Bad Segeberg – „Ladies First“ ist das Motto des Landesturnieres 2016 – zumindest in der „Herren“-Wertung der Springreiter. Aber es war nicht der Gentleman-Faktor, der am Ende ausschlaggebend war, sonders die überlegene Leistung von Evi Bengtsson und La Pasion de la Ulika. Für sie ist es der zweite Titelerfolg bei den Landesmeisterschaften in Folge: „Klar bin ich Happy.“ Die Titelverteidigerin hat auch viel Lob parat für den Veranstalter: „Der Platz ist super, die Parcours waren interessant, die Stimmung war hervorragend – ein schönes Turnier, eine bleibende Erinnerung.“ Der zweite Platz ging an Carsten-Otto Nagel und Womanizer, dritte wurden Niclas Aromaa und Chairman.  

In der Damenwertung noch am letzten Tag abgefangen wurde die Hongkong-Chinesin Raena Leung. Die Schülerin von Mike Patrick Leichle hatte zwei Tage überlegen im Parcours mit Folinde van het Slagershof dominiert. Am Ende aber war es ein Eintausendstel, das Berit Naeve aus Groß-Wittensee und Wyoming zum neuen Meisterpaar machte. Auch bei den Juniorinnen gab es einen Amazonen-Sieg: Teike Carstensen vom Reiterverein Obere Erlau war mit Zürich nicht zu schlagen. Für die 18jährige Schülerin aus Solwit ist es der erste Landestitel überhaupt. Ihre Schwester Beeke trat in denselben Prüfungen an, wurde am Ende Vierte – aber Konkurrenz gibt es zwischen den Beiden nicht: „Nein, wir reiten nicht gegeneinander, wir unterstützen uns eher.“ Neben dem Reiten steht bei der Siegerin in diesem Jahr die Schule im Mittelpunkt: „Abitur steht an – danach möchte ich mich ein Jahr auf das Reiten konzentrieren und dann studieren, vielleicht Sportmarketing“, kündigt sie an.  

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Einen Star hat Holsteins Junge-Reiter-Szene in diesen Tagen mit Sven-Gero Hünicke. Mit seiner 10jährigen Hannoveraner-Stute Sunshine Brown gewann er den Titel – nur zwei Wochen nach dem er Deutscher Meister geworden war: „Ja, ich habe einen Lauf – eigentlich dachte ich, heute geht es daneben – es kann nicht auf Dauer so rund laufen – aber am Ende wartet der oberste Platz auf dem Treppchen – ein sehr gutes Gefühl“, Er hat gerade seine Ausbildung zum Bereiter im Stall Witt auf Fehmarn begonnen und hat nur eine Hoffnung: „Na, das der Lauf noch ein wenig anhält.“  

In der Dressur sicherte sich zum dritten Mal in Folge Wolfgang Schade (Foto) den Meistertitel. Mit Dressman schaffte er 213,86 Punkte und wurde erneut mit der Schärpe ausgezeichnet. Der 49jährige Reitprofi aus Blankenese freut sich über den Erfolg. „Auf den Dressman ist Verlaß – mir macht das Reiten mit diesem Pferd – aber auch mit den Nachwuchspferden sehr viel Spaß – vor allem wenn sie alle so erfolgreich sind, wie hier.“ Das Landesturnier sieht er als Kristallisationspunkt für den Dressursport in Schleswig-Holstein: „Wir haben hier eine tolle Truppe zusammen mit Leuten wie Boeckmann, Schierloh, Schieber – und der Nachwuchs drängt nach: mit Paula de Boer, Fritzi Hahn und Franziska Schwiebert waren hier einige ganz starke Nachwuchsreiterinnen unterwegs.“ Auf den zweiten Platz kamen Martin Christensen und Bacchus von Worrenberg mit 209,53 Punkten. Auch für dieses Paar gibt es Lob vom Meister: „Ganz starker Auftritt, das Paar passt – ich bin begeistert von dem Pferd.“ Auf den dritten Rang kamen Roland Metzler und Dante mit 205,48 Punkten.  

Bei den Reitabteilungen siegten der Reit- und Fahrverein Großenwiehe mit Carolin Guddat bei den Junioren und der Reit- und Fahrverein Zarpen mit Herbert Spennemann bei den Senioren.  

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Positiv ist auch das Resümee der Veranstalter des 68. Landesturnier: „Ich kann mich nicht erinnern, das wir einmal am Stück so gutes Wetter bei unserem Turnierklassiker hatten“ freut sich Matthias Karstens: „Nicht nur die Turniertage selbst, sondern vor allem die Vorbereitung, die Tage, wo unsere vielen, vielen ehrenamtlichen Helfer dieses Turnier überhaupt erst möglich machen, kamen ohne Regen aus.“ Eine positive Wertung zieht auch Dieter Medow, Vorsitzender des Pferdesportverbandes Schleswig-Holstein: „Das Landesturnier ist immer auch eine Leistungsschau für unsere Verbandsarbeit – besonders gefreut habe ich mich über die Top-Leistungen bei den Junioren und Jungen Reitern, das ist ein Beweis, daß unsere Nachwuchsarbeit auf dem richtigen Weg ist. Und der Nachwuchs entwickelt seine eigenen Stars, mit denen die Fans jubeln, mitfiebern und mit ihnen nach dem Wettkampf auch feiern. Für mich ist jeder Sportler, der bei unserem Landesturnier startet, ein Sieger.“ Bemerkbar hat sich das Wetter auch bei der Besucherzahl gemacht: „Ohne das eine Abrechnung vorliegt – es mögen ein paar mehr gewesen sein, als die 10.000 im vergangenen Jahr – irgendwo zwischen 10.000 und 11.000 Besuchern mag sich das bewegen“, erklärt Dieter Medow.

Für einen hochemotionalen Moment sorgte Top- und Nachwuchsreiter bei der Verabschiedung von Detlef Peper, der den Reitsport und die Reitsportler in Schleswig-Holstein geprägt hat wie wenig andere und der sich in diesem Jahr in den Ruhestand verabschiedet. Für ihn gab es nicht nur anrührende Worte von Hinrich Romeike und Theresa Ripke; das bronzene Reiterkreuz auf den Händen von FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau, sondern auch einen extra komponierten Song aus den Kehlen von mehr als 100 jungen Menschen, deren reiterlicher Werdegang von Peper begleitet wurde. Ähnlich emotional war die Verabschiedung von Herbert Spennemann (Zarpen) der seit mehr als 50 Jahren Reitabteilungen beim Landesturnier vorstellt und in Zukunft seinen Ruhestand geniessen möchte.  

In der Geschäftsstelle des Pferdesportverbandes Schleswig-Holstein beginnen ohne Pause die Vorbereitungen für das Landesturnier 2017 – dann die 69. Ausgabe. Im September werden sich dann wieder jede Menge „Sieger“ auf der Rennkoppel treffen. Vorher ist der Traditionsplatz des schleswig-holsteinischen Reitsport noch einmal Heimat für den Nachwuchs: vom 23. bist 25. September steht noch einmal Meisterschaftsflair beim Landes-Pony-Turnier auf dem Programm.

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