„Man kann die Saison abhaken!“ – Halbserie als einzige Chance?

Regionalligaspiel VSG LT-TGR gegen Grün Weiß Eimsbüttel

Lübeck – Wie in allen anderen Sportarten liegt auch Volleyball wegen der anhaltenden Corona-Pandemie brach und ist von der Lockdown-Verlängerung gebeutelt. HL-SPORTS fragte bei den Lübecker Mannschaften nach.

„Wir verlieren in der Ausbildung entscheidende Zeit“

Thomas Kranz, Herren-Trainer der VSG Lübeck und Abteilungsleiter der TG Rangenberg sagt: „Ich sehe das aus zwei Sichten, Erwachsenensport und Jugend: Unser Sport, wie wir ihn im Wettkampf betrieben haben, ist durch die Hygienekonzepte nicht ausschlaggebend für die Entwicklung im Herbst gewesen. Das Fahren auf Sicht ist anstrengend aber derzeit notwendig – man kann keine genaue Planung machen. Wenn die Zahlen es zulassen (Inzidenz unter 50), hoffe ich, dass die Politik sehr schnell reagiert, ich befürchte aber, dass der Sport insbesondere im Wettkampf (Amateurbereich) erst sehr spät wieder hochgefahren wird. Im August mussten die Verbände auch erst Alarm schlagen, um die Auflagen anzupassen (das ist hoffentlich nicht wieder notwendig, wenn es soweit ist). Ob dann noch eine Halbsaison zu Ende gespielt werden kann, hängt von der verbleibenden Zeit und der Bereitschaft der Mannschaften/Vereine ab. Ich befürchte, man kann die Saison 2020/2021 abhaken (und es wird auch noch interessant, wie eine Wertung ausfallen soll und wie dann die Ligen 2021/2022 aussehen), da wir bereits Sonderregeln aus dem Abbruch 2019/2020 haben. Die andere Sicht ist die aus der Jugend: Zum einen Sport als Gesundheits-/Gesellschaftsfaktor bzw. die Jugend verpasst sehr viel in ihrer Altersklasse. Wir verlieren in der Ausbildung entscheidende Zeit für deren Entwicklung. Bei unserer technischen Sportart wären auch Kleingruppen erstmal gut machbar. Wir versuchen die Jungs online bei der Stange zu halten und haben im ersten Lockdown erlebt, dass alle Ende Mai wieder froh und heiß waren, Volleyball zu spielen. Da hat uns das Wetter und der Beachvolleyball in die Karten gespielt. Das sieht in der Halle anders aus. Pessimistisch gesehen kann man die Hallensaison abhaken und ich hoffe auf eine Normalisierung zu Ostern, wenn wir mit dem Beachvolleyball dann starten. Ich hoffe, dass alle die Kraft und den Willen haben, bis dahin durchzuhalten. Vielleicht greifen auch die jetzigen Maßnahmen, um die Inzidenz auf unter 50 zu bekommen, aber das sehen wir erst Ende des Monats und dann schätze ich, dass es noch zwei Wochen dauert, bis es zu Lockerungen im Amateursport kommt (so war es beim ersten Lockdown auch). Wichtig ist es, dass es dann schnell geht, wenn man noch etwas bis Ostern retten möchte und unter anderem unsere Jugend wieder trainieren kann. Bis jetzt sind unsere Mitgliederzahlen stabil. Wir müssen jetzt das ausbaden, was Ende November politisch versäumt wurde und die Zahlen nach oben getrieben hat. Aktuell hat der Lockdown Priorität, gerade wenn man sich die jüngsten Sterbefälle in Schleswig-Holstein anschaut. Man wird es nächste Woche sehen, ob die aktuellen Maßnahmen ausreichend greifen. Wir sehen dann Ende des Monats, ob wir die Lage wieder im Griff haben und eine Chance für den Hallensport für Februar oder März besteht. Bis dahin bleibt leider nur Geduld und Disziplin. Mit einer Wiederaufnahme des Spielbetriebs Mitte Februar wäre noch für eine Halbserie Zeit, wenn man gegebenenfalls auch in den Osterferien spielen würde. Überregional in Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern ist die Sache dann noch schwieriger, weil es voraussichtlich wieder unterschiedliche Verordnungen geben wird. Schön wäre es, wenn es einheitliche Regeln für den Amateursport geben würde, die sich auf die Inzidenzzahlen lokal beziehen. Dann sind zwar lokale Lockdowns möglich, aber zumindest wären dann andere Regionen mit unkritischen Zahlen nicht auch betroffen. Eine Sache, die ich auch für andere Bereiche gelten sollte.“

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VSG-Damen warten auf den nächsten Einsatz (Foto: VSG)

Hoffnung auf Halbserie

Stefan Kühm-Stoltz (VSG-Damen-Coach): „Sollte es im Februar oder März wieder los gehen, könnte ich mir derzeit vorstellen, dass sie nur eine Halbrunde spielen, so dass alle Teams einmal gegeneinander antreten. Meine Mannschaft trifft sich derzeit im Videochat und hat mit einer Spielerin in Eigenregie das Krafttraining per Videoübungen übernommen. Zudem haben sie für den Ausdauerbereich virtuelle Laufwettbewerbe mit der 2. Damen organisiert „wer schafft mehr Kilometer pro Woche“.  So versuchen die Mädels sich fit zu halten. Ich persönlich habe derzeit wenig Verständnis dafür, dass der Amateursport so hinter dem Profisport zurücksteht, auch wenn ich die Sportschau am Sonnabend liebe.“

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