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Lübeck – Fünf Jahrzehnte hat es gedauert, bis sich die Frauen das Recht erkämpft haben, auch beim Eisarsch des Lübecker YC an den Start gehen zu können. Bis zur 50. Auflage im vergangenen Jahr blieb die Kult-Regatta auf der Wakenitz eine Männerveranstaltung. Am kommenden Sonnabend (7. Dezember) dürfen sich erstmals auch Frauen offiziell zum Wettkampf in die Optimisten-Kinderjolle zwängen. Und mehr als ein Dutzend weiblicher Teilnehmer will das Männerfeld aufmischen, wenn um 14 Uhr vor der Brücke des LYC der Startschuss fällt.

Die Eisarschgilde, selbsternanntes Körperteil des Lübecker YC, ist glücklich, dass der Vorstoß einer Änderung der Ausschreibung beim Verein Gefallen gefunden hat. „Unser Antrag wurde von der Mitgliederversammlung mit überwältigender Mehrheit angenommen“, berichtet Chef-Organisator Jan Stemmler. Seine Crew hatte die Entscheidung des Vereins aber auch schon etwas vorweggenommen, als die Frauen vorbehaltlich des LYC-Votums eingeladen wurden. Und damit hatte die Eisarschgilde offenbar den Zeitgeist getroffen. 13 Seglerinnen stehen in der Meldeliste und sorgen damit auch für eine gesteigerte Anziehungskraft bei den Männern. Denn mit nunmehr über 90 Meldungen übertrifft die 51. Auflage des Eisarsch deutlich die Zahlen der vergangenen Jahre.

Die Organisatoren freuen sich über den frischen Schwung in der Traditionsveranstaltung. Und Charly Brüser, Gründungsmitglied der Eisarschgilde, hat auch gleich einen eigenen Frauen-Pokal gestiftet – ein schmucker Lübeck-Leuchter, der in keinem maritim angehauchten Haushalt fehlen sollte.

Der Showdown zwischen den arrivierten Männern, immerhin sechs ehemalige Eisarsch-Sieger haben gemeldet, und den Herausforderinnen dürfte spannend werden. Mit 90 Booten entscheidet schon die Positionierung an der proppenvollen Startlinie über die Chancen, und der Wind dürfte alle Gewichtsvorteile der Frauen davon pusten. Bei Böen weit über 20 Knoten werden sich einige Teilnehmer/innen wohl auch auf kalt-nasse Erlebnisse einstellen. Immerhin sind keine Eisschollen auf der Wakenitz zu erwarten.

Eine Frau im Feld wird sogar als Eisarsch-Wiederholungstäterin an den Start gehen. Heike Gercken hatte sich 2008 inkognito ins Männerfeld gemischt. Die Neustädterin nutzte zur 40. Auflage den Aufruf der Veranstalter, im Nikolauskostüm zu segeln. Damals fiel das Eisarsch-Datum auf den 6. Dezember. Und mit roter Kapuze, Brille und tiefer gelegter Stimme kam Heike Gercken an die Startlinie, obwohl sie ihren Namen gar nicht verändert hatte. „Auf dem Wasser war es dann allerdings etwas unbequem – gerade in den Manövern mit den ganzen Segelklamotten und dem Kostüm“, berichtet sie von ihrem Coup. „Damals war es tatsächlich noch etwas anders als Frau im Segelsport. Von einigen Männern wurde man schon komisch angesehen.“ Dabei hat Heike Gercken eine lange Segel- und Wassersportvita aufzuweisen. Nachdem sie in der Jugend als Kanutin begonnen hatte und dort auch in der Nationalmannschaft paddelte, kam sie später zum Surfen und wurde sogar zweimal Weltmeisterin im Kursrennen. In ihrer Zeit an der Uni Bremen stieg sie schließlich auf das Segeln um, segelte erfolgreich Yachten auch bei internationalen Meisterschaften und diverse Jollen. Acht Jahre war sie zudem Jugendwartin im Neustädter Seglerverein. „Jungs und Mädchen gemeinsam im Boot und auf dem Wasser war für mich Alltag. Daher freue ich mich, dass auch beim Eisarsch jetzt endlich zusammenfindet, was ganz natürlich zusammengehört.“

Vor elf Jahren segelte Heike Gercken im Mittelfeld. Das strebt sie auch jetzt an, aber sie glaubt auch, dass einige Konkurrentinnen ganz vorn mitmischen können: „Für mich zählt eher das Dabeisein. Aber ich weiß, dass einige richtig gute Frauen dabei sind.“

Feste Tradition bleibt, dass der seglerische Einstieg in die Adventszeit zu einem Fest für Segler und Besucher werden soll. Daher wird das Spektakel am 7. Dezember ab 12 Uhr bis ca. 16.30 Uhr von Live-Jazz-Musik um die Berliner und Hamburger Musiker Karl-Heinz „Kalle“ Böhm (Saxophone und Vocals), Kay Franzen (Piano) und Kai Stemmler auf dem Außengelände am Clubhaus in der Roeckstraße begleitet. Das Restaurant im Clubhaus ist geöffnet, heiße und kalte Getränke sowie Grillwurst gibt es auch direkt am Ufer der Wakenitz.

(PM)