Der Titel unseres Blogs lautet: Meine EM. Müsste ich ein Zwischenfazit ziehen, würde ich sie als die EM der späten Tore bezeichnen. Auf der einen Seite hat es einen gewissen Charme, denn die Emotionen, die durch einen späten Treffer freigesetzt werden, stellen die nach anderen Treffern doch deutlich in den Schatten. Auf der anderen Seite bedeutet es, bis auf wenige Ausnahmen, dass ein Großteil der 90 Minuten simples Hin- und Her-Geschiebe des Balles in den eigenen Reihen ist. Auf der Suche nach Gründen kam ich zu dem Ergebnis, dass man das Phänomen bereits in der Bundesliga beobachten kann.

Die Aufstockung von 16  auf nun 24  Teams bei der EM brachte sicherlich viele positive Aspekte mit sich. Mehr Spiele, mehr Kulturen, mehr alles. Aber leider auch mehr David gegen Goliath. Dies ist nun nicht falsch zu verstehen. Wenn ich einen Underdog-Erfolg, wie den Punktgewinn von Island gegen Portugal sehe, dann freue ich mich natürlich für die Isländer. Aber der Fußballfan in mir möchte, wenn möglich, über 90 Minuten unterhalten werden. Derweil gleichen die meisten Spiele jedoch denen des FC Bayern. Ballbesitz, viele kurze Pässe, im Stile einer Handballmannschaft um den Strafraum herumspielen, um eventuell mal eine Lücke zu finden. Denn die „Kleinen“ des Fußballs spielen hauptsächlich eine Mixtur aus Kick and Rush und Mauertaktik in der Defensive. Nun sorgten schon Bundesliga-Spiele des FC Bayern für einige Mittagsschläfchen am Samstag-Nachmittag. So geht es mir auch jetzt. Die EM ist im Großteil nicht mehr so brillant, gar so elitär, wie zuvor. Bei den Spaniern, den Portugiesen und auch den Polen durfte man zuletzt miterleben, wie lange die Spannung des Spieles nicht durch einen offenen Schlagabtausch, sondern wütendes Anrennen der Favoriten geprägt war.

Dann kommen die Momente, die auch den Fan in mir befriedigen, der 80 Minuten lang sträflich vernachlässigt wurde. Die sogenannten Lucky Punches. Frankreich machte es gestern vor. Mit erdrückenden 60 Prozent Ballbesitz rannten die Blauen bis zur 90. Minute erfolglos gegen die albanische Betonwand an. Dann kam eine Flanke, von dem ansonsten recht blass gebliebenen Rami und Griezmann hatte wenig Mühe, den Ball ins Tor zu köpfen, Payet besorgte sechs Minuten später per Solo sogar noch das zweite Tor für die Franzosen. Diese Momente sind toll, aber ich würde natürlich gerne mehr von solchen Fußballschlachten wie Deutschland gegen die Ukraine oder Belgien gegen Italien sehen, die uns diesen Sport wirklich lieben lassen.

Des Weiteren gab es dann noch eine eher mäßige Partie zwischen Rumänien und der Schweiz, die 1:1 endete. Der Tag startete mit meinem persönlichen Highlight des gestrigen Tages: Russland gegen die Slowakei. Nicht nur, dass die Slowaken zwei wunderschöne Tore erzielten – die Russen gaben sich in Folge nicht auf. Es war eine offene Partie, die durch den Anschlusstreffer der Russen in der 80. Minute sogar noch einmal richtig Spannung mit sich brachte. Bravo, meine Herren, bitte mehr davon.

Heute gibt es dann zumindest namentlich klangvolle Duelle: England muss um 15 Uhr gegen seinen Nachbarn Wales ran. Es bleibt zu hoffen, dass brüderlich gefeiert wird. Die Ukraine trifft um 18 Uhr auf Nordirland und dann folgt zur Prime-Time um 21 Uhr das Highlight für all die Deutschen Fans. Deutschland muss im vermeintlich schwersten Spiel der Gruppenphase in Paris gegen Polen ran.

Nun ein Thema, von dem wir definitiv nicht mehr viel sehen wollen: Ausschreitungen, Straßenkämpfe und dergleichen. Da wir ebenfalls nicht vorhaben, diesen Chaoten – man sollte sie nicht mit Fans verwechseln – eine Plattform zu bieten, habe ich diesen Blog-Eintrag und das Interview mit Polizei-Nationalspieler Dennis Wehrendt frei von Ausschreitungsberichten und Sicherheitsfragen gehalten.

Dennis Wehrendt sagte im Interview zu HL-SPORTS:

HL-SPORTS: Hallo Dennis, die Europameisterschaft hat begonnen. Wie hast du das erste Spiel erlebt?

Dennis Wehrendt: Ich saß im Auto mit meiner Freundin. Ich habe sie aus Braunschweig abgeholt und wir sind in Richtung Urlaub gefahren. Lediglich die Eröffnungsfeier und die ersten zehn Minuten konnten wir verfolgen.

HL-SPORTS: Dich verbindet etwas mit Jogis Jungs, denn du bist selbst Nationalspieler der Polizei-Auswahl. Wie ist das so, wenn man im Nationaltrikot für sein Land auflaufen darf?

Dennis Wehrendt: Für mich persönlich ist es natürlich eine Ehre, für mein Land auflaufen zu dürfen. Des Weiteren kann ich dort meinen Berufsstand repräsentieren, der mir in meiner Laufbahn schon sehr viele Freiheiten und sehr viel Unterstützung hat zukommen lassen. Ich bin dankbar für so einen Arbeitgeber, denn nur so kann ich den Fußball mit dem Beruf verbinden.

HL-SPORTS: Wie lange spielst du schon in der Nationalmannschaft und was hast du mit dem Team erlebt?

Dennis Wehrendt: Das erste Mal war ich 2008 in der Qualifikation zur Europameisterschaft in Griechenland dabei. Dort haben wir dann den Titel knapp verpasst (Im Finale verloren). Das war mein Anfang und seitdem bin ich ein fester Bestandteil der Mannschaft. 2014 waren wir dann zusammen in Prag und haben den Titel geholt, ein einmaliges Erlebnis.

HL-SPORTS: Was war das schönste Erlebnis?

Dennis Wehrendt: Der Titelgewinn 2014 in Prag. Mit einer menschlich überragenden Mannschaft haben wir nach einem harten Kampf im Finale den Pokal geholt. Es waren tolle und einmalige Eindrücke, die ich nicht vergessen werde.

HL-SPORTS: War auch etwas nicht so toll?

Dennis Wehrendt: Die Zeit mit der Mannschaft ist immer überragend. Es ist eine super Abwechslung zum normalen Alltag und auch dank des sehr guten Trainerteams und der Mannschaft wird es nie langweilig. Negative Erfahrungen habe ich noch nicht gesammelt. Alle wissen, worum es geht und alle teilen die gleiche Leidenschaft und müssen die gleichen Strapazen (Beruf und Fußball) durchmachen. Ich denke, das macht einen großen Teil der guten Stimmung aus.

HL-SPORTS: Wie schätzt du die Chancen der deutschen Mannschaft ein?

Dennis Wehrendt: Die Chancen stehen, trotz einiger Verletzungssorgen, immer noch gut. Wir sind eine Turniermannschaft und können immer um den Titel mitspielen. Dafür haben wir einen super Kader mit Weltklasse-Spielern.

HL-SPORTS: Wie siehst du die beiden folgenden Gegner der deutschen Mannschaft?

Dennis Wehrendt: Polen ist ein sehr starker Gegner, den die Deutschen ordentlich bearbeiten müssen. Nordirland wird eine Außenseiterrolle einnehmen. Wir gehen als Gruppenerster vor den Polen in die nächste Runde und sind auch Donnerstag nach dem Spiel bereits qualifiziert.

HL-SPORTS: Wer ist dein Favorit bei dieser EM?

Dennis Wehrendt: Deutschland, Frankreich und Spanien stehen für mich da an erster Stelle. Ich hoffe aber mal auf ein starkes Turnier von England oder Belgien. Aufgrund meiner Auslandsreise nächste Woche werde ich allerdings sehr wenig Spiele verfolgen können.

HL-SPORTS: Zwei persönliche Fragen noch zum Abschluss. Dein Vertrag beim VfB Lübeck ist noch nicht verlängert. Woran liegt das und wirst du den Verein verlassen?

Dennis Wehrendt: Der VfB und ich sind im ständigen Austausch und es gibt auch bereits mündliche Zusagen (Und das nicht erst seit zwei Wochen). Ich bin somit nach dem Pokalspiel erst einmal in den Urlaub gegangen, wenn ich dann am 19. Juni wieder in Deutschland bin, ist bis zum 30. Juni noch immer genügend Zeit, um eine Unterschrift zu setzen. Der Rahmen steht und ich kenne die Verantwortlichen nicht erst seit gestern, sodass ich mir keine Gedanken mache. Ich bleibe beim VfB und werde weiter an der Entwicklung arbeiten.

HL-SPORTS: Die letzte Frage. Was sind deine persönlichen Ziele?

Dennis Wehrendt: Mein persönliches Ziel ist es, an aller erster Stelle gesund zu bleiben. Ich habe in den letzten drei Jahren über 100 Pflichtspiele für den VfB bestritten und fühle mich sehr gut. Solange ich weiter gesund bleibe, kann ich auch weiter meine Stärken in die Mannschaft und den Verein einbringen und weiter an der Entwicklung mitwirken. Sportlich ist natürlich mein Ziel, diesen Verein wieder in die Dritte Liga zu bringen. Das braucht allerdings Zeit und Unterstützung von außen. Aber ich denke, dass wir da auf einem sehr guten Weg sind.

HL-SPORTS: Danke für das Interview, viel Spaß im Urlaub und alles Gute.

Es besteht übrigens immer noch die Möglichkeit, sich dem HL-SPORTS Tipp-Team beim Mein-Lübeck-Tippspiel anzuschliessen.