Das WM-Turnier 2014 hat begonnen. Mit einer gut 25-minütigen Eröffnungsfeier wurde es eröffnet. Farbenfroh und fröhlich wurden die Natur Brasiliens und das brasilianische Temperament für Tanz, Musik und den Fußball dargestellt. Dafür gibt es ganz Facebook-like einen Daumen nach oben.
Dass sowohl Politiker als auch FIFA-Präsident Sepp Blatter keine Reden hielten, ist auch positiv zu vermerken, auch wenn da wohl eher die Angst vor einem gellenden Pfeifkonzert wie vor Jahresfrist beim Confederations Cup mitschwang.
Minuspunkte gibt es für die musikalische Performance von Pitbull, Jennifer Lopez und Claudia Leitte. Zwar ist der Song „We are one“ jetzt nicht so schlecht, doch die Show und die technische Umsetzung waren einfach gruselig.

Doch nun zum wirklich Wichtigen, schließlich soll in den kommenden vier Wochen der Ball im Mittelpunkt stehen. Das Spiel zwischen Gastgeber Brasilien und den gefährlichen Kroaten könnte schon die Blaupause für das Turnier sein. Auf der einen Seite der spielstarke Favorit, gespickt mit Stars wie Neymar, Hulk oder Thiago Silva, der Gegner ein starkes Kollektiv, das von seinem Trainer sehr defensiv und vor allem perfekt eingestellt war.
Und die Tore der ersten Halbzeit waren ein Sinnbild der unterschiedlichen taktischen Ansätze. Die Kroaten gehen dank eines perfekt vorgetragenen Konters mit 1:0 in Führung (auch wenn es ein Eigentor war), während die Brasilianer auf die individuelle Klasse ihres Superstars Neymar setzten, der mit einer tollen Einzelaktion den Ausgleich besorgte.
Danach neutralisierten sich beide Mannschaften über lange Zeit, ehe ein Geschenk des Schiedsrichters zu einem Foulelfmeter führte, den Neymar zum 2:1 nutzte. Das 3:1 von Oscar in der Nachspielzeit brachte den Brasilianern den erhofften Auftaktsieg, der auf Grund des japanischen Schiedsrichters einen sehr faden Beigeschmack hat. Zumal die vom gebürtigen Berliner Niko Kovac trainierten Kroaten einen Punkt allemal verdient hatten.

Apropos Schiedsrichter: Neben den 32 Mannschaften der WM gibt es aber auch in jedem Spiel ein drittes Team auf dem Platz, ohne das nichts läuft. Und damit möglichst die besten Referees aus allen Teilen der Welt dabei sind, hat die FIFA ausgewählt
33 Pfeifenmänner sowie 58 Fahnenschwenker aus 42 Ländern hat der Weltverband FIFA in diesem Jahr nominiert. HL-SPORTS stellt einzelne, herausstechende Schiedsrichter vor, möchte aber auch Probleme aufzeigen.

Teams
Wie schon bei der WM 2010 geschehen und in vielen internationalen Spielen erprobt, setzt die FIFA auf Schiedsrichter-Teams. So sind beispielsweise die europäischen Schiedsrichter in den Teams zusammen, mit denen sie sowohl die großen Ligen wie auch die europäischen Cup-Wettbewerbe pfeifen. Bi- oder trinationale Teams sind selten und wird es nur bei den Schiedsrichtern aus Asien und Afrika geben.

Acht Schiedsrichter sind als Unterstützungsschiedsrichter im Einsatz, sind bei den meisten Spielen die Vierten Offiziellen und kommen ebenso wie die verbliebenen acht Assistenten nur bei Ausfällen anderer Referees auf dem Feld zum Einsatz.

Der Eröffnende
Yuichi Nishimura aus Japan war der Schiedsrichter, der gestern mit seinem Pfiff die 20. Fußball-Weltmeisterschaft eröffnete. Der 42jährige nahm bereits an der WM 2010 und an den Olympischen Spielen 2012 teil und gilt den Beobachtern neben dem Usbeken Ravshan Irmatov als bester Referee Asiens.

Dies konnte der Japaner allerdings kaum beweisen. Die erste Halbzeit war noch ganz okay, wenn man davon absieht, dass Neymar nach 28 Minuten und einem Ellbogenschlag gegen Modric vom Platz hätte fliegen können (oder müssen?). Die zweite Halbzeit verlief dann aber katastrophal. Zunächst ein nicht gegebenes Foul gegen Olic, was eine Gelbe Karte gegen Dani Alves und eine gute, kroatische Freistoßgelegenheit zur Folge gehabt hätte. Dann folgte der Elfmeterpfiff des Jahres, als Fred im Strafraum fiel und Nishimura auf den Punkt zeigte. Andi Möllers Osterschwalbe lässt grüßen!
Was folgte waren 20 Minuten pure Nervosität beim Referee und seinen Assistenten.
Herr Nishimura, dies muss einfach besser werden! Oder sollen wir gar von einem konditionellen Problem ausgehen?

Die Oldies
Ältester Schiedsrichter beim Turnier ist Roberto Moreno Salazar aus Panama. Der 44jährige war vor der WM 2010 aussortiert worden und fungiert 2014 als Vierter Offizieller. Dafür nahm Salazar bereits an Olympischen Spielen und diversen Gold-Cups teil.
Ältester Assistent ist Engländer Darren Cann. Der 45jährige gehört schon seit Jahren zum Gespann seines Landsmannes Howard Webb.

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Die Küken
Jüngster Referee ist der Kameruner Alioum Alioum. 32 Lenze zählt er gerade mal und wird an seiner ersten WM teilnehmen. Er gilt als hoffnungsvolles Talent und war zuletzt bei der U20-WM 2013 im Einsatz.
Sein Pendant als jüngster Assistent ist Rodney Aquino aus Paraguay, der gerade 30 Jahre geworden ist.

Die Exoten
Schiedsrichter wie Howard Webb (England), Björn Kuipers (Niederlande) oder Rashvan Irmatov (Usbekistan) sind dem Fußball-Fan durchaus ein Begriff, aber manch anderer dürfte allein schon von seiner Herkunft her für Erstaunen sorgen. Bakary Gassama (Gambia) oder Nawaf Shukralla (Bahrain) dürften nur absoluten Fußball-Experten bekannt sein.
Der Exot unter den Exoten ist aber ganz klar Norbert Hauata. Schließlich hat der 35jährige die Fußball-Großmacht Tahiti als Heimatland. Seinen ersten Einsatz hatte der Polynesier im Eröffnungsspiel als Vierter Offizieller.

Die Deutschen
Wir schreiben die 20. Fußball-WM und an 18 Ausgaben nahm nicht nur die deutsche Nationalmannschaft teil, sondern auch mindestens ein deutscher Referee. So darf sich Dr. Felix Brych aus München als 20. Deutscher Schiedsrichter in die WM-Annalen eintragen. Der 38jährige Jurist pfiff bereits bei Olympia 2012 und beim ConFed-Cup 2013. In der noch laufenden Saison machte er zunächst durch das „Phantomtor“ von Hoffenheim von sich reden, worauf er mit einer Weltklasseleistung beim darauf folgenden Champions League-Spiel in Barcelona antwortete. Als „Vorbereitung“ auf die WM pfiff er unter anderem das WM-Qualifikations-Playoff-Spiel zwischen Neuseeland und Mexiko und das Europa League-Finale in Turin.

Als Assistenten fungieren Mark Borsch (Mönchengladbach) und Stefan Lupp (Zossen). Erstes Spiel des deutschen Schiedsrichter-Trios ist die Partie zwischen Uruguay und Costa Rica am Samstag.

Vierter „Deutscher“ ist Jan-Hendrik Hintz. Als Sohn deutscher Einwanderer ist der 37jährige in Auckland geboren und geht für den neuseeländischen Verband an den Start.

Problematiken
Vor der WM hatten Experten zwei Problematiken ausgemacht.
Zum Einen sind – von den europäischen und südamerikanischen Schiedsrichtern abgesehen – viele Referees das deutliche höhere Tempo kaum gewohnt. Während die Europäer fast Tag für Tag in den Top-Ligen und im Europapokal gefordert sind, die Südamerikaner ein ähnliches Programm haben, sind die Unparteiischen von den anderen Kontinenten nicht auf so hohem Niveau gefordert. Zwar gibt es mittlerweile auch in Asien und Afrika kontinentale Wettbewerbe und Meisterschaften, das Spieltempo ist aber lang nicht so hoch wie auf dem absoluten Top-Niveau. Dies sehen viele Experten als ein Problem.

Die zweite Problematik ist, dass die Angst vor einer Bevorzugung des Gastgebers aus Brasilien vorherrscht. So war es beispielsweise im Vorjahr beim Confed-Cup zu sehen, wo bei brasilianischen Spielern oft die gelbe Karte stecken blieb. Davor warnte unlängst DFB-Chefscout Urs Siegenthaler in einem Interview mit einer Hamburger Zeitung.

Interessant ist dabei, dass Herr Nishimura beide Problematiken sehr augenscheinlich vorführte.

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