„Der schönste Sport, den es gibt“ – Dorothee und Tobias Philipp über Leidenschaft, Organisation und die Stars von morgen in Lübeck

Hockey-Paar im Interview bei RADIO LÜBECK

Dorothee und Tobias Philipp bei RADIO LÜBECK. Foto: RADIO LÜBECK/oH

Wenn am kommenden Wochenende die besten U16-Hockeyteams Deutschlands in der Lübecker Hansehalle um den Titel spielen, ist das für Dorothee und Tobias Philipp weit mehr als nur ein Turnier. Es ist Herzensangelegenheit, Familiengeschichte – und organisatorische Herausforderung zugleich.

Dorothee Philipp steht für die Finanzen der Veranstaltung gerade. Mit dem Hockey verbunden ist sie seit Ende der 70er-Jahre. „Ich habe als Kind vieles ausprobiert – Schwimmen, Turnen, alles Mögliche. Es war auch alles gut, aber nie das Richtige“, erinnert sie sich. Dann habe ihre Mutter eines Tages gesagt: „Jetzt habe ich das Richtige gefunden – wir gehen zum Hockey.“

Der erste Trainingstag ist bis heute präsent: „Ich bekam einen Schläger in die Hand gedrückt, sollte einfach mit dem Ball laufen – und wusste sofort: Das ist mein Ding.“ Seitdem sei Hockey für sie „der schönste Sport, den es gibt“.

Ihr Mann Tobias, genannt Tube, kam etwas später dazu – mit 14 Jahren über die Schule. Mitschüler vom Katharineum nahmen ihn mit zum Training beim Phönix. „Seitdem bin ich geblieben“, sagt er. Über 40 Jahre Engagement folgten – als Trainer, Schiedsrichter, Vorstandsmitglied und Abteilungsleiter. Heute beschreibt er sich augenzwinkernd vor allem als „Hockeyvater und Begleiter der Abteilung“.

Warum Hockey anders ist

Was beide besonders hervorheben, ist der familiäre Charakter des Sports.

„Hockey ist kleiner als Fußball oder Handball“, sagt Dorothee Philipp. „Man reist schon als Kind durch ganz Deutschland, lernt früh viele Menschen kennen.“ Früher habe man bei Turnieren oft bei Gastfamilien übernachtet – nicht im Hotel. „Das schafft Nähe. Und bis heute ist es selbstverständlich, dass man Unterkünfte organisiert, wenn Mannschaften kommen.“

Auch Tobias Philipp sieht darin einen entscheidenden Unterschied: „Viele Freundschaften aus der Jugend bestehen noch heute. Das ist das Wertvollste an diesem Sport.“

Selbst das Üben zu Hause gehört dazu – zumindest eingeschränkt. „Mit Ball, Schläger, einem Garten und verständnisvollen Nachbarn geht das“, sagt er schmunzelnd. „Aber im Wohnzimmer mit wertvollen Vasen sollte man es lieber lassen.“

Hockey-Familie bis in die Bundesliga

Die Leidenschaft endet nicht bei der eigenen Generation. Ein Sohn spielt inzwischen Bundesliga, der andere ist Trainer.

„Wir fiebern genauso mit wie früher“, sagt Dorothee Philipp. Tipps gebe es auch noch – „mal werden sie dankbar angenommen, mal weniger“.

Tobias Philipp ergänzt: „Man verfolgt nicht nur die eigenen Kinder, sondern auch viele, die man früher trainiert hat. Zu sehen, welchen Weg sie gehen – Bundesliga, zweite Liga oder Ausland – das ist etwas Besonderes.“ Genau dieses langfristige Begleiten mache den familiären Charakter des Hockeys aus.

Viel mehr als nur Hallenmiete

Die Organisation einer Deutschen Meisterschaft ist dabei alles andere als ein Selbstläufer.

„Natürlich denkt man zuerst an die Hallenmiete – die Hansehalle bekommt man nicht umsonst“, sagt Dorothee Philipp. „Aber es ist vor allem der Kleinkram, der sich summiert.“

Streaming-Technik, Spielbälle, Transport von Banden und Toren, Fahrzeuge, Ausstattung für die vielen ehrenamtlichen Helfer – jede Woche komme bei den Planungstreffen noch etwas hinzu. „Das läppert sich.“

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Bei der Sponsorensuche habe man jedoch viel positive Resonanz erfahren. Unterstützt wird das Turnier unter anderem von der Universität, der Technischen Hochschule sowie mehreren Lübecker Unternehmen und dem langjährigen Hauptsponsor des Vereins. „Inzwischen sind wir finanziell gut aufgestellt“, so Philipp.

Bedeutung für Lübeck

Für den LBV Phönix ist es bereits die achte Deutsche Meisterschaft als Ausrichter. Tobias Philipp erinnert sich noch gut an seine eigene Jugend: „Ende der 80er habe ich hier selbst zwei Endrunden gespielt – vor 600 oder 800 Zuschauern. Das war ein Riesenerlebnis.“

Auch wenn aktuell keine Lübecker Mannschaft im Teilnehmerfeld steht, sei die Ausrichtung enorm wichtig. „Wir wollen Spielern, Trainern und Eltern optimale Bedingungen bieten. Und durch Livestreams bekommt das Ganze eine große Reichweite. Das ist für den Hockey-Standort Lübeck sehr wertvoll.“

Dorothee Philipp betont vor allem den Effekt für den eigenen Nachwuchs: „Viele unserer Teams spielen in der Oberliga. Dieses absolute Spitzenniveau bekommen sie sonst kaum zu sehen.“ Eine Deutsche Meisterschaft vor der Haustür sei die perfekte Gelegenheit, zu erleben, „wie echtes Top-Hockey in diesem Alter aussieht“.

Die attraktivste Altersklasse

Sportlich erwartet die Zuschauer hochklassiger Nachwuchssport.

„Die U16 ist zwar noch Jugend, aber schon sehr reif“, sagt Dorothee Philipp. „Extrem schnell, technisch stark, taktisch sehr gut ausgebildet.“ Viele Spieler trainierten seit Jahren drei- bis viermal pro Woche. „Das sieht man.“

Tobias Philipp geht noch einen Schritt weiter: „Hier spielen die Topstars von morgen.“ Einige Teilnehmer der U16-DM 2019 seien inzwischen Weltmeister und fester Bestandteil der Pro League mit dem A-Kader. „Das ist Hochleistungssport im Jugendbereich.“

Wer also sehen möchte, was 16- und 17-Jährige heute auf höchstem Niveau leisten können – und vielleicht künftige Nationalspieler live erleben will –, sollte am Wochenende in die Hansehalle kommen.

Wer mehr zu dem Thema erfahren möchte, hat die Möglichkeit bei RADIO LÜBECK einzuschalten. Um 10.15 Uhr wird das Interview ausgestrahlt, um 15.15 Uhr und 19.45 Uhr läuft das Gespräch dann nochmal. Weitere Infos zur DM gibt es ebenfalls dort oder bei HL-SPORTS.

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Bildquellen

  • Phillip: RADIO LÜBECK/oH
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