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Barmenia Roland Kahl

Timmendorfer Strand – Am 26. Februar 2017 soll es soweit sein. Dann entscheiden die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Timmendorfer Strand darüber, ob die Heimstatt des EHC Timmendorfer Strand und der Tennisabteilung des NTSV Strand 08, das Eissport- und Tenniscentrum, erhalten bleibt. Knackpunkt dabei sind die kolportierten Baukosten in Höhe von 6,8 Millionen Euro. Bisher ging man davon aus, dass auch die Gemeinde mit Bürgermeisterin Hatice Kara an der Spitze die Halle erhalten will, doch ein Brief an die Kinder und Jugendlichen in Timmendorfer Strand und Gespräche mit einem Investor hinterlassen den Eindruck, dass dies nicht (mehr) der Fall ist. Spielt die Politik also ein falsches Spiel?

„Wir haben vorsorglich, falls der Bürgerentscheid sehr positiv ausgeht, auch schon den ersten Bauabschnitt mit 3,5 Millionen Euro im Haushalt drin“, sagte die Bürgermeisterin vor rund zwei Wochen bei SAT.1. Gegenüber dem Radiosender R.SH erklärte Kara: „Wir haben dann eine Entscheidung, das ist für uns wichtig. Ob hop oder top, ich brauche eine Entscheidung! So oder so, es ist letztendlich die Entscheidung des Einzelnen.“ Aussagen, die eigentlich erkennen lassen, dass zumindest die höchste Repräsentantin der Gemeinde hinter einer positiven Entscheidung der Timmendorfer Bürger steht.

Doch unter der Woche tauchte ein Schreiben auf, der an die Kinder- und Jugendlichen in der Gemeinde adressiert war. Gemeinsam mit einem Anschreiben von Bürgermeisterin Kara wurde ein Info-Zettel (im Wortlaut siehe Bilder unten) verteilt, in dem die sechs bis 16-Jährigen über ihre Mitbestimmungsmöglichkeiten informiert werden. Wobei „informieren“ sehr vorsichtig zu sehen ist, denn viele Informationen werden den Kindern vorenthalten. Unabhängig von der nicht immer kindgerechten Wortwahl, hier sei der Unterschied Netto und Brutto erwähnt, werden einige Folgen verschwiegen.

Der Fakt, dass etwa 500 Kinder und Jugendliche ihre sportliche Heimat, egal ob beim Eishockey oder im Winter beim Tennis, verlieren, wird ebenso nicht erwähnt, wie die Tatsache, dass bei der Jugend beliebte Aktivitäten wie die Eisdisco nicht mehr möglich sein werden. Auch die eingangs erwähnte, bereits getätigte Rückstellung von Geld im Haushalt, wird mit keinem Wort angesprochen. Dafür wird darauf eingegangen, dass die Sanierung, hier sind mittlerweile 8,3 Millionen Euro veranschlagt, und auch der Betrieb des ETC viel Geld kostet. Fakten, die für sich genommen richtig sind, aber im Grunde den gleichen Stellenwert haben sollten, wie die nicht-genannten Argumente.

Parallel dazu soll von Politikern und Gemeindevertretern versucht worden sein, Vereine gegeneinander auszuspielen. So sollen Ratsmitglieder bei einem Spiel von Fußball-SH-Ligist NTSV Strand 08 dort anwesenden Vereinsvertretern mitgeteilt haben, dass bereits genehmigte Investitionen an der Strand-Arena bei einem positiven Bürgerentscheid zurückgehalten werden. Beim EHCT weiß man um dieses „Vorgehen“ und ist entsprechend verstimmt, äußern wollte man sich dazu aber nicht.

Ein neuer Hammer kommt aber noch. Nach HL-SPORTS Informationen sollen sich Gemeindevertreter mit einer Investorengruppe getroffen haben, um das ETC wieder zu privatisieren. Allerdings nicht als reine Eissport- oder Mehrzweckhalle, sondern als Hotel mit angeschlossener Eisbahn. Dazu will diese Gruppe, zu der mutmaßlich auch die deutsche Eishockey-Legende Dieter Hegen gehören soll, einen zweistelligen Millionenbetrag in die Hand nehmen. Sollte sich die Gemeinde für diesen Weg entscheiden, wäre dies ebenfalls das Ende für den Eishockey- und für den winterlichen Trainingssport in Timmendorfer Strand.

Es bleibt also die Frage vom Anfang: spielt die Politik ein falsches Spiel? Der Eindruck verhärtet sich auf jeden Fall und die Zeit rennt so langsam davon. Es bleibt zu hoffen, dass die Bürgerinnen und Bürger am 26. Februar 2017 eine richtige Entscheidung zu Gunsten des Sports treffen.

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