Virus-Experte Professor Dr. Rupp: „Am Ende fällt es allen auf die Füße“

„Da muss man nicht so tun, als ob man es kontrollieren könnte“

HL-SPORTS: Es wird diskutiert ob Zuschauer wieder zurück in die Stadien und Hallen dürfen. Wie hat sich ihre Einschätzung aus dem April verändert?

Prof. Jan Rupp: Im Stadion selbst sehe ich kein Problem, doch was ist mit der An- und Abreise und wie soll man dort irgendetwas kontrollieren? Die Züge sind pickepacke voll. Da muss man nicht so tun, als ob man das kontrollieren könnte. Die Wirtschaft ist dabei allgemein ein sehr wichtiger Punkt. Am Ende fällt es eben allen auf die Füße. Für die Stadien habe ich keine gute Lösung, aber die einzige wäre wohl eine Kontingentierung. Wenn man nur 10.000 Zuschauer hineinlässt, statt die kompletten 60.000. Ich finde es auch vernünftig zu schauen, dass das getestet wird. Sicherlich ist es nicht das Feeling, was sich alle wünschen, wenn man auf das Bier verzichten muss. Aber die Schüler wünschen sich auch nicht mit Maske im Unterricht zu sitzen. Ich bin mir sicher, dass sich zum Thema Stadion etwas tun wird. Jeder der vernünftig darüber nachdenkt, kann allerdings nicht wollen, dass eine große Anzahl an Personen unkontrolliert eng beieinandersteht. Die Konzepte sind da. Und wenn man die Reiserückkehrer und die Schulen etwas unter Kontrolle und Erkenntnisse hat, wird es den nächsten Schritt geben. Sport und Veranstaltungen haben Bedarf, das ist völlig klar. Jetzt wird draußen geschaut und danach kommen wir zu den Hallensportarten. Da geht es erst im Oktober beispielsweis beim Handball weiter. Bis dahin ist noch etwas Zeit. Wir befinden uns allgemein einfach in einer Lern- und Testphase.

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HL-SPORTS: Die Schulen sind wieder offen, aber es gibt unterschiedliche Konzepte. Bei der einen Schule ist voller Unterricht bei 30 Grad mit Maske angesetzt und woanders gelten Kohortenregeln, teilweise ohne Maske im Unterricht. Warum ist das so?

Prof. Jan Rupp: Es gibt eine dringende Empfehlung bei den Masken und es gibt dabei überall unterschiedliche Voraussetzungen. Darum muss jede Schule ihr eigenes Konzept verfolgen. Man kann nicht überall die gleichen Regeln durchsetzen. Bei 30 Grad mit Maske im Unterricht zu sitzen, ist das auf keinen Fall schön.

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„Das war nicht so schlecht“

HL-SPORTS: Bekommen wir möglicherweise einen zweiten Lockdown und was würde das mit der Gesellschaft machen?

Prof. Jan Rupp: Das oberste Gebot aller ist, dass wir keinen zweiten Lockdown kriegen dürfen. Die Folgen sollten jedem klar sein, wie Wirtschaft, Katastrophe für die Schulen, aber auch für die Bevölkerung. Der erste Lockdown hat psychisch schon viel mit uns gemacht. Wir gehen daran nicht zu Grunde, aber es würde nicht besser werden. Deswegen war es so wichtig, dass man da bei sinkenden Infektionszahlen nicht sofort gesagt hat „zack, es geht wieder alles auf“, sondern sukzessive öffnete und weiter öffnet. Wenn Menschen in ihrer Existenz und ihrem Arbeitsplatz bedroht sind, muss man eben diesen wieder die Chance geben in Lohn und Brot zu stehen. Bevor tausende von Kindern über Monate katastrophale Bildungsbedingungen haben, muss etwas anderes hintenanstehen. All das nur, damit wir im Winter nicht dazu kommen, wieder alles zuzumachen. Punktuell eine Schule, ein Stadion oder eine Sporthalle zu schließen, das wird so sein und wir kommen nicht darum herum. Wenn wir das Infektionsgeschehen damit eingedämpft bekommen, werden alle sagen, das war nicht so schlecht. Das ist ganz wichtig. Das Fazit muss sein: zeitlich begrenzte Einschränkungen und selber gut darauf achten, das wird so bleiben, aber das garantiert möglicherweise, dass wir keinen zweiten Lockdown bekommen.

HL-SPORTS: Vielen Dank Herr Professor Dr. Rupp, dass sie sich erneut die Zeit für das Interview genommen und die Leser von HL-SPORTS auf den aktuellen Stand gebracht haben.

Bildquellen

  • Professor Dr. Jan Rupp: Foto: UKSH
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