Es ist die Hymne des deutschen Fußballs schlechthin: „Fußball ist unser Leben“. Welcher Titel hätte besser zum folgenden WM-Sieg gepasst? Der WM-Song 1974 – wie kein anderer im Marschrhythmus geschmettert von Beckenbauer, Breitner und Co. ist daher die Mutter aller Fußball-Hits. Treffsicher komponiert und produziert von Jack White, der 1974 mit Schlagersternchen Tina York, der Schwester von Mary Roos, auch den Hit landete: „Wir lassen uns das Singen nicht verbieten“. Und daran halten sich (deutsche) Fußball-Fans bis heute…

Und diesem Motto folgte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft fortan im Vier-Jahres-Rhythmus, denn der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte schon seinerzeit ein gutes Händchen fürs Geschäft – schließlich war der Jack-White-Hit nur knapp an der Goldenen Schallplatte vorbeigeschrammt. 1978 nahm sich Udo Jürgens der musikalischen WM-Vorbereitung des deutschen Teams an: „Buenos dias, Argentina“ – ein Schmachtfetzen mit dieser Text-Passage: "Buenos Dias, Senorita! Und wenn Du dann bei mir bist, wird die Zeit hier wie ein Traum sein, den man niemals mehr vergisst!" Bis heute ist nicht vergessen, wie in damaliger Diktatur-Zeit die argentinische Bevölkerung zu leiden hatte – und wie die WM verschoben wurde. Die Sangeskünste von Udo Jürgens mit Sepp Maier und Gefolge wurden mit Platin honoriert.

1982 machte Michael Schanze den (musikalischen) Reibach mit der deutschen Nationalmannschaft: „Ole Espa~na“. Nie wieder hat Michael Schanze einen Hit wie diesen gehabt, der sich auch einen Platz unter den Top Ten der deutschen Hitparade eroberte. Sein Produzent: Ralph Siegel. Im Background für Vor-Sänger Schanze waren Bundestrainer Jupp Derwall und Torwart Toni Schumacher deutlich zu hören, andere hielten sich etwas zurück, bewegten aber durchaus die Lippen.

1986 gab Peter Alexander vor: „Mexico, mi amor“. Poncho und Sombrero kostümierten die DFB-Hofsänger wie Lothar Matthäus, Pierre Littbarski und Gefolge – kontrollierte Offensive ( a lá Otto Rehhagel) der Sangeskunst!

Vier Jahre später ging’s noch etwas flacher, trotz Udo Jürgens und der vielversprechenden Zeile: „Wir sind schon auf dem Brenner“. Aber wie immer: entscheidend ist aufm Platz. Mit Team-Chef Franz Beckenbauer holte sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ihren dritten Stern!

1994 wagte sich der DFB weit vor: Die Village People sangen auf Englisch «Far Away in America». Mittendrin in der Disco-Band in Polizisten- und Indianer-Kostümen das deutsche Team – mit so unterschiedlichen Typen wie Berti Vogts und Mario Basler. Das war´s dann mit der – offiziellen – Sanges-Herrlichkeit deutscher Fußball-Nationalspieler, denn:
1998 übernahm die FIFA das Kommando in der Vermarktung von WM-Songs, gleichwohl hielten sich die Schlagerbarden und Schlagersternchen hierzulande nicht an diese Vorgabe, trällerten und tönten auf ihre Art Songs zu Weltmeisterschaften – ohne offizielle Anerkennung des DFB, aber ganz im Sinne der Millionen Fußball-Fans (und eben Tina York): „Wir lassen uns das Singen nicht verbieten“.

Im Sommermärchen 2006 hielten sich die deutschen Fans an Xavier Naidoo („Dieser Weg“) und die Sportfreunde Stiller („54, 74, 90, 2006“).

Ja, und was hören wir ab morgen zum vierten Stern? Lassen wir uns überraschen, wer den Hit-Joker auf den Markt wirft.

Wie wär´s, Stefan Raab?