Foto: Ralf Kuckuck DBS/NPC Germany
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OH-Aktuell

Timmendorfer Strand – Auch in diesem Jahr hat der Timmendorfer Eissportverein beim Kids-on Ice-Day alle Kinder herzlich dazu eingeladen, zum kostenfreien Schlittschuhlaufen zu kommen. Am Sonnabend (1.2.) ab 10 Uhr öffnet der Verein die Tore zum Eis für alle Kinder ab drei Jahren. Eishockey-Trainer vermitteln Tipps und Tricks zum Fahren und Bremsen. Leih-Ausrüstung steht in begrenztem Maße zur Verfügung, wer hat, kann aber gerne einen Fahrradhelm, Schoner und Handschuhe mitbringen. Der Eintritt ist frei.

„In diesem Jahr sind wir jedoch besonders stolz auf unsere Veranstaltung“, so die zweite Vorsitzende Katrin Werling: „Wir schlagen gerne neue Wege ein und ermöglichen allen Interessierten Neues auf dem Eis auszuprobieren. So stellen wir dieses Mal beim Kids-on-Ice-Day die Sportart Para-Eishockey vor.“

Beim Para-Eishockey wird sitzend in einem Schlitten Eishockey gespielt. Der Paraeishockey- Nationalspieler Jacob Wolff kommt ins ETC nach Timmendorfer Strand und präsentiert die zunehmend bekannter werdende Sportart. Es wird auch die Möglichkeit geben, den Schlitten zu erproben und erste Versuche mit diesem auf dem Eis zu machen. „Und dies ist eine ganz schöne Herausforderung, macht aber wahnsinnig viel Spaß.“, weiß Imme Zysk, Schatzmeisterin des Vereins. Sie stand im November 2019 als Volunteer bei der Weltmeisterschaft im Para-Eishockey in Berlin an der Bande und unterstütze den Sport. „Ich bin überzeugt von dem Nutzen dieser Sportart für unsere Kinder und möchte sie unbedingt auch im Norden etablieren“, so die Pädagogin.

Para-Eishokey ist vielen eher als Sledge-Hockey bekannt: „Das ist eine schnelle, taktische und körperbetonte Sportart, die alles mitbringt. Da ist richtig Tempo drin“, sagt Nationalspieler Lucas Sklorz. Teamkollege Ingo Kuhli-Lauenstein ergänzt: „Der Sport ist absolut faszinierend, es macht unglaublich viel Spaß.“ Der Ursprung von Para-Eishockey liegt in Schweden. Dort entwickelten zwei Freunde, die aufgrund von körperlichen Beeinträchtigungen die Schlittschuhe an den Nagel hängen mussten, einen U-förmigen Rahmen aus Metall mit zwei Kufen darunter. Zur Fortbewegung wurden zwei Schläger benutzt, an deren Ende sich Spikes befanden – das war die Geburtsstunde von Para-Eishockey.

Die Regeln des Spieles sind die gleichen wie im regulären Eishockey. Ebenfalls wird die reguläre Eishockey-Schutzausrüstung getragen. Unterschiede gibt es in der Art der Fortbewegung. Statt auf Schlittschuhen zu stehen sitzen die Spieler auf einer Art Schlitten, der eine lange Kufe besitzt. Zur Beschleunigung nutzen die Spieler zwei kurze Schläger, die am Ende mit Spikes besetzt sind.

In Deutschland gibt es seit dem Jahr 2000 ein Ligabetrieb. Eine Kindermannschaft gibt es deutschlandweit bisher nicht. „Und das kann nicht sein“, findet Imme Zysk, die sich für den Aufbau einer integrativen Kindermannschaft in Schleswig-Holstein verantwortlich sieht. „Gerade für beeinträchtige Kinder ist dieser Sport von so großer Bedeutung! Gehbehinderte Kinder erleben es häufig, dass von oben nach unten – von stehender zur sitzenden Person – mit ihnen kommuniziert wird. Im Para-Eishockey sitzen alle Spieler – Kommunikation auf Augenhöhe ist gewährleistet. Zudem ist für Außenstehende der Unterschied zwischen beeinträchtigten und nichtbeeinträchtigten Kindern in der Regel nicht auszumachen – die Spieler agieren und erleben sich als absolut gleichberechtigt.

Kinder mit Beeinträchtigungen werden häufig „vorsichtiger“ behandelt als andere Kinder aus ihrer Peergroup. Para-Eishockey hingegen ist ein körperlicher Sport, bei dem keiner „in Watte“ gepackt werden kann. Para-Eishockey ist ein schneller, taktischer Mannschaftsport, der bei allen Spielern stark das Gemeinschaftsgefühl stärkt. Nur als Team kann erfolgreich gespielt werden.“

All diese Gründe lassen für den Timmendorfer Eissportverein nur eine Schlussfolgerung zu: Para-Eishockey muss auch bei uns im Norden Einzug halten! „Einen Beginn machen wir mit dieser Veranstaltung und hoffen auf viele neugierige Besucher, die uns vielleicht sogar auf unserem Weg unterstützen möchten“, schließt Imme Zysk. „Denn Para-Eishockey, das ist Sport auf Augenhöhe. Und davon brauchen wir noch viel mehr!“

(PM/kbi)