Einigen Spielern scheint der Queue bereits in die Wiege gelegt worden zu sein, anders lassen sich ihre legendären Erfolgsserien kaum erklären. Sie zeichnen sich nicht nur durch häufige Turniersiege und eine hohe Positionierung in der Weltrangliste aus, sondern bringen es auch auf eine enorme Anzahl von einzigartigen Century Breaks und brillieren durch einzigartige Charakterzüge, die die Snookerlandschaft nachhaltig prägten. Drei der bekanntesten Ausnahmetalente nehmen wir hier genauer unter die Lupe.
 
1. Ronnie O’Sullivan – The Rocket
Wer sich mit den wahren Größen des Snookerspiels beschäftigt, der kommt an dem 1975 geborenen Briten Ronnie O’Sullivan garantiert nicht vorbei. Er nähert sich aktuell dem 800. Century Break seiner Karriere – ein absoluter Rekord – dem sich nur sein Kollege Stephen Hendry anzunähern vermochte. Die Snooker-Weltmeisterschaften entschied O‘Sullivan zwischen 2001 und 2013 ganze fünf Mal für sich und eroberte damit über mehrere Perioden hinweg den ersten Platz der Weltrangliste.

Durch manche Spiele rast «The Rocket» dabei im wahrsten Sinne des Wortes wie eine Rakete, daher stammt natürlich auch sein Spitzname. Zu Beginn der 90er Jahre, als seine Profikarriere gerade richtig Fahrt aufnahm, besiegte er seinen Gegner Jason Curtis in etwas mehr als 43 Minuten mit einem glatten 5:0; diese Abfertigung blieb im Gedächtnis der Snooker-Fans haften und prägte den Spitznamen. Heute bringt es Ronnie O’Sullivan auf 13 Maximum Breaks im Rahmen der Main Tour und gilt nicht ohne Grund bei vielen Kennern als der weltbeste aktive Snooker-Spieler. Sein besonderes Talent: Er benötigt als Rechtshänder keinen Hilfsqueue, wenn er den Ball mit links anspielen muss, sondern wechselt den Stock einfach von einer Hand in die andere und beweist auch mit der vermeintlich schwächeren Hand Zielgenauigkeit sowie Präzision.
 
O’Sullivan gilt trotz allem aber auch als unkonventioneller Spieler. Beim WM-Auftakt 2015 beispielsweise plagten ihn seine Schuhe, darum zog er sie kurzerhand aus und spielte, die strenge Kleiderordnung schlichtweg komplett ignorierend, in Socken weiter. Vielleicht wird sein neuer Spitzname nun den alten verdrängen, denn «The Socket» klingt schließlich auch nicht schlecht. Wie auch immer: Die jüngeren Spieler holen inzwischen ganz gut auf und wiesen «The Rocket» schon einige Male in seine Schranken. Legendär ist dabei das Masters Finale aus dem Jahre 2010. Das damals noch in der Wembley Arena ausgetragene Spitzenturnier wurde überschattet von der Sponsorensuche, da noch im Vorjahr ohne finanzielle Unterstützung gespielt wurde. Letztlich konnte mit dem Online Games Anbieter PokerStars ein würdiger Sponsor akquiriert werden und im Finale standen sich «The Rocket» und Mark Selby gegenüber. Bei der Neuauflage des Masters-Finale des Vorjahres hatte dieses Mal mit 10:9 denkbar knapp Selby die Nase vorn und konnte sich den prestigeträchtigen Titel erspielen; Ronnie O’Sullivan musste sich schlichtweg dem Landsmann geschlagen geben.

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2. Mark Selby – Mark the Shark
Der Brite Mark Selby, auch bekannt als «The Jester from Leicester», gewann im Jahre 2014 den Weltmeistertitel im Snooker. Ronnie O’Sullivan hatte nach seiner Niederlage im Jahr 2010 auch dieses Mal wieder knapp das Nachsehen und belegte damit den zweiten Platz. Und das, obwohl «The Rocket» zuvor niemals ein WM-Endspiel verloren hatte! Seitdem führt Selby die Weltrangliste der Snooker-Spieler an: ein stets adrett gekleideter, emotionaler und junger Mann, der seinen Champions Titel dem an Krebs verstorbenen Vater widmete.

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Bekannt ist Selby vor allem jedoch für seine ausgeprägte Kämpfernatur, die er auch bei der besagten Weltmeisterschaft wieder zur Show stellte – aus diesem Grund wird er von Fans auch «The Shark» genannt. Seine Vorgeschichte untermalt die kämpferischen Qualitäten dieses Spielers: bereits 2005 und 2006 erreichte er die Endrunde der WM, 2007 zog er als ungesetzter Spieler tatsächlich sogar in das Finale ein. Ungewöhnlich genug, denn vor ihm gelang dieser Coup nur zwei weiteren Spielern. Allerdings legte er am ersten Finaltag einen Fehlstart hin und geriet in einen schier aussichtslosen 4:12 Rückstand. Doch Mark Selby raffte sich wieder auf und holte seinen Gegner John Higgins beinahe noch ein – aber eben nur beinahe glückte die Sensation! Dieses WM-Highlight bleibt trotzdem ein bemerkenswertes Ereignis im Leben des jungen Spielers, das seine kämpferischen Qualitäten perfekt untermauert.
 
Die Saison 2007 / 2008 schloss Mark Selby als Elfter der offiziellen Weltrangliste ab. Nach dem Einzug in das Halbfinale der UK Championship 2007, sicherte er sich in der vorläufigen Weltrangliste, dem Provisional Ranking, sogar den fünften Platz.
 
Heute gehört der Hai zu den neun Snooker-Spielern, die die drei wichtigsten Turniere mindestens einmal gewonnen haben: die Weltmeisterschaft, das Masters und die UK Championship. 2015 schaffte er es allerdings nur bis ins Achtelfinale der WM und konnte seinen Titel nicht verteidigen. Mark Selby hat jedoch weiterhin viel zu bieten und wird garantiert in den nächsten Jahren noch viel von sich hören lassen! Gesponsert wird Selby auch dieses Jahr wieder von Sport Mobile.
 
3. Stephen Hendry – The Golden Boy
Obwohl Goldjunge Stephen Hendry seine Snooker-Karriere im Jahr 2012 offiziell beendete, gehört er fraglos auf die Liste der besten Snooker-Spieler aller Zeiten. Der 1969 geborene Schotte geizte nicht mit Siegen; er gewann mit Abstand die meisten relevanten Ranglistenspiele. Gerade mal 18 Jahre alt geworden, gelang es ihm bereits beim Snooker Grand Prix der jüngste Ranglistenturniersieger aller Zeiten zu werden. Wenig später nahm ihm Ronnie O’Sullivan jedoch diesen Rekord allerdings wieder ab. Die 90er Jahre standen trotzdem ganz im Zeichen des Golden Boys, der sieben Jahre lang die Weltrangliste anführte und weitere sieben Mal die Weltmeisterschaften für sich entschied. Bereits im Jahre 1990 begann diese einmalige Siegesserie mit dem ersten Weltmeistertitel, den Hendry mit 21 Jahren für sich beanspruchte, als jüngster Weltmeister überhaupt.

Im Jahr 2006 schaffte er es nach einigen weniger erfolgreichen Jahren noch einmal auf den Spitzenplatz der Weltrangliste, danach erzielte er weitere, allerdings nicht ganz so aufsehenerregende Erfolge. Einige von Hendrys typischen Spielzügen wurden mittlerweile zum Snooker-Standard. Zu seinen Sponsoren gehörten der Queue-Fabrikant Riley und der Luxusuhrenhersteller Omega in der Schweiz. Auch die Klebstofffirma Bostik nahm ihn unter Vertrag. Ein begehrter Mann also, von dessen Spiel die aktiven Snooker-Player sicher noch viel lernen können.

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