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Barmenia Roland Kahl

Timmendorfer Strand – Es war ein reichlich gebrauchter Abend für den EHC Timmendorfer Strand am gestrigen Freitag. Denn der Oberligist legte einen seltsam blutleeren Auftritt hin und unterlag den keinesfalls grandios aufspielenden Hannover Indians mit 1:4 (0:3, 0:0, 1:1). Der guten Stimmung unter den 589 Zuschauern konnte das allerdings keinen Abbruch tun. Jedoch sorgte Routinier Moritz Meyer für einige Missstimmung bei den Timmendorfer Anhängern und auch bei Trainer Dave Rich.

Der Ältere der beiden Meyer-Brüder wurde am Freitag 30 Jahre alt und hatte sich für das Spiel gegen Hannover bei Rich abgemeldet. Dieser war von einer beruflichen Verhinderung ausgegangen, doch Meyer feierte im, dem ETC angeschlossenen, Tennisbistro seinen Geburtstag – parallel zum Spiel der Beach Boys. Dabei wurde er von Fans gesehen, die dieses Verhalten in Sprechchören entsprechend kommentierten. Als Rich auf der Pressekonferenz darauf angesprochen wurde, gab sich der 47-Jährige zugeknöpft und verwies darauf, dass diese Sache zwischen Vorstand und Spieler besprochen werden müsse. Sein Unmut und sein Ärger waren ihm allerdings anzusehen, so dass das letzte Wort zu diesem Thema wohl noch nicht gesprochen ist.

Dass seine Mannschaft dann auch noch einen ganz schwachen Auftritt hinlegte, passt dann irgendwie dazu. Im ersten Drittel waren die Beach Boys optisch überlegen, doch das Indians-Tor wurde nicht einmal ernsthaft in Gefahr gebracht. Die Hannoveraner brannten zwar kein Eishockey-Feuerwerk ab, zeigten sich dafür sehr effektiv und nutzten die Fehler der Beach Boys knallhart aus. Routinier Carsten Gosdeck mit einem Doppelpack (9./17.) und Yannik Baier (20.) machten aus vier Chancen ein 3:0 für die Indians.

Auch im zweiten Drittel bekamen die Beach Boys offensiv kaum etwas zu Stande. Bezeichnend: fünf Überzahlspiele wurden nicht genutzt, es wurde nur selten gefährlich vor dem Tor. Vor allem suchten die Beach Boys nicht mal den Abschluss, wie eine Szene aus der 25. Minute verdeutlicht. Maximilian Spöttel hatte eigentlich freie Schussbahn, doch anstatt es zu probieren, legte er die Scheibe viel zu ungenau nochmal ab – die bis dato beste Chance vertan. Die Indianer taten nur das Nötigste, wurden bei Kontern aber immer wieder gefährlich. Einzig der junge Torhüter Leon Hungerecker verhinderte einen noch deutlicheren Rückstand.

Allerdings ließ sich der 18-Jährige von den Fehlern seiner Vorderleute anstecken. Das vierte Gegentor muss Hungerecker auf seine Kappe nehmen. Aus ganz spitzem Winkel traf Branislav Pohanka durch die Beine zum 4:0 (48.). Bei den Timmendorfer Fans machte sich allmählich Galgenhumor breit. Sie feierten sich und die Indians-Fans im Wechselgesang. So ging der Timmendorfer Ehrentreffer durch Spöttel (57.) fast komplett unter.

Beide Fanlager zeigten übrigens nicht nur mit den Fangesängen eindrucksvoll, was den Eishockeysport ausmacht. Vor Spielbeginn hielten die mitgereisten Indianer ein Spruchband zur Rettung der Timmendorfer Eishalle hoch, die Timmendorfer Fans revanchierten sich gegen Ende das Drittels mit Genesungswünschen für den an Krebs erkrankten Indians-Coach Fred Carroll. Im Trubel um die schwache Timmendorfer Leistung und den Geburtstagsärger um Moritz Meyer ging dies aber fast schon wieder unter…

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