Gar nicht so einfach, der guten Freundin darauf eine Antwort zu geben, schreibt sie doch an dem denkwürdigen Abend des 17. Juni: „Da lackiert man sich die Fingernägel zur WM und dann sowas“. Ja, die WM 2018 entwickelt sich mehr und mehr zur Wundertüte – und ausgerechnet der Titelverteidiger steckt mittendrin. Nach dem Auftakt-0:1 gegen Mexiko so richtig tief. Unten! Da braucht man womöglich doch die lackierten Fingernägel der guten Freundin, um an den süßen Kern in der Tüte noch mal heranzukommen.

„Jetzt brauchen wir sechs Punkte, um weiter zu kommen“, rechnete jedenfalls Toni Kroos schon bald nach Spielende vor. Später zeigte sich Joachim Löw „enttäuscht, dass wir das Spiel verloren haben.“ Der Bundestrainer bekannte: „Wir müssen uns den Gegebenheiten stellen und eine Reaktion zeigen.“ Aber das dürfte gar nicht so leicht werden, denn erst am Sonnabend darf „Die Mannschaft“ bei der WM weiterspielen – ausgerechnet gegen die Schweden, die heute (14 Uhr) gegen Südkorea erstmals in das Geschehen in der Gruppe F eingreifen.

Sechs Punkte – um die Kroos-Rechnung zu begleichen, also Siege gegen Schweden und am 27.6. gegen Südkorea. Ja, und dann? Aus der Gruppe E würde der nächste Gegner kommen – und da zeigten Brasilien und die Schweiz am späten Sonntagabend mit dem 1:1, was Löws Team da erwarten könnte. Und da Serbien in dieser Gruppe den Auftakt gegen Costa Rica mit 1:0 für sich entschied, ist noch ein dritter Kandidat im Rennen als möglicher Deutschland-Gegner im Achtelfinale.

Die Titelverteidigung scheint zunächst in weiter Ferne zu liegen für eine DFB-Auswahl, deren DNA offensichtlich entschlüsselt ist – gerade mal 2:1 im Test gegen Saudi-Arabien, jetzt 0:1 nach Lozanos Treffer zum historischen Erfolg der Mexikaner. Eine völlig neue Situation: Zum ersten Mal nach 36 Jahren hat Deutschland wieder ein Auftaktspiel bei einer Weltmeisterschafts-Endrunde verloren.

Heute spielen:
Gruppe F
14 Uhr: Schweden – Südkorea

Gruppe G
17 Uhr: Belgien – Panama
20 Uhr: Tunesien – England