Zwei Trainer, ein Ziel: Der Sieg bei den Deutschen Meisterschaften – Tomek Laskowski und Leon Arnold freuen sich auf Lübeck

Beide Coaches im Interview bei RADIO LÜBECK

Hockeyspielerin mit Wappen des LBV Phönix auf den Stutzen. Foto: Lobeca/Felix Schlikis

Im Vorfeld der Deutschen Meisterschaften der männlichen U16 im Hockey in Lübeck hat RADIO LÜBECK mit dem Head Coach und Sportlichen Leiter Tomek Laskowski vom Harvestehuder THC (HTHC) sowie mit Leon Arnold, Trainer der Zehlendorfer Wespen, gesprochen.

Der Weg dorthin

Am kommenden Wochenende treten die Mannschaften bei den Deutschen Meisterschaften an. Der Weg dorthin ist anspruchsvoll – auch für einen Verein mit hohen Ambitionen. „Es ist eine große Herausforderung“, betont Laskowski. Gleichzeitig gehöre die Teilnahme an Deutschen Meisterschaften in seiner Jahrgangskonstellation fast schon zur Erwartungshaltung. Seit 2019 war er mit unterschiedlichen Teams regelmäßig auf Bundesebene vertreten. „Für uns ist das fast tägliches Brot – aber trotzdem jedes Mal eine riesige Aufgabe.“

Die Qualifikation beginnt für Berliner Teams mit den Berliner Meisterschaften, führt anschließend über die Ostdeutschen Meisterschaften. „Man muss fairerweise sagen, dass Osthockey im Vergleich zu anderen Regionen vielleicht der etwas leichtere Weg ist“, ordnet Arnold ein. Doch auch dieser Weg müsse erst einmal konsequent gegangen werden. „Man muss sich durch die Wettbewerbe durcharbeiten und konzentriert seine Aufgaben erledigen – das haben wir größtenteils geschafft, wenn auch mit kleineren Umwegen.“

„Talent ist nicht alles“

Was braucht eine Mannschaft, um auf diesem Niveau erfolgreich zu sein? Für den HTHC-Coach steht fest: Qualität entsteht nicht zufällig. „Die Qualität kommt über den Trainingsprozess, über Strukturen im Club, die wir über Jahre aufgebaut haben, und über akribische Arbeit in jedem einzelnen Training.“ Obwohl es sich um Amateursport handelt, sei der Aufwand enorm. Entscheidend seien zudem gute Trainer, funktionierende Strukturen – und die Breite im Kader. „Talent ist nicht alles. Wir arbeiten hart für alles im Training.“

Für Arnold gibt es darauf keine eindimensionale Antwort. „Es gibt unterschiedliche Wege zum Ziel“, erklärt er. Entscheidend sei vor allem die Fähigkeit, mit Rückschlägen umzugehen. Gerade im Hallenformat mit mehreren Gruppenspielen an einem Tag gebe es keine reine K.o.-Struktur. „Man muss lernen, mit Widerständen umzugehen – Rückstände, vielleicht auch strittige Pfiffe – und trotzdem stabil zu bleiben und seine Leistung abzurufen.“ Neben dieser mentalen Stärke brauche es selbstverständlich technisch, taktisch und athletisch gut ausgebildete Spieler, die als Einheit funktionieren. „Am Ende muss alles zusammenpassen.“

Hohe Leistungsdichte

Mit sieben weiteren Top-Teams aus ganz Deutschland ist die Leistungsdichte hoch. Ob es klare Favoriten gibt? „Das hängt immer vom Jahrgang ab“, sagt Laskowski. Für die aktuelle Konstellation schätzt er das Feld als besonders ausgeglichen ein. Auch wenn die Lübecker Nachrichten den HTHC als Favoriten sehen, bleibt er vorsichtig: „Erst muss man spielen. Bei so einem Turnier kann alles passieren – Verletzungen, Krankheiten, ein schlechter Start.“

Auch Arnold erwartet ein äußerst ausgeglichenes Teilnehmerfeld. Einige der Mannschaften habe man im Saisonverlauf bereits gesehen. „Mein Eindruck ist, dass alle Teams sehr nah beieinander sind.“ Viele Spiele würden sich durch Kleinigkeiten entscheiden – Tagesform, Spielglück oder einzelne Szenen könnten den Ausschlag geben. „Ich erwarte ein sehr enges Wochenende.“

Hinzu kommt die enorme Belastung: Am Samstag stehen drei Gruppenspiele auf dem Programm. „Die Intensität ist sehr hoch“, erklärt Laskowski. Anders als in anderen Sportarten, in denen meist nur ein Spiel pro Tag absolviert wird, seien die Begegnungen im Hockey eng getaktet. Gespielt wird zweimal 15 Minuten – doch das Tempo ist enorm. Wer sich für das Halbfinale qualifiziert, steht am nächsten Morgen früh wieder auf dem Platz. „So ein Halbfinale muss man erst einmal spielen und gewinnen. Da muss am Wochenende alles passen.“

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Vorfreude auf Lübeck

Ein Vorteil könnte die vergleichsweise kurze Anreise sein. Statt langer Flugreisen wie im Vorjahr geht es diesmal nur von Hamburg nach Lübeck. „Das ist natürlich viel angenehmer – weniger Strapazen, weniger Kosten, bessere Vorbereitung.“ Zudem verbindet Laskowski persönliche Erinnerungen mit dem Austragungsort: 2019 war er bereits mit einer U16-Mannschaft des HTHC in Lübeck bei Deutschen Meisterschaften – damals wurde sein Team Achter. „Ich habe diese negativen Erinnerungen in positive Motivation umgewandelt“, sagt er mit einem Lächeln. „Jetzt freue ich mich, wieder dort zu sein und es besser zu machen.“ Die Vorfreude auf das Turnier ist groß – ebenso wie die Entschlossenheit, diesmal den letzten Schritt zu gehen.

Die Vorfreude auf Lübeck ist auch bei den Berlinern trotz etwas längerer Anreise groß. Die Stadt sei vielen aus dem traditionsreichen Marzipantortenturnier bekannt, an dem regelmäßig Jugendteams teilnehmen. „Lübeck ist eine wunderschöne Stadt“, sagt Arnold. Besonders schätzt er Turniere, die aus echter Vereinsinitiative heraus organisiert werden. „Wenn Vereine so eine Deutsche Meisterschaft mit Herzblut und Leidenschaft ausrichten, entsteht meist eine großartige Veranstaltung für alle Beteiligten.“

Entwicklungspotenzial im Hockey

Mit Blick auf den Nachwuchshockeysport in Berlin sieht Arnold eine solide Basis – aber auch Entwicklungspotenzial. „Berlin-Hockey ist ordentlich aufgestellt, könnte aber noch besser sein“, sagt er. Ein Blick auf die Teilnehmerfelder zeige, dass der Norden zahlenmäßig stärker vertreten sei. Der größte Hebel liege aus seiner Sicht darin, mehr Kinder für Hockey zu begeistern. „Mehr Kinder bedeuten automatisch auch mehr potenziell talentierte Spieler.“ Besonders in den älteren Jahrgängen nehme die Zahl der Aktiven spürbar ab. Hier sieht er das größte Verbesserungspotenzial: „Wir brauchen im älteren Jugendbereich genügend Mannschaften, die sich auf hohem Niveau miteinander messen.“

Ein wesentlicher Faktor sei dabei die Konkurrenz anderer Sportarten in der Hauptstadt. Berlin verfüge über zahlreiche Bundesligavereine mit professionellen Nachwuchsstrukturen – etwa im Basketball oder in anderen populären Sportarten. Diese seien früh in Schulen präsent und medial stark sichtbar. „Das ist für Hockey eine Herausforderung“, so Arnold. Dennoch betont er, dass Hockey auch in Berlin ein beliebter und traditionsreicher Sport sei – wenn auch nicht ganz so flächendeckend verankert wie etwa in Hamburg.

„Natürlich fahren wir hin, um zu gewinnen“

Die vergangenen Jahre verliefen für die Hamburger sportlich äußerst erfolgreich, wenn auch mit knapp verpasstem Titelgewinn. In der Halle wurde die Mannschaft des HTHC im Vorjahr Zweiter, verlor das Finale erst im Penaltyschießen. Auf dem Feld stand man ebenfalls im Endspiel, unterlag dort knapp mit 0:1 gegen Mülheim. „Zweimal Zweiter – jetzt wollen wir einmal ganz oben ankommen“, formuliert Laskowski das klare Ziel.

Sportlich ist das Ziel auch beim Trainer der Wespen klar: „Natürlich fahren wir hin, um zu gewinnen – sonst würden wir den Aufwand nicht betreiben.“ Gleichzeitig geht es Arnold um mehr als nur das Ergebnis. Wichtig sei, dass die Mannschaft unabhängig vom sportlichen Ausgang mit Freude, Zusammenhalt und positiven Erlebnissen nach Hause fährt. „Wenn wir füreinander einstehen und als Team funktionieren, haben wir auch die Möglichkeit, um Großes mitzuspielen.“ Am liebsten würde er den Samstag erfolgreich überstehen und um die Finalplätze kämpfen. „Das hätte ich schon gerne im Gepäck.“

Wer mehr zu dem Thema erfahren möchte, hat die Möglichkeit bei RADIO LÜBECK einzuschalten. Um 10.15 Uhr wird das Interview ausgestrahlt, um 14.15 Uhr und 20.45 Uhr läuft das Gespräch dann nochmal. Weitere Infos zur DM gibt es ebenfalls dort oder bei HL-SPORTS.

Bildquellen

  • Hockey: Lobeca/Felix Schlikis
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