„Man merkt erst, wie schnell alles vorbei sein kann“ – Deutscher Triathlon-Meister Jaron Kollmeier aus Lübeck im großen XXL-Interview

In ein paar Wochen bei der Weltmeisterschaft und im Oktober beim Stadtwerke Lübeck Marathon

Jaron Kollmeier ist Deutscher Meister der Jugend A im Triathlon. Foto: Guido Kollmeier
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Lübeck – Er gilt als eine der größten Hoffnungen des deutschen Triathlonsports: Der 18-jährige Lübecker Jaron Kollmeier. Nach dem Titel als Deutscher Jugendmeister kämpfte er sich nach einer monatelangen Verletzungspause zurück in die Weltspitze. Im großen HL-SPORTS-Interview spricht das Ausnahmetalent über sein Drama vor der Junioren-EM, die bevorstehende Weltmeisterschaft in Spanien, seine Heimatverbundenheit zum Lübecker Marathon und warum Dankbarkeit heute sein größter Antrieb ist.

„Rückhalt aus der Familie war da ein wichtiger Baustein“

HL-SPORTS: Jaron, du hast ganz klassisch als Läufer auf dem Buni angefangen. Was hat dich damals am Laufen begeistert und welche Rolle spielte deine Mutter, die selbst Läuferin war?

Jaron Kollmeier: Ich habe ganz klassisch auf dem Buni mit der Leichtathletik und dem Laufen angefangen. Meine Mutter war selbst aktiv als Läuferin unterwegs, dadurch hatte ich von klein auf einen direkten Bezug zum Laufsport. Mich hat es einfach fasziniert, mich draußen zu bewegen und mich im Laufbereich auszuprobieren. Es hat mir von Anfang an extrem viel Spaß gemacht, und der Rückhalt aus der Familie war da ein wichtiger Baustein.

HL-SPORTS: Irgendwann – ziemlich schnell – ging es für dich zum Tri-Sport. War dir Laufen allein nicht mehr genug – was hat den Ausschlag für den Triathlon gegeben?

Jaron Kollmeier: Laufen allein war mir auf Dauer nicht mehr vielseitig genug. Ich hatte Lust auf mehr Abwechslung im Ausdauersport und wollte mich breiter ausprobieren. Der Wechsel zum Schwimmen und Radfahren kam dann recht zügig, und als ich die drei Disziplinen miteinander kombiniert habe, hat mich die Faszination Triathlon direkt gepackt.

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Jaron Kollmeier, stolz mit Urkunde als Deutscher Meister. Foto: Guido Kollmeier

HL-SPORTS: Du hast erst mit zwölf Jahren Kraulen gelernt und bist heute Bundeskader-Triathlet. Wann hast du selbst zum ersten Mal gemerkt: Ich bin nicht nur talentiert, ich könnte es in diesem Sport wirklich weit bringen?

Jaron Kollmeier: Dass ich erst mit zwölf Jahren richtig Kraulen gelernt habe, zeigt ja, wie spät dieser spezifische Baustein eigentlich dazukam. So ein Schlüsselmoment war für mich definitiv der Gewinn des Deutschen Jugendmeistertitels 2025. Da habe ich gemerkt, dass die harten Trainingseinheiten greifen und dass ich nicht nur regional mithalten, sondern mich deutschlandweit an die Spitze setzen kann. Das war der eigentliche Startschuss für den internationalen Weg und die Berufung in den Bundeskader.

„Dieser Titel hat natürlich extrem viel verändert“

HL-SPORTS: 2025 bist du Deutscher Jugendmeister geworden. Was hat dieser Titel für dich verändert – auch in deinem eigenen Anspruch an dich?

Jaron Kollmeier: Dieser Titel hat natürlich extrem viel verändert. Man schaut plötzlich anders auf die eigenen Leistungen und die Messlatte liegt automatisch höher. Der Erfolg hat mich wahnsinnig motiviert, aber gleichzeitig steigt natürlich auch der eigene Anspruch: Wenn man einmal ganz oben stand, möchte man dieses Niveau halten und sich auch international auf diesem Level beweisen.

HL-SPORTS: In der Staffel bist du auch erfolgreich, was macht den Reiz dabei aus?

Jaron Kollmeier: Triathlon ist meistens ein reiner Einzelsport, bei dem man völlig auf sich allein gestellt ist. In der Staffel hast du plötzlich diesen ausgeprägten Teamgedanken. Man kämpft nicht nur für die eigene Platzierung, sondern für die Mannschaft. Dieses gemeinsame Mitfiebern und der Rückhalt im Team geben eine ganz eigene Dynamik, die mir extrem viel Spaß macht.

„Das war mental eine extrem harte Zeit“

HL-SPORTS: 2026 begann dann mit einer langen Verletzungspause. Du durftest zeitweise gar nicht laufen. Wie schwierig war diese Phase für dich – körperlich und vor allem im Kopf?

Jaron Kollmeier: Dieses Jahr hat für mich ziemlich schwierig begonnen, als ich im Februar die Diagnose bekommen habe, dass ich zwei Knochenödeme im Knie habe. Das hat die Pläne für diese Saison massivst geändert. Man durfte monatelang nicht laufen und musste zuschauen. Das war mental eine extrem harte Zeit. Aber im Nachhinein glaube ich, dass mich diese Phase stärker gemacht hat. Ich merke einfach, wie schnell alles vorbei sein kann und schätze jetzt jede Einheit mit viel mehr Dankbarkeit.

HL-SPORTS: Wenige Wochen später reist du als Nachrücker zur Junioren-EM, bekommst morgens um 6.15 Uhr doch noch deinen Startplatz, wirst Elfter und qualifizierst dich für die WM. Wie verrückt kommt dir diese Entwicklung heute selbst vor?

Jaron Kollmeier: Das war absolut verrückt. Der Bundestrainer rief morgens um 6.15 Uhr an und meinte: „Jaron, komm sofort runter, ein Startplatz ist frei geworden, fange an dich warmzumachen!“ Ich hatte gar keine Zeit, mir groß Kopfzerbrechen zu machen. Ich konnte mit weniger Druck reingehen und sagen: Dass ich überhaupt starten darf, ist schon so ein großes Geschenk. Dass am Ende nach der Vorgeschichte Platz 11 herauskam, war einfach unglaublich.

HL-SPORTS: Am 24. September wartet in Pontevedra deine erste Junioren-Weltmeisterschaft. Geht es dort zunächst darum, Erfahrungen zu sammeln – oder fährst du schon mit einem konkreten sportlichen Ziel hin?

Jaron Kollmeier: Da ich dieses Jahr zum jüngeren Jahrgang gehöre, trete ich gegen Athleten an, die teilweise älter und körperlich weiter sind. Bei der WM geht es für mich primär darum, wertvolle Erfahrungen auf absolutem Top-Niveau zu sammeln. Ich möchte ein solides Rennen zeigen, mich mit den Weltbesten messen und mir eine gute Ausgangslage schaffen, um im nächsten Jahr im älteren Jahrgang dann voll anzugreifen.

„Rennen hier zu Hause sind für mich ganz besonders“

HL-SPORTS: Du bist inzwischen international unterwegs. Wie wichtig ist es dir trotzdem, in deiner Heimatstadt Lübeck zu laufen – dort, wo für dich alles angefangen hat?

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Jaron Kollmeier: Sehr wichtig definitiv. Natürlich sind auch die internationalen Rennen etwas total Besonderes für mich, weil man natürlich etwas von der Welt sieht und auch in fremden Ländern startet, mit denen man eben noch nicht so vertraut ist. Jedoch sind auch die Rennen hier zu Hause für mich ganz besonders. Denn dort kommen viele Freunde und Bekannte, von mir natürlich meine Familie, die mich irgendwie von der Strecke anfeuern – was denen natürlich jetzt bei internationalen Wettkämpfen nicht vergönnt ist, irgendwie an der Strecke zu sein. Und deswegen ist auch das immer ein ganz besonderes Gefühl für mich, weil ich natürlich auch mit Lübeck meiner Heimatstadt sehr, sehr liebe und dort einfach den Sport auszuüben, den ich so gerne mag, ist deswegen auch ja was ganz Besonderes für mich.

HL-SPORTS: Du warst selbst schon früh bei den Wettbewerben des Stadtwerke Lübeck Marathons erfolgreich. Was ist dir von diesen Starts und der Atmosphäre damals noch in Erinnerung geblieben?

Jaron Kollmeier: Ja, also den Citylauf und den Stadtwerke Marathon, den genau kenne ich schon seit vielen Jahren. Und was mir da auf jeden Fall noch von Erinnerung geblieben ist, ist, dass das wirklich wahnsinnig viel Spaß gemacht hat immer. Dort sind total viele Leute an der Strecke, das ist immer ein super Event, in dem man sich mit den anderen Lübeckern messen kann. Und gerade die Marathon-Staffel macht immer wahnsinnig viel Spaß, weil man eben auch dort als Team gemeinsam kämpfen kann, eine super Platzierung zu erreichen. Aber auch der Spaß steht dabei immer mit im Vordergrund, der garantiert ist.

HL-SPORTS: Und irgendwann die 42,195 Kilometer: Reizt dich ein richtiger Marathon selbst – oder ist das für dich momentan noch viel zu weit weg?

Jaron Kollmeier: Also später wird mich das mit Sicherheit einmal reizen. Allerdings ist das gerade noch für mich in weiter Ferne, da ich mich momentan definitiv auf die kürzeren Distanzen konzentriere. Im Triathlon sind es bei mir zurzeit immer 5 Kilometer, mit denen ich den Wettkampf abschließe, und auf diese Distanz fokussiere ich mich auch außerhalb vom Triathlon, dass ich meistens die 5-Kilometer-Strecken laufe. Jedoch kann ich mir durchaus perspektivisch vorstellen, auch mal in die Richtung natürlich Langdistanz und Ironman zu blicken. Allerdings ist das auf jeden Fall noch viele Jahre hin und da ist dann natürlich der Marathon genauso mit beinhaltet.

jaron @ „Man merkt erst, wie schnell alles vorbei sein kann“ – Deutscher Triathlon-Meister Jaron Kollmeier aus Lübeck im großen XXL-Interview
Der 18-jährige Lübecker Jaron Kollmeier bei RADIO LÜBECK. Foto: Lobeca

Es ging nicht immer nur um Laufen, Schwimmen oder Radfahren

HL-SPORTS: Wir haben noch etwas über dich ausgegraben: Tischtennis, seit vielen Jahren Klavier, Schach – und als Schüler warst du sogar Landessieger im Vorlesen, standest im Bundesfinale. Gibt es eigentlich irgendetwas, was du nicht kannst? Bist du grundsätzlich so ehrgeizig?

Jaron Kollmeier: Ja, vielen Dank erstmal, das nehme ich natürlich als großes Kompliment auf. Ich denke, ja, der Ehrgeiz, den ich beim Sport habe oder der vielleicht sich dann auch beim Sport besonders zeigt, ist definitiv auch übertragbar auf viele andere Bereiche meines Lebens. Unter anderem auf die ja gerade genannten Punkte von dir, vor allem auch zum Beispiel auf die Musik, die mir einfach auch wahnsinnig viel Spaß macht. Ich glaube, da kann ich einfach nur sehr dankbar vor allem in allererster Linie an meine Eltern und meine Familie sein, denn die haben mich natürlich zu vielen dieser Dinge begleitet und eben mir die Möglichkeit gegeben, diese auszuprobieren und dann diesen Spaß zu finden und dementsprechend ja auch ein gewisses Niveau in diesen Dingen erreicht zu haben, mit denen ich dann auch an Wettbewerben teilnehmen konnte. Und im Nachhinein bin ich unfassbar froh, dass ich all diese Dinge machen und ausprobieren konnte und teilweise ja auch definitiv immer noch fortführe, weil sie mir einfach unfassbar viel Spaß machen. Aber ich denke, wie gesagt, dass ich mich sehr, sehr glücklich schätzen kann, dass ich diese Möglichkeit überhaupt erst bekommen habe, all diese Dinge auszuprobieren.

Stadtwerke Lübeck Marathon als Abschluss des Jahres  

HL-SPORTS: Wenn am 18. Oktober beim Stadtwerke Lübeck Marathon ein Kind an der Startlinie steht, das genauso gerne läuft wie du damals: Was würdest du ihm aus heutiger Sicht mit auf den Weg geben?

Jaron Kollmeier: Also erstmal würde ich mich natürlich sehr darüber freuen, dass es hoffentlich viele laufbegeisterte Kinder an der Startlinie gibt, weil ich denke, dass es eine richtig, richtig tolle Sache ist. Und wenn man laufbegeistert ist, dass man auf jeden Fall dort teilnehmen sollte, weil es wie gesagt eine super Erfahrung ist. Und ich würde ihm wahrscheinlich raten, den Spaß in allererster Linie nicht zu verlieren, weil das am Ende das Entscheidende ist, um eben viele Jahre dabei zu bleiben. Und dieses viele Jahre dabei bleiben und einfach diese Konstanz in einem Sport oder in generell irgendwelchen Dingen zu behalten, das führt letztendlich am Ende dazu, dass man natürlich auch erfolgreich in diesen verschiedenen Sportarten, Instrumenten, was auch immer wird.

HL-SPORTS: Hast du noch etwas, was du gerne loswerden möchtest?

Jaron Kollmeier: Wenn ich irgendwie eine Botschaft noch irgendwie rauskriegen könnte, dann wäre es auf jeden Fall, dass ich mich vielleicht nochmal bei vielen Leuten wirklich bedanken möchte. Denn viele sehen natürlich letztendlich immer meine Einzelleistung, die ich bei den Wettkämpfen oder bei Musikwettbewerben oder wo auch immer erbringe, aber dahinter stehen eben ganz, ganz viele Menschen, die mir auf meinem Weg geholfen und mich begleitet haben, ohne die das niemals möglich wäre. Sei es mein Landestrainer und auch Trainer hier zu Hause beim Landesstützpunkt, den wir jetzt seit Anfang 2025 haben, wo ich auch davon fest überzeugt bin, dass dieser mir geholfen hat, nochmal einen so großen Leistungssprung zu machen durch die erhöhten Trainingsmöglichkeiten. Da bin ich also sehr, sehr dankbar für meinen Trainer und diese Möglichkeiten. Sei es natürlich wie gerade schon erwähnt meine Familie, meinen Eltern, die mich bei allem unterstützt haben und mich zu jedem Training früher immer hingefahren haben. Sei es meinen Freunden, sei es meinen Schulkameraden, die mir, wenn ich in der Schulzeit im Trainingslager bin, die Unterlagen zur Verfügung stellen und mir sagen, was passiert ist, damit ich auch den Schulstoff nachholen kann. Sei es Leute wie Peter, Moritz, die mir hier helfen, diese Botschaften hinauszukriegen und diese Läufe organisieren, die überhaupt erst Nachwuchs und Sport in Lübeck fördern, durch den ich ja auch erst ja hierher gekommen bin. Oder natürlich alle Leute, die mir geholfen haben, auch durch Unterstützung diesen Sport, der ja auch ein sehr kostenintensiver Sport ist, muss man natürlich auch so sagen, irgendwie auszuüben. Ja, da bin ich einfach sehr dankbar für und das sollte man auf jeden Fall wissen und man sollte nicht nur mich sehen.

HL-SPORTS:  Vielen Dank für das Interview.

Start- und Staffelplätze für den Stadtwerke Lübeck Marathon gewinnen!

Für den Stadtwerke Lübeck Marathon am 18. Oktober dieses Jahres verlosen HL-SPORTS und RADIO LÜBECK Start- und Staffelplätze. Der Lübecker Regionalsender wird mit einer eigenen Staffel dabei sein und gibt nun zehn Läuferinnen und Läufern die Chance sein Trikot überzuziehen und 4,2 Kilometer zu bewältigen. Wer also dabei sein möchte, der schreibt mit dem Stichwort „Staffel“ eine WhatsApp auf die Telefonnummer 0800 885 800. Und wer einfach einen Startplatz für einen der anderen Wettbewerbe gewinnen will, schreibt „Marathon“.

Was interessiert euch im regionalen Sport am meisten?

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