
Der Ire Cian O’Connor war viermal bei Olympischen Spielen und gewann olympisches Bronze in London 2012. Er hat bei vier Weltmeisterschaften und sechs Europameisterschaften mitgemacht, aber er hat noch nie ein Springen in Hamburg gewonnen – bis jetzt beim Deutschen Spring- und Dressur-Derby.
Mit dem zehnjährigen Genghis Khan hat sich der 46-Jährige den Sieg im Championat von Hamburg gesichert. Platz zwei ging an den Schweizer Edouard Schmitz auf seinem Olympiapartner von Paris, Gamin van’t Naastveldhof. Der Niederländer Arne van Heel, der für den Holsteiner Verband im Sattel des Verbandshengstes Keaton HV saß, setzte sich auf Platz drei – eine Hundertstelsekunde vor dem zweimaligen Deutschen Meister Mario Stevens auf Starissa FRH.
O’Connor, dessen Schüler Tom Wachman gestern schon gewonnen hat, ist dafür bekannt, dass er sich immer einen genauen Plan beim Abgehen des Parcours macht. Angesprochen auf seinen Plan für das Championat sprudelte es nur so aus dem Sieger heraus: „Schon im ersten Umlauf musste man die Zeit im Hinterkopf behalten, um sich optimal für die zweite Runde zu positionieren“, erklärt O’Connor. „Hinter der Planke gab es eine längere Galoppstrecke, ansonsten lief alles recht flüssig. Zum letzten Sprung musste man etwas ruhiger hineinkommen. Wenn man den vorletzten Sprung gut erwischt hat, konnte man auf den letzten noch einen Galoppsprung weniger reiten – das ist mir gelungen.“
Das war nur der Ausschnitt seines ausgefeilten Plans. Genghis Khan sei ein wunderbares Pferd. „Eigentlich ist er Toms Pferd, aber ich werde ihn in diesem Sommer ein wenig reiten. Im April war er in Mexiko zweimal Zweiter, das hier war nun der nächste Schritt nach vorne.“ Für den zehnjährigen Kannan-Sohn war der Sieg der Abschluss seiner Turnierauftritte in Hamburg. „Heute Abend geht er zurück in seinen Heimatstall nach Belgien, morgen darf er erst einmal auf die Weide“, erklärte O’Connor. Es ist einige Jahre her, dass der Ire in Hamburg am Start war und freute sich: „Im Grunde ist es noch genauso wie damals und ein großartiges Turnier. Ich freue mich, hier zu sein. Das Besondere ist die Atmosphäre, die Arena, das beeindruckende Ambiente, die Zuschauer – das macht dieses Turnier wirklich speziell.“
O’Connor und Genghis Khan haben in 45,20 Sekunden gewonnen, Schmitz war 27 Hundertstelsekunden langsamer. „Ich hab’s probiert“, gesteht der Schweizer, „aber an Cian kam ich nicht heran. Ich bin jetzt zum zweiten Mal Zweiter in diesem Springen geworden. Auch wenn ich gerne mal ganz vorne stehen würde, das war heute ein richtiges Vergnügen.“ Schon seit sechs Jahren sitzt der 26-Jährige im Sattel von Gamin. Die Beiden sind ein routiniertes Team und haben ihre Routine heute in Hamburg ausgespielt.
Der viertplatzierte Stevens widmete sich sofort nach seinem Ritt der Analyse. Wo hätte er die eine Hundertstelsekunde rausholen können, um sich vor van Heel den Bronzerang zu sichern. „Das Einzige, was ich noch hätte machen können: mein Pferd hat einen Riesen-Galoppsprung. Von dem Oxer zu dem Gatter dauern die fünf Galoppsprünge relativ lange für Starissa. Ich habe den Parcourschef nach der Siegerrunde gefragt, wie viele Meter das waren. Es waren 28,30 Meter. Vielleicht hätten auch vier Galoppsprünge gereicht“, überlegt er schmunzelnd und fügt an: „Das ist ein super Turnier mit super Bedingungen. Und ich bin total happy mit Starissa, er ist klasse gesprungen.“
Marcus Aßmuth, Vorstandsmitglied der DVAG, war beeindruckt: „Ich stand nur wenige Meter vom Parcours entfernt und konnte aus nächster Nähe die Leistungen von Pferden und Reitern verfolgen. Das war herausragend. Faszinierend ist auch der Spirit, den man spürt, wenn man hier in den Derby-Park kommt, beim Sport und bei den Siegerehrungen.“ Schon viele Jahre ist die DVAG Partner des Pferdesports und Partner in Hamburg. „Wir sind ein Familienunternehmen, das für Tradition und langfristige Kooperationen steht“, betont Aßmuth. „Im Sport werden Werte gelebt. Für diese Werte stehen wir und darauf sind wir stolz.“
Turnierchef Matthias Rath hat das Springen der Al Shira’aa Fünf-Sterne-Tour aus der Hütte des Parcourschefs mitten auf dem Derbyplatz verfolgt. „Das war total toll, von da sieht man am besten und es war wirklich super Sport.“ Er sei mit dem Verlauf der Veranstaltung bisher sehr zufrieden: „Die Zuschauer sind da, der Sport ist super und auch wenn es ein bisschen kälter ist, wenn nicht zu viel Regen kommt, ist alles bestens.“






