Ein Kommentar von Chefredakteur Roland „Kenzo“ Kahl:

Da verstehe einer wer will, was da schon wieder im Busch ist. Am Volkspark soll der Baum mal wieder brennen. Zumindest wenn es nach einigen Gestalten gehen soll. Wenn man niemand auf eine Abschussliste setzen kann, scheint es denen einfach nicht gut zu gehen. Nun ist der Trainer schuld am dritten Platz in der 2. Liga. In Darmstadt soll es bereits ein Schicksalsspiel sein, das Christian Titz als HSV-Chefcoach bevor steht.

Lächerlich

Platz 3 und dann den Trainer absägen? Da fällt einem echt gar nichts mehr zu ein. Die Saison ist noch sehr lang und wer sich in den vergangenen Jahren nur einmal mit der 2. Liga beschäftigte, wird sich möglicherweise daran erinnern, dass es dort immer sehr eng zugeht. Acht Spieltage mit einer grundlegend neugeformten Mannschaft sind doch erst rum. Der Druck ist ja auch so schon groß, aber dass man das nun unnötig befeuert – lächerlich!  

Andere Mächte?

Das Ganze nimmt fast Bayern-Allüren an, wo Kovac schon nach sechs Spielen um seinen Job bangen muss. Was ist denn beim HSV aktuell in Gefahr? Wo brennt denn der Scheitel unter der Mütze? Und wer steckt hinter so einem unsinnigen Komplott? Bernd Hoffmann soll kein Freund des Trainers sein. Ja, und? Muss er ja auch nicht, denn es geht hier nicht um persönliche Animositäten, sondern um einen Verein, der kaum Geld zur Verfügung hat, viele neue Spieler integrieren muss und sich kürzlich auf die Fahne schrieb, dass man auf junge Leute setzt, auch aus dem eigenen Nachwuchs. Was ist denn nun damit und wo dürfen diese jungen Menschen denn ihre Fehler machen, aus denen sie gestärkt als Einheit hervorgehen werden?

Wie wär‘s mal mit Gemütlichkeit?

Also, einfach mal tief durchatmen, zurücklehnen und abwarten, wie sich das Team weiterhin entwickelt. Nochmal: Wer geglaubt hat, dass der HSV alles in der 2. Liga in Grund und Boden schießt, leidet vielleicht unter Realitätsverlust. Mit der jüngsten Mannschaft des deutschen Profifußballs auf dem dritten Rang des Bundesliga-Unterhauses zu stehen, ist eine verdammt gute Leistung. Deutscher Meister können die Rothosen nicht werden und Champions League ist aktuell ebenfalls nicht das Thema. 2. Liga und Pokal stehen an und da ist man absolut im Rahmen. Und dieser Rahmen reicht. Am Ende der Schlacht werden die Toten gezählt oder wie in diesem Fall die Punkte am Saisonende.

Anruf in Köln

Hamburg ist eine Medienstadt, genauso wie Köln. Ein Anruf bei den Kollegen am Rhein wäre angebracht, wie das in den ersten beiden Zweitliga-Jahren dort gelaufen ist… Die ganzen Trittbrettfahrer sind dann auch noch die Krönung, die das nachschreiben und –plappern, was ihnen da vorgekaut wird. Das ist keine Leistung!  

Das Haar in der Suppe…

…kann man immer suchen, Lösungen hat da auch nicht jeder parat. Es wirkt wie bei den 80 Millionen Bundestrainern, die es zu jeder EM und WM gibt. Einfach mal locker bleiben und gucken, dass in Darmstadt ein selbstbewusster HSV auftritt, dessen Team nicht Angst haben muss, dass am Tag danach nichts mehr so ist, wie es vor der Saison geplant war. Einfach mal durchziehen!

Holtby hat recht

Und es ist so, dass Titz in einer Phase das Ruder übernahm, wo niemand einen Plan hatte. Der 47-Jährige legte einen vor und der hatte sogar Erfolg. Erfolg, den vor ihm keiner hatte. Und das soll nun alles wieder schlecht sein? Da hat Lewis Holtby absolut recht! Hamburg macht immer und immer wieder die gleichen Fehler und ist einfach zu ungeduldig, lässt niemanden vernünftig seine Arbeit machen und sucht stets nach einem Problem.

Kritik

Klar, drei Spiele in Folge ohne Sieg ist nicht der Anspruch des HSV und das darf er auch nicht sein. Und Titz muss schauen, dass er Plan B aufstellt, wenn der Masterplan nicht greift. Doch was passiert denn, wenn der nächste geheiligte „Aufstiegscoach“ ebenfalls so eine Serie hinlegt und eine Durststrecke überwinden muss? Gibt es dann alle drei Monate einen neuen Übungsleiter am Volkspark? Die 2. Liga ist eben eklig und absolut unberechenbar.

Umfragewerte und Rückhalt

Na wenigstens scheinen die Fans noch klar bei Verstand zu sein und setzen in Umfragen auf den Trainer. Die Werte liegen höher als bei der Kanzlerin. Dass jeder gerade nur auf seinen Job schaut, sieht man am Rückhalt. Der Trainer ist da ziemlich allein auf weiter Flur. Die Mannschaft wenigstens steht geschlossen hinter ihm. Die Führungsetage des Vereins hüllt sich dagegen lieber in Schweigen und spricht kein klares Votum aus. Neue Liga, alte Muster. Die haben in der Vergangenheit ja schon die Deutsche Meisterschaft mit sich gebracht… ach ne, man spielt ja um den Wiederaufstieg in die 1. Liga und steht nach acht Partien nur auf Rang drei… Die Uhren ticken auch einfach mal anders.

Also Leute, bleibt norddeutsch einfach cool und lasst die Kirche im Dorf! #nurderHSV