Norderstedt – Rückschlag für Eintracht Norderstedt in der Fußball-Regionalliga: Es setzte nicht nur eine herbe 1:4-Pleite im Derby gegen den FC St. Pauli II, sondern noch schlimmer dürfte wiegen, dass Torjäger Sinisa Veselinovic nach 31 Minuten ausgewechselt werden musste und wohl einige Zeit ausfallen wird. Die Schnelldiagnose lässt eine Innenbandverletzung vermuten.

Dabei sah es zu Beginn des Spiels alles erstmal ganz gut aus. Die Gäste, die mit Brian Koglin, Luis Coordes, Jan-Marc Schneider, Clemens Schoppenhauer und Florian Carstens gleich fünffache Verstärkung aus dem Profikader aufboten, hatten zwar optisch mehr vom Spiel, wirkliche Torchancen konnten sich die Boys in Brown jedoch nicht herausarbeiten. Dementsprechend wurde es das erste Mal laut im Stadion, als Johann von Knebel den Ball im Mittelfeld eroberte und halbhoch in den Strafraum brachte, doch Felix Drinkuth scheiterte im Abschluß an Pauli-Keeper Leon Schmidt (19.). Und auch die zweite Chance ging Norderstedt: Juri Marxen flankte maßgenau auf den Kopf von Sinisa Veselinovic, der aus kürzester Distanz knapp das Ziel verfehlte (23.). Aber aller guten Dinge sind ja bekanntlich drei: Florian Carstens ließ im Strafraum das Bein gegen Jordan Brown stehen – Elfmeter! Felix Drinkuth machte sich selbst ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk und verwandelte sicher zur Norderstedter Führung (27.).

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Nur kurze Zeit später der Schock: Bektic foulte den ihm mit dem Rücken zugedrehten Veselinovic grenzwertig. Eine Karte gab es nicht, stattdessen musste Veselinovic unter großen Schmerzen den Platz verlassen. Da der etatmäßige Mittelstürmer Jan Lüneburg sich am Freitag erkältet abmeldete, kam Mats Facklam nach seiner Verletzung früher als geplant zum Einsatz (31.). Die erste Prognose der medizinischen Abteilung lässt nichts Gutes erahnen. „Es ist irgendwas mit dem Innenband. Was genau, lässt sich jetzt noch nicht sagen", sagte Trainer Dirk Heyne direkt nach dem Spiel.

Der nächste Dämpfer folgte postwendend – Schneider steckte den Ball für Conteh durch. Nürnberger kam aus dem Tor, Conteh zu Fall – erneut Elfmeter. Der ehemalige Norderstedter Brian Koglin blieb cool und schob den Ball zum Ausgleich ein (35.). Die Gäste hätten durch Carstens vor der Pause sogar noch in Führung gehen können, doch Nürnberger drehte dessen Schuß aus 20 Metern noch um den Pfosten (41.). Unterm Strich ein leistungsgerechtes Unentschieden zur Pause, die Gäste hatten mehr vom Spiel, der Gastgeber dafür die besseren Chancen.

Norderstedt wollte nach den Siegen gegen Jeddeloh und in Wolfsburg den dritten Dreier in Folge einfahren und legte in Durchgang zwei stürmisch los – Brisevac verzog knapp (51.). Doch mitten in die Drangperiode hinein, legten die Gäste einen erstklasssigen Konter hin: Dario Kovacic spielt einen langen Ball in die Sturmspitze auf Conteh, der den Ball von der Kante des Sechzehners über den herausstürzenden Nürnberger zum 2:1 ins Tor hebt (54.). Auf der anderen Seite legte Facklam den Ball schön zurück auf Jordan Brown, der elf Meter vor dem Tor freistehend über den Ball trat (58.). Und das rächte sich: nach einem Fehler im Aufbauspiel bekam Leon Deichmann den Ball für die Füße, spielte auf Kovacic, der den Ball erneut auf Conteh weiterleitete. Der behielt auch dieses Mal die Ruhe und schob zum 3:1 für die Gäste ein (66.).

Für Norderstedt war das so wie ein K.o.-Schlag. Danach spürte man – da geht heute nicht mehr viel. Das einzige was noch ging, war das 4:1 von Jan-Marc Schneider (75.) und eine Glanzparade von Nürnberger, der einen Schuß von Robin Meißner aus dem Winkel kratzte (89.).

Trainer Heyne ärgerte sich nach dem Spiel über das deutliche Ergebnis, das so völlig unnötig war: „Eigentlich hat die Mannschaft das gut umgesetzt. Es war klar, dass St. Pauli mehr Ballbesitz hat, wir wollten die Bälle im Mittelfeld erobern und schnell nach vorne umschalten. Das ist alles so umgesetzt worden, wie wir das vorhatten. Aber die Tore 1, 2 und 4 dürfen in der Art nicht fallen. Die haben wir selbst eingeleitet und St. Pauli dadurch das klare Ergebnis ermöglicht."

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St. Pauli-Trainer Joachim Philipkowski: „Fußballspiele sind so, dass man auch mal etwas Spielglück haben muss. Norderstedt hat vor dem Elfmeter zwei gute Chance gehabt. Ansonsten haben wir mehr Ballbesitz gehabt und guten Fußball gespielt. Wir haben in der ersten Halbzeit gemerkt, dass Eintracht Norderstedt nicht so einen guten Tag hat und wollten das Spiel unbedingt gewinnen. Wir haben das Tempo hochgehalten, spielerisch nachher noch mehr zugelegt und am Ende verdient 4:1 gewonnen."

Tore: 1:0 Felix Drinkuth (27., Foulelfmeter); 1:1 Brian Koglin (35., Foulelfmeter); 1:2 Sirlord Conteh (54.); 1:3 Sirlord Conteh (66.); 1:4 Jan-Marc Schneider (75.)

Norderstedt spielte mit: Nürnberger – Marxen (79. Bork), Coffie, Mandic, Brown (c) – Meien, von Knebel – Can (61. Toksöz), Brisevac, Drinkuth – Veselinovic (31. Facklam)

Gelb: Meien (1)

Zuschauer: 585

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