Ein Jahr Corona: So hart trifft es einen hauptberuflichen Trainer in der Pandemie – „was für ein blöder Traum“

Tino Salzwedel (Tischtennis-Trainer). Foto: oH
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Lübeck – In der Reihe „Ein Jahr Corona“ beschäftigt sich HL-SPORTS in dieser Woche mit dem sportlichen Lockdown. Vereine und Mitglieder leiden darunter, dass Sport nicht oder nur teilweise möglich war und ist. Heute widmen wir uns Tino Salzwedel. Der selbständige Tischtennistrainer schaut seit zwölf Monaten jeden Tag auf die Entwicklung und hofft, dass wieder eine „Normalität“ eintrifft. Wir trafen ihn zum virtuellen Interview.

HL-SPORTS: Hallo Tino, ein Jahr Sport-Lockdown haben wir nun hinter uns. Wie hast du die ersten Tage der Pandemie erlebt?

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Tino Salzwedel: Ich konnte es gar nicht glauben, was da plötzlich los war und dachte mehrere Morgende „was für ein blöder Traum“… Es fühlte sich unwirklich an. Ich habe viel Zeit mit Fahrradfahren verbracht.

HL-SPORTS: Du bist selbständiger Tischtennistrainer und quasi seit einem Jahr ohne Einkommen aus diesem Bereich. Wie geht es dir dabei und was machst du derzeit?

Tino Salzwedel: Ich leite neun Tischtennis-Schul-AGs, trainiere mehrere Vereinstrainingsgruppen und eine Fördergruppe. Im Jahre 2020 konnte ich mich mit Tischtennis noch ganz gut über Wasser halten, da einige Gruppen trotzdem stattfinden durften, wenn auch mit Riesen Einschränkungen. Seit 15.12.2020 konnte ich tatsächlich mit meiner Selbstständigkeit nicht einen Euro erwirtschaften. Das ist hart. Und die Ungewissheit bleibt wie es wann normal weitergeht.

HL-SPORTS: Hast du staatliche Hilfe in Anspruch nehmen können?

Tino Salzwedel: Staatliche Überbrückungsgelder standen mir nicht zu, da Soloselbstständige nur in gewerblichen Ausgaben unterstützt werden – die ich ja nicht habe. Ich muss keine Hallenmiete zahlen oder dergleichen. Durch meinen Nebenjob als Sportlehrer kann ich den finanziellen Verlust aber einigermaßen abfedern.

HL-SPORTS: Deine Mannschaften, die du trainierst und die Schulklassen dürfen kein Tischtennis spielen. Bist du mit ihnen in Kontakt und wie geht es dir und ihnen dabei?

Tino Salzwedel: Im kompletten Lockdown befindet sich Tischtennis seit Mitte Dezember. Mir fehlt mein Sport und das Jugendtraining und vor allem die engagierten Kinder natürlich sehr. Umso schöner, wenn ich zufällig mal eine Familie irgendwo treffe und über Tischtennis geredet wird. Auch die Kinder sehnen sich nach dem Tischtennistraining; dies ist deutlich zu spüren. Regelmäßigen Kontakt haben wir nicht. In Kürze darf wieder eingeschränktes Training stattfinden. Das wird ein freudiges Wiedersehen.

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HL-SPORTS: Wie schwer werden die Schäden in der sportlichen Ausbildung durch dieses verlorene Jahr sein?

Tino Salzwedel: Dieses verlorene Jahr wird sich sehr stark auswirken. Tischtennis ist eine hochkomplexe Sportart. Es wird dauern auf den alten Leistungsstand zu kommen. Die Schnellkraft, die Koordination, die Schnelligkeit… alles muss sich erst wieder erarbeitet werden.

HL-SPORTS: Wie sieht es bei euch im Verein allgemein aus? Gibt es viele Austritte?

Tino Salzwedel: Speziell in unserer Tischtennisabteilung sind uns alle treu geblieben und wir haben tatsächlich null Austritte, die sich auf die Pandemie zurückführen lassen. Im Gegenteil, wir haben sogar im November einen einzigen Vereinseintritt gehabt.

HL-SPORTS: Was erhoffst du dir für die Zukunft und was könnte besser gemacht werden?

Tino Salzwedel: Ich hoffe, dass sich alles möglichst zügig normalisiert. Dass wieder befreit trainiert und zu Turnieren und anderen Wettkämpfen gefahren werden kann. Dass wir vergleichbare Situationen nicht so schnell wieder erleben und wenn es wieder zu einer Pandemie kommen sollte, dass Einschränkungen mit mehr Augenmaß vorgenommen werden.

Jugendliche und Kinder schulisch und in Freizeitaktivitäten so einzuschränken, darf nicht noch einmal passieren.

HL-SPORTS: Vielen Dank für das Interview und alles Gute für die Zukunft.

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