Wer weiß, dass der VfB Lübeck mit vollem Namen “Verein für Bewegungsspiele Lübeck von 1919 e. V.” heißt, wird schnell merken, dass der Sportverein in diesem Jahr sein 100-jähriges Jubiläum feiert. Anlass genug, einen Blick auf seine Geschichte zu werfen.

Der VfB Lübeck ist in fünf Sportarten aktiv. Neben Handball, Tischtennis, Badminton und Damengymnastik ist er in erster Linie als Fußballverein bekannt. Die erste Herrenmannschaft spielt in der Regionalliga Nord und verpasste in der Saison 2018/19 mit Platz zwei nur knapp die Relegation für einen Aufstieg in die 3. Liga.

Ja, es lief schon mal besser für die Lübecker. Vor 50 Jahren schnupperte der Verein an der 1. Bundesliga, wurde in der Aufstiegsrunde aber nur Fünfter. Nicht ganz so lange sind die Erfolge im DFB-Pokal her: In der Saison 2003/04 stand der VfB Lübeck im Halbfinale und verlor dort erst in der Verlängerung gegen Werder Bremen.

Alles erlebt von 2. Liga bis Fünftklassigkeit

Die Sensation war damals zum Greifen nahe. Das Team spielte in der 2. Bundesliga und wäre bei einem Sieg gegen Bremen im Finale gegen Alemannia Aachen sicher nicht chancenlos gewesen – so sahen es nicht nur die Fans, sondern auch die Quoten der Wettanbieter wie Betway. In der Saison nach dem Pokal-Halbfinale stieg der VfL dann aber in die 3. Liga ab. Es folgten harte Jahre mit dem Absturz in die Schleswig-Holstein-Liga. Doch der Verein kämpfte sich zurück und hätte sich in diesem Jahr mit einem Aufstieg in die 3. Liga selbst das schönste Geschenk zum 100-jährigen Jubiläum machen können.

Doch gefeiert wird in Lübeck derzeit trotzdem. Am 1. Juni ging es los mit einer Party im Schuppen 6. Jubiläumsturniere im Stadion Lohmühle, Schleswig-Holsteins größtem Fußballstadion mit 18.000 Plätzen, die Jubiläumsgala im Hanseatischen Hof am 22. Juni und der Volksfestumzug am Tag darauf sind weitere Highlights.

Ganz so selbstverständlich sind die Feierlichkeiten nicht – schließlich ist es erst wenige Jahre her, dass der Verein um seine Existenz kämpfte. Es drohte die Zahlungsunfähigkeit, weil mehrere Hunderttausend Euro für den Spielbetrieb fehlten. Ein Teil des Geldes konnte durch Sponsoren und Fans gesammelt werden, sodass der VfB Lübeck nicht zerbrach, sondern “nur” in die Schleswig-Holstein-Liga absteigen musste und damit nur noch fünftklassig war.

Chronik des Vereins erscheint als Buch

Der Lübecker Sportjournalist Christian Jessen hat auch dieses Kapitel in seiner Vereinschronik aufgearbeitet, die voraussichtlich im Juli 2019 im Verlag „Die Werkstatt“ erscheint. Darin geht es auch um die Anfangsjahre des VfB. Er datiert das Gründungsdatum des Vereins auf den 28. August 2019 – hundertprozentig sicher ist das jedoch nicht. Und so feiert man das Jubiläum einfach den ganzen Sommer lang.

Fakt ist, dass der VfB Lübeck, damals noch BSV Vorwärts, 1933 mit seinen rund 130 Mitgliedern verboten wurde, weil er dem Arbeiter-Turn- und Sportbund angehörte. Nach dem Zweiten Weltkrieg spielte der Verein unter seinem heutigen Namen weiter und war zeitweilig erstklassig, weil die Oberliga Nord die höchste Spielklasse für die Bundesländer Bremen, Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein war.

Von der Erstklassigkeit ist man derzeit weit entfernt. Doch daran mag im Moment niemand denken. Jetzt wird gefeiert in Lübeck und vielleicht klappt es ja in der nächsten Saison mit dem Aufstieg, denn dann muss der Meister der Regionalliga Nord nicht erst in die Relegation.