
Lübeck – Mai 2025, Storm FC Volume 1. Scheinwerfer schneiden durch die Hansehalle, Kameras richten sich auf einen jungen Lübecker, der bereits einen Kampf hinter sich hat – und nun zum Finale des Storm-Rules-Turniers antritt. Jan Mallach geht ein zweites Mal an diesem Abend den Gang zum Ring. Der erste Gegner war durch Niederschlag früh gestoppt worden. Ein Statement. Ein Ausrufezeichen. Doch wer genau hinsah, erkannte: Mallach wirkte gezeichnet. Ungewöhnlich stark.
Was zu diesem Zeitpunkt niemand wusste: Der Lübecker kämpfte mit einem Thrombozytenmangel – einer Autoimmunerkrankung, die seine Blutgerinnung beeinträchtigte. Schon leichte Treffer führten zu massiven Hämatomen. Ein Risiko, das an diesem Abend noch niemand einzuordnen wusste.
Ein Turnierabend mit bitterem Ende
Das Format versprach maximale Intensität: Vier Kämpfer, zwei Halbfinals, ein Finale – alles an einem Abend. Wer zweimal gewinnt, trägt den Gürtel nach Hause. Im Halbfinale dominierte Mallach seinen Gegner aus Bremen nach Belieben. Druckvoll, präzise, entschlossen. Der Knockout war einer der Momente des Abends.
„Man hat richtig gesehen, wie viel Lust Jan auf diesen Abend hatte“, erinnert sich Trainer Andreas Wiechmann. „Der KO im ersten Kampf war definitiv einer der spektakulärsten Treffer der Veranstaltung.“
Auch Mallach selbst fühlte sich stark. „Ich habe mich extrem gut gefühlt und war bereit für das Finale“, sagt er rückblickend. „Aber kurz nach dem Halbfinale schwollen die Stellen, an denen ich getroffen wurde, extrem an. Das passte für mich nicht zu den Treffern.“
Kämpfer wollen kämpfen. Adrenalin überdeckt Warnsignale. Wenn es sportlich um alles geht, blendet man vieles aus. Also trat Mallach zum Finale an. Über die volle Distanz lieferten sich beide Athleten ein hartes Duell. Mallach kämpfte – mit eingeschränkter Sicht, mit zunehmender Schwellung, mit dem unbedingten Willen, den Gürtel in Lübeck zu halten. Am Ende entschieden die Punktrichter knapp gegen ihn. Der Titel ging nach Hamburg.
„Jan hat an diesem Abend echtes Kämpferherz bewiesen“, sagt Wiechmann. „Aber allein durch die massive Schwellung am Auge konnte er nicht richtig sehen. Ich bin überzeugt: Unter normalen Umständen wäre das ein anderer Kampf geworden.“
Wenn Sport plötzlich Nebensache wird
Was nach dem Gong folgte, relativierte alles Sportliche. „Die Schwellungen wurden über Nacht so schlimm, dass ich am nächsten Tag kaum noch sehen konnte“, erzählt Mallach. „Ich musste ins Krankenhaus.“
Mehrere Tage blieb er stationär. Die Diagnose: Thrombozytenmangel. Eine Autoimmunerkrankung, bei der der Körper eigene Blutplättchen abbaut – mit direkten Auswirkungen auf die Gerinnung und die Wundheilung. „Zu dem Zeitpunkt wusste niemand – auch Jan selbst nicht –, dass er diese Erkrankung hat“, betont Wiechmann. „Natürlich hätten wir ihn so niemals kämpfen lassen. Auf der anderen Seite hat der Abend vielleicht dazu geführt, dass es überhaupt entdeckt wurde. Jetzt ist wichtig, die Ursache vollständig zu klären.“
Seitdem werden Mallachs Blutwerte regelmäßig kontrolliert. „Die Werte befinden sich die meiste Zeit wieder im Normalbereich“, sagt der Mitte-20-Jährige. „Nach einer Pause im Sommer 2025 bin ich zurück im Training. Und für mich war klar: Ich will wieder in den Ring.“
Auch Storm-FC-Geschäftsführer Markus Kemper ordnet ein: „Wenn die Werte zum Kampfzeitpunkt ärztlich überprüft sind und es keinerlei Bedenken gibt, kann Jan kämpfen. Aber eines ist klar: Die Gesundheit unserer Kämpferinnen und Kämpfer steht für uns an oberster Stelle.“
Von K1 zu Storm Rules – kleine Handschuhe, große Motivation
Mallach kommt ursprünglich aus dem K1 und MMA. Dort sammelte er seine sportlichen Grundlagen, stand unter anderem bereits bei Großveranstaltungen wie „We Love MMA“ im Ring. Der Wechsel zu den Storm Rukes war dennoch eine bewusste Entscheidung. „Mich reizt vor allem das Kämpfen im Stand mit kleinen Handschuhen“, sagt Mallach. „Die Dynamik ist anders, die Treffer fühlen sich direkter an. Es ist ehrlicher, intensiver.“
Die Storm Rules – K1 mit kleinen MMA-Handschuhen, erweitert um aktiven Clinch und Wurftechniken – kamen ihm daher entgegen. „Jan ist technisch vielseitig und hat ein gutes Distanzgefühl“, sagt Wiechmann. „Dieses Regelwerk passt zu ihm. Und er hat noch lange nicht gezeigt, was in ihm steckt.“
Der zweite Anlauf
Storm FC Volume 2 am 9. Mai in der Lübecker Hansehalle markiert nun den nächsten Schritt. Kein Turnier diesmal – sondern die gezielte Rückkehr auf die große Bühne. Für Mallach ist es mehr als nur ein weiterer Kampf. Es ist die Chance, ein Kapitel neu zu schreiben.
„Ich habe aus dem letzten Jahr viel mitgenommen“, sagt er ruhig. „Vor allem Demut. Gesundheit ist nicht selbstverständlich. Aber wenn ich im Ring stehe, will ich gewinnen. Daran hat sich nichts geändert.“
Trainer Wiechmann ergänzt: „Jan hat in dieser Phase nicht nur sportlich, sondern auch mental enorm an Reife gewonnen. Er weiß jetzt, was wirklich zählt – und genau das macht ihn gefährlich.“
Ob es am 9. Mai für den ganz großen Moment reicht? Sicher ist nur: Wenn der Gong ertönt, wird Mallach wieder da sein. Mit klarem Blick – und dem festen Willen, den Sieg in Lübeck zu halten.
Tickets erhältlich
Tickets für die Storm Fighting Championships Volume 2 am 9. Mai 2026 sind ab 25 Euro erhältlich unter www.stormfc.de.
Bildquellen
- Mallach Kampf: Visual Ethos by Madeleine Kriese, Homepage: www.visualethos.de, Instagram: @visualethos
- Mallach: Nils Glieden Fotografie, Instagram: @fotografie_nilsg
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