Lübeck – Ob sie die schnellste Fußballspielerin in Schleswig-Holstein ist, bleibt offen. Fakt ist, aber dass die Nummer 17 der SG Siems-Dänischburg viele Abwehrreihen mit ihrem Speed zur Verzweiflung bringt. Und dass sie die Lebensversicherung des Spitzenreiters der Frauen-Verbandsliga Süd ist, schließlich war sie in den vergangenen Jahren immer beste Siemser Torschützin und führt aktuell auch die Torjägerliste ligaweit an. Grund genug für uns also, Martha Thomaschewski einmal näher vorzustellen.

Ihr Trainer Kambiz Tafazoli ist aber nicht nur wegen ihrer Schnelligkeit von seiner Nummer 17 begeistert: "Martha ist eine brillante Sportlerin. Ich habe selten eine so ehrgeizige Spielerin gesehen. Gerade für unsere jüngeren ist sie ein absolutes Vorbild was Fleiß und Einstellung betrifft. Ich bin sehr glücklich darüber, solch eine Spielerin im Team zu haben."

Dabei war der Weg zum Fußball alles andere als vorgezeichnet. Gegen das Gekicke hatten die Eltern der in Danzig geborenen Offensivspielerin nichts, doch dass sie irgendwann im Verein spielen würde, bedurfte einer gewissen Überredungskunst. „Meine Eltern dachten mehr an Handball“, sagt Thomaschewski rückblickend: „Das hatte ich auch ausprobiert, aber mir macht es mehr Spaß, draußen Sport zu treiben.“

Gesagt, getan und die kleine Martha durchlief die Nachwuchsmannschaften des TSV Siems. Gemeinsam mit Tasja Fasch, die noch heute ihre Teamkollegin bei den Frauen ist, begann sie in der E-Jugend – und lief den Jungs schon damals weg: „Ich hab immer auf Außen gespielt und sprintete rauf und runter.“ Bis zum Abitur blieb Thomaschewski in Siems, erst dann ging es in die weite Fußballwelt hinaus. Aus dieser Zeit bleiben nicht nur ihr die Derbys gegen Dänischburg und Kücknitz in Erinnerung. Ihre heutige Mitspielerin Andrina Vorpagel erinnert sich: „Wenn wir früher gegen Siems gespielt haben, hieß es immer zu mir: Andrina, du deckst Martha. Das hab ich dann gemacht und es war ein Triumph, wenn sie kein Tor geschossen hat.“ Der Torriecher war also früh erkennbar.

Nach dem Abi wechselte Thomaschewski zu Holstein Kiel, allerdings wurde dies nur ein kurzes Intermezzo. Nach drei Monaten war Feierabend in der Landeshauptstadt. „Die Trainingszeiten kollidierten mit den Vorlesungen und ich wollte mich auf das Studium konzentrieren“, beschreibt die 29-Jährige die damalige Situation: „Ich mag keine halben Sachen. Entweder ich zieh was durch oder ich lass es.“ Da sie eh in Flensburg studierte, wechselte sie zum MTV Leck. Der Kontakt kam über eine ehemalige Betreuerin der Landesauswahl zu Stande. „Ich habe dort sehr gerne gespielt“, sagt Thomaschewski über ihre Zeit im ganz hohen Norden: „Ich bin immer noch mit einigen befreundet.“ Doch ein komplizierter Schlüsselbeinbruch stoppte sie, für zwei Jahre war an Fußball nicht zu denken.

Erst als es nach dem Studium zurück nach Lübeck ging, stand Martha Thomaschewski wieder auf dem Platz. Sie leitete in Siems ein Trainingscamp für Mädchen und wurde dabei vom jetztigen SG-Betreuer Torsten Wagenzink „wieder entdeckt“ und so war sie wieder für den TSV aktiv. Der Ehrgeiz packte sie auch wieder und so ging es 2012 für ein Jahr zum FFC Oldesloe. Doch wie formuliert es Thomaschewski? „Es war leider nicht die beste Zeit.“ Der FFC stieg aus der 2. Bundesliga ab und die finanziellen Probleme, die letztlich zur Insolvenz führten, waren damals schon erkennbar. Dennoch will sie die Zeit in Bad Oldesloe nicht missen, sammelte dort wichtige Erfahrungen.

Also wieder zurück nach Siems und hier ist die Flügelflitzerin nicht aus dem Team wegzudenken. Auf Anhieb wurde sie Führungsspielerin und Torjägerin, holte 2016 die Torjägerkanone in der Verbandsliga Süd und ist auch in diesem Jahr ganz vorne, wenn es um die meisten Tore geht.

Interessant: Ein Vorbild hat Thomaschewski nicht. „Weil ich nicht nur gern Fußball spiele. Ich mache in der Freizeit noch andere Sportarten gerne“, meint sie. Vor allem auf dem Wasser ist sie zu finden, egal ob beim Wakeboarden oder beim Kiten. Dennoch ist Fußball für die Sportlehrerin die klare Nummer eins: „Das ist so ein toller Teamsport! Und gemeinsam zu kämpfen und sich zu motivieren, macht den Sport aus. Ob man nun als Gewinner oder Verlierer vom Platz geht. Aber ich bin eher so der Gewinnertyp.“ Und zahlt danach gerne drei Euro in die Mannschaftskasse: „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.“

Was die Siemsche Torjägerin sonst noch begeistern kann, das erfahrt ihr in unserem HL-SPORTS-Fragebogen.

Name: Martha Thomaschewski

Geburtstag: 21.5.1987

Geburtsort: Danzig

Größe: 1,69 m

Gewicht: keine Angabe

Position: Mittelfeld

Trikotnummer: 17

Verein: SG Siems Dänischburg

Ehemalige Vereine: Holstein Kiel, MTV Leck, FFC Oldesloe

Privat mache/ bin ich gerne: Strandspaziergänge, Kitesurfen, Wakeboarden

Lieblingsessen: Italienisch

Lieblingsgetränk: Fritz Cola, Mate

Lieblingsmusik: House, Indie

Lieblingsfilm:

Lieblingsort: Strand

Haustiere: Hund (Dalmatiner)

Meine Vorbilder in der Jugend: keines

Mein schönstes Erlebnis im Sport: Deutsche Meisterschaften mit der U19/U21

Ich möchte mit meinem Team und auch persönlich in Zukunft folgendes erreichen: Siege mit Gänsehaut und vielleicht sogar die Meisterschaft

Ich spiele am liebsten in und warum: In Siems habe ich mich schon immer Zuhause gefühlt, da ich schon als kleines Mädchen mit den Jungs dort gespielt habe. Beim MTV Leck bei Flensburg habe ich jedoch auch sehr gern gespielt und ich bin immer noch mit einigen aus der Mannschaft befreundet.

Trainingsmotto: Erfolg ist kein Glücksspiel, sondern das Resultat von Disziplin, Fleiß und klarem Antrieb.

Wo ich gerne mal spielen möchte:

Ich habe eine(n) Freund(in) (Ja oder Nein): Glücklich vergeben

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