
Magdeburg – Trotz der Kälte hatte sich die VSG Lübeck nur eine dünne Personaldecke übergeworfen für die lange Auswärtsfahrt nach Magdeburg. Ohne etatmäßigen Zuspieler und mit insgesamt nur zwei Wechseloptionen, dafür aber mit Aufwind vom guten Spiel gegen Spitzenteam Dessau am vorigen Wochenende. Der junge Lasse Neumann war aus der zweiten Mannschaft hochgezogen und sollte das erste Mal in seiner Karriere in der 3.Liga auf dem Parkett stehen. Ihm zur Seite stellte Trainer Alexander Beitz Diagonalangreifer Ullerich, die Mittelblocker Pommerenke und Rietz sowie die Außenangreifer Moll und Lübbe. Als Libero stand ihm Jakob Litke zur Verfügung.
„Hatten Probleme“
Doch zu Beginn der Partie war nichts zu sehen von einem gesteigerten Selbstbewusstsein oder dem Willen, dem direkten Abstiegskonkurrenten das Leben schwer zu machen. Der USC aus Magdeburg machte seine Sache solide und die VSG kam kollektiv noch nicht auf Betriebstemperatur. Insbesondere den Mittelangreifern Birger Pommerenke und Vincent Rietz fiel die Umstellung auf den neuen Zuspieler schwer, der Schnellangriff war im ersten Satz kein Faktor auf Seiten der Lübecker. Dementgegen kam Magdeburg über die Mitte immer wieder zu leichten Punkten. Erst gegen Ende des Satzes nahmen auch die Hansestädter etwas Rhythmus auf und boten Paroli. Zwei direkte Aufschlagfehler brachten die VSG um den Lohn und den USC in Führung. „Wir hatten Probleme, Energie zu finden. Viele von den Wenigen, die dabei waren, waren zudem angeschlagen, das war heute mental richtig schwer, dieses Feuer zu finden, das du brauchst, um in so einer Situation erfolgreich zu sein“, resümierte Birger Pommerenke nach dem Spiel.
Nerven behalten
In Satz zwei steigerte sich die VSG in allen Elementen und insbesondere die Körpersprache der Spieler änderte sich. Zuspieler Neumann legte seine anfängliche Zurückhaltung ab, wurde präsenter und selbstbewusster, Malte Ullerich konnte seine ganze Athletik und Höhe ausspielen und auch die Außenangreifer fanden gute Lösungen im Angriff. Magdeburg hielt dagegen, es entwickelte sich ein Spiel auf Augenhöhe. In der Crunchtime behielt Lübeck die Nerven und glich aus. „Hätten wir Satz zwei verloren, wären wir hier glaube ich mit 0:3 nach Hause gefahren. Ich ziehe den Hut vor der Mannschaft, das war ein echter Kraftakt heute“, zeigte sich Trainer Beitz erleichtert.
Erneute Wendung
Danach: Ein geplatzter Knoten, befreit spielten sich die Lübecker die Lethargie von der Seele. Die Annahme wurde immer besser, im Mittelblock brachte der eingewechselte Friedemann Schäfer neue Energie und Magdeburg hatte dem Aufschlagdruck der VSG nichts mehr entgegenzusetzen. 25:14, 2:1 Satzführung, Satz vier sollte die Entscheidung und drei bitter benötigte Punkte auf das Konto der VSG bringen. Doch angetrieben von ihren Fans fand Magdeburg zurück ins Spiel und brachte die Gäste durch spektakuläre Abwehraktionen zur Verzweiflung. „Wir haben dann ein wenig den Faden verloren und im Angriff ein wenig überdreht. Das hat die Halle und den Gegner zurück ins Spiel gebracht“, ärgerte sich Pommerenke nach der Partie.
Big-Points
Das Spiel musste also im Entscheidungssatz entschieden werden. Lübeck nahm den Faden wieder auf, dominierte den Satz über weite Strecken, sah beim 10:4 schon wie der sichere Sieger aus. Dann das große Wackeln, Magdeburg nahm noch einmal Fahrt auf, bei 10:10 war der Satz wieder komplett offen. „Das war schon ein Deja-Vu zur Vorwoche, als wir das Spiel gegen Dessau nach hoher Führung im fünften Satz noch aus der Hand gegeben haben. Aber Respekt insbesondere an Johan Moll und Lasse Neumann, die mental in der Phase extrem stabil waren“, so der Coach nach dem Spiel. Neumann und Veteran Schäfer zogen den Magdeburger Angreifern in den entscheidenden Situation im Block den Zahn, Moll brachte aus schwierigen Situation den Ball im Feld unter und den Schlusspunkt setzte Malte Ullerich zum 15:13. „Erleichtert und kaputt. Und stolz, insbesondere auf die jungen Spieler, die natürlich enorm wachsen an solchen Spielen“, antwortete Pommerenke auf die Frage, wie er sich nach dem Spiel fühlte. Mit dem 3:2 Sieg gegen den direkten Konkurrenten im Abstiegskampf rückt das rettende Ufer für die VSG wieder in erreichbare Nähe. „Es wird nicht einfach, aber der Glaube ist da und gestärkt nach so einem Spiel. Wir freuen uns auf die heiße Phase der Saison, die wir definitiv jetzt erreicht haben“, blickt Alex Beitz mit Vorfreude auf die vor ihm und seiner Mannschaft liegenden Aufgaben.
Bildquellen
- Die VSG Lübeck darf wieder jubeln: Mirko Rietz/oH
Gefällt Dir unsere journalistische Arbeit?
Dann unterstütze uns hier mit einem kleinen Beitrag. Danke.







