Markus Hansen (# 11) verwandelt frei vor dem Tor
Foto: Lobeca/Marcus Kaben
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Lübeck – Der VfL Lübeck-Schwartau hat die EM-Pause genutzt und eine gute Vorbereitung auf die zweite Saisonhälfte absolviert, mit guten Ergebnissen in den Testspielen. Dieses muss nun auf die Pflichtspiele übertragen werden, Start ist morgen (31.1.) um 19.30 Uhr beim VfL Gummersbach und Ex-Trainer Torge Greve.

Morgen gegen 21.15 Uhr weiß VfL-Trainer Piotr Przybecki, was die Ergebnisse der Vorbereitungsspiele wert sind, wenn 60 Minuten gegen den VfL Gummersbach hinter ihm und seiner Mannschaft liegen. Makulatur ist zu diesem Zeitpunkt der Sieg in der Vorbereitung gegen die Füchse Berlin (29:26) oder der Turniererfolg beim Wintercup in Verl (mit Siegen gegen den holländischen Meister Green Park Handbal Aalsmeer (24:21), den dänischen Erstligisten Skanderborg Handbold (26:23) und dem Bundesligisten Nordhorn-Lingen (28:26). Entsprechend blickt der Trainer auf die Vorbereitungsspiele zurück: „Ich will die Erfolge nicht überbewerten, aber die Ergebnisse, tun einfach gut. Ich habe viel Positives gesehen. Unsere Abwehr steht gut, das Tempospiel funktioniert und unsere Torhüter bilden einen soliden Rückhalt. Mit unseren Neuzugängen Niels Versteijnen und Przemyslaw Mrozowicz ergeben sich neue Möglichkeiten.“

Wenn in der Schwalbe-Arena der Anpfiff erfolgt ist, spielen die Ergebnisse der Vorbereitung keine Rolle mehr. Wohl aber die bereits von Przybecki angesprochenen personellen Veränderungen bei den Ostholsteinern. Mit Niels Versteijnen (SG Flensburg-Handewitt) und Przemyslaw Mrozowicz (MKS Zaglebie Lubin) hat der VfL zwei neue Alternativen für den arg gebeutelten Rückraum verpflichtet. Beide kommen vorerst bis zum Ende dieser Saison.

Przybecki über seine neuen Spieler: „Niels Versteijnen verfügt über sehr gute Anlagen und ist technisch schon sehr weit für seine erst 19 Jahre. Was ihm vor allem fehlt, ist Spielpraxis. Die soll er bei uns erhalten. Meine ersten Eindrücke sind positiv. Er bringt sich gut in die Gruppe ein. Die Mannschaft unterstützt ihn dabei aber auch. Er wird uns schnell helfen können, offensiv wie defensiv.“

Auch Przemyslaw Mrozowicz hat sich in Lübeck bereits gut eingefunden: „Auch ihm fehlt etwas die Spielpraxis, aber auch er bringt gute Anlagen mit, als Shooter und als Anspieler. Ich kann ihn halblinks und in der Mitte spielen lassen. Und er kann auch in der Abwehr schnell zu einem Gewinn werden. Er wird sich sicherlich erst einmal an die neue Liga gewöhnen müssen, aber die ersten Spielminuten beim Wintercup waren für mich zufriedenstellend“, so Przybecki.

Personelle Alternativen könnte auch der ehemalige VfL-Coach Torge Greve gut gebrauchen, auch Gummersbach hat das Verletzungspech ereilt. Mit Robin Haller (Knie) und Alexander Hermann (Mittelfußbruch) fehlen zwei Spieler, die aufgrund ihrer Klasse und ihrer Erfahrung in jedem Spiel das Zünglein an der Waage sein können. Umso wichtiger ist es, dass der Österreicher Janko Bozovic gesund von seinem EM-Einsatz zurück ist. Der Halbrechte der Gummersbacher überzeugte nicht nur gegen Deutschland, sondern erzielte am Ende auch noch 33 Tore.

Mit ihm und gestandenen Erst- und Zweitligaprofis wie Alexander Becker, Marvin Sommer, Florian Baumgärtner oder Filip Ivic verfügen die Oberbergischen immer noch über reichlich Qualität. Nicht ohne Grund rangiert der VfL auf dem vierten Tabellenplatz und befindet sich nur drei Punkte hinter dem Rang zwei. Und das, obwohl die ersten Zweitliga-Spiele der Vereinsgeschichte wenig Anlass zur Hoffnung auf den sofortigen Wiederaufstieg machten. Mit 3:5 Punkten kann der Auftakt in der neuen Liga als verkorkst bezeichnet werden. Auch an die Niederungen der zweiten Bundesliga muss man sich erst gewöhnen. Das ist dem VfL aber erstaunlich schnell gelungen und so erklärt sich die gute Punkte-Bilanz.

Die Abwehr steht in Greve-Manier (nur Rimpar und Lübbecke haben weniger Gegentore erhalten), die Offensive ist variabel (Marvin Sommer ist mit 89 Treffern der erfolgreichste Schütze, Alexander Hermann hat 80 Tore auf seinem Konto, Janko Bozovic erzielte 70 Treffer; bei den Lübeckern ist Thees Glabisch mit 62 Toren der erfolgreichste Werfer) und die Gummersbacher unterstützen ihren Verein vorbildlich (fast 3.000 finden im Schnitt den Weg in die Schwalbe-Arena).

Piotr Przybecki über die Basis in Gummersbach: „Der VfL gehört in die erste Bundesliga und hätte vielleicht gar nicht absteigen dürfen. Ich glaube, das hat den Verein und sein Umfeld erst einmal richtig durchgeschüttelt. Vielleicht ist so auch der holprige Start zu erklären. Aber wenn es eine Art Schock war, dann hat Gummersbach diesen schnell überwunden. Sie verfügen aber auch über tolle Voraussetzungen. Der Kader ist gut besetzt, die Halle großartig und dazu auch noch in jedem Heimspiel gut gefüllt. Der VfL gehört definitiv in die Spitzengruppe und ist ein Anwärter auf den Aufstieg.“

Trotz der beeindruckenden Argumente auf Seiten der Oberbergischen ist den Schwartauern nicht Bange vor dem ersten Auswärtsspiel des Jahres. Ganz im Gegenteil: der Erfolg in Verl gibt Rückenwind (Gummersbach wurde dort Sechster) und die personellen Alternativen machen Mut. Und bei dem Gedanken an die ersten beiden Duelle mit dem VfL Gummersbach in dieser Saison dürfte den Lübeckern bei schwindenden Außentemperaturen auch etwas wärmer ums Herz werden. Das Spiel in der ersten DHB-Pokal-Runde konnte die Hansestädter mit 25:20 für sich entscheiden und im ersten Heimspiel folgte ein 22:20-Erfolg. Die Mannschaft von Piotr Przybecki weiß also, wie Siege gegen Gummersbach erzielt werden können. Aber was hat sich seit dem Saisonanfang alles getan?

Der Trainer auf diese Frage: „Wir sind 13. und wollen den Abstand nach unten vergrößern, Gummersbach ist Vierter und schielt auf die beiden Aufstiegsplätze. Nur das zählt für beide Vereine. Die bisherigen Spiele im Saisonverlauf haben für mich keine Bedeutung mehr. Wir haben uns optimal auf dieses erste Pflichtspiel im neuen Jahr vorbereitet. Jetzt wollen wir die positiven Eindrücke gegen Gummersbach bestätigen. Das wird schwer genug.“

(PM/kbi)

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