei den Tigern aktuell nicht. Es ist kein Aufbäumen zu erkennen. Zu selten geht jemand voran, so wie es Jan Schult mit sechs Treffern in Dresden machte. Aber zu oft verstecken sich die Führungsspieler, als wären sie geschockt von der eigenen Leistung. Wenn dann die Abläufe nicht stimmen, die technischen Fehler sich potenzieren, dann verkrampft eine Mannschaft. Und heraus kommt nicht zweitliga-reifer Handball wie in Gummersbach oder wie über weite Strecken in Dresden. Von „verdaddelten“ Führungen wie gegen Hüttenberg ganz zu schweigen.

Angespannt und oft ratlos: Trainer Piotr Przybecki vom VfL Lübeck-Schwartau
VfL-Trainer Piotr Przybecki wirkt oft ratlos (Foto: Lobeca/Raasch)

Geschäftsführung und Trainer sind gefordert

Ohne Frage, die vielen personellen Ausfälle bei Schwartau spielen natürlich auch eine Rolle, dass es nicht so rund läuft wie erhofft. Aber hier ist der Trainer gefordert. Er muss den Spielern einfache Werkzeuge an die Hand geben. Und zwar solche, welche die Spieler verstehen und die ihnen schnell die nötige Sicherheit bringen. Doch offenkundig kann Piotr Przybecki dies nicht, denn echte Verbesserungen sind nicht der Fall – eher das genaue Gegenteil. Wenn selbst erfahrene Spieler den Kampf nicht annehmen, wird es bedenklich. Aber hier ist die Geschäftsführung um Daniel Pankofer gefordert. Sie muss ein Zeichen setzen, egal, ob es eine personelle Entscheidung oder ein öffentlicher Klartext ist. Natürlich wissen wir nicht, was und wie intern gesprochen wird. Aber der ständigen Durchhalteparolen nach Außen sind selbst die treuesten VfL-Fans überdrüssig. Und die Schlachtenbummler zu verprellen, dass kann sich der VfL Lübeck-Schwartau wahrlich nicht erlauben.

Die Älteren in der Pflicht

Im Gespräch mit HL-SPORTS nahm Pankofer vor allem die erfahrenen Spieler in die Pflicht: „Die älteren Spieler müssen die Anderen mitziehen und zeigen, worum es geht.“ Von den jungen Akteuren auf dem Feld könne man das nicht unbedingt erwarten, so der VfL-Geschäftsführer weiter. Ansonsten geht der 40-Jährige mit der aktuellen Situation (noch) relativ entspannt um. „Noch stehen wir über dem Strich. Und es ist ja nicht soviel, was uns fehlt. Meistens sind es nur Kleinigkeiten, die das Spiel zu unseren Ungunsten entscheiden“, meint er und verweist darauf, dass die meisten Partien relativ eng waren. Auch die Zuschauer nimmt er in die Pflicht: „Die Zuschauer bringen uns die 5 Prozent, die wir brauchen, um Erfolg zu haben.“

In die Pflicht genommen: der aktuell verletzte Jan Schult gehört zu den Spielern, die mitreißen sollen
(Foto: Lobeca/Raasch)

Konstanz als Schlüsselspiel

Noch hat der VfL Lübeck-Schwartau alles in der eigenen Hand, da hat Pankofer nicht unrecht. Doch schon nach dem kommenden Spieltag kann es anders aussehen. Sofern, was niemand in Lübeck hofft, die HSG Konstanz beide Punkte aus der „Hansehölle“ entführt. Aber auch das wäre grundsätzlich kein Beinbruch, immerhin sind es noch zwölf Spieltage bis zum Saisonende. Aber was heißt hier noch? So wie es wirkt, hat noch niemand die Ernsthaftigkeit der Lage erkannt – weder die Mannschaft auf dem Feld, noch der Trainer oder gar die Verantwortlichen abseits der Platte. Anders sind die Spielverläufe und auch die Durchhalteparolen nach den jeweiligen Partien nicht zu erklären. Insofern wird die Partie am kommenden Sonnabend zum Schlüsselspiel – nicht nur tabellarisch, sondern auch in Bezug darauf, ob alle verstanden haben, worum es geht.

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